Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

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Die Weinbergschanze gibt sich auf den Stadtplänenl als rechteckiges Wall- und Grabenwerk zu m: 12.. 1a 
erkennen, dessen nach der Stadt gerichtete Seite offen ist. Sie bestand aus einer kurzen, gegen Wehlheiden 
gerichteten Face und zwei längeren Flanken. lhre Spuren wurden beim Bau des Landesmuseums wieder ge- 
funden '. Der bei den Gründungsarbeiten dieses Gebäudes aufgedeckte Erdeinschnitt, der sich durch die dunklere 
Färbung von dem hellen felsigen Naturboden abhob, scheint der Graben der rechten Schanzenflanke gewesen 
zu sein. Als Abmessungen wurde eine obere Weite von 6,0 m und eine Tiefe von 4,0 m festgestellt. 1768 
wurde die Schanze eingeebnet. An ihrer Stelle wurden Maulbeerbäume angepflanzt. 
Die Mittelschanze zeigt auf einem Stadtplan aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts' die gleiche Tafel 12 
Form, wie die Weinbergschanze. Die größere Länge der Flanken der Face gegenüber tritt stark hervor. Mitten 
durch die Schanze, die in der Face einen breiten Einschnitt aufweist, führte der Weg nach Kirchditmold. Den 
Platz der Schanze wird man an der Cölnischen Allee etwa da anzunehmen haben, wo die Viktoriastraße kreuzt. 
' Die Reißbergschanze besaß nach demselben Plan die Form des geschlossenen Rechtecks mit all- 
seitig umgebendem Graben. Die Spuren der Schanze wurden bei Gelegenheit der Erweiterung des Bahnhofes 
im Jahre 1910 wieder angetroffenf. Auf dem Gelände der ehemaligen Faßfabrik von Bodenheim fand man 
das Skelett eines Soldaten, eines Verteidigers der Schanze, die während der Belagerung 1762 das Hauptb0ll- 
werk der Franzosen gegen die Angriffe der Verbündeten vom Rothenberg und von Rothenditmold her bildete. 
Auch eine Anzahl Vollkugeln und mehrere mit Tragösen versehene Bomben kamen zu Tage 5. 
Die Mönchebergschanze wird 1652 bei Gelegenheit des Tausches eines Gartens „vorm Ahnaberger 
Thore an der Schaare in der Müncheberger Schanze" erwähnt. Nach einer Urkunde vom Jahre 1657 lag der 
Garten zwischen dem Müller- und dem Ahnaberger Tor „an der Contreescarpe in der Schanze". Für Lage 
und Art der Schanze ist die weitere Mitteilung von Interesse, daß die Ahna „hiebevor viel eingerissen" hatte 
sowie daß der neue Inhaber, der Jude Simon Goldschmidt, das Loch ausfüllen und einen angefangenen Brunnen, 
der der Festung von Nutzen sein könnte, ausführen lassen solltef. Die Stelle der Schanze wird in der Nähe 
des Landkrankenhauses gesucht. 
Die Kratzenbergschanze erscheint am spätesten auf den Stadtplänen und ist auch dann noch fest- 
zustellen, als die anderen Schanzen bereits verschwunden sind. Sie muß als das jüngste und am meisten vor- 
geschobene Außenwerk angesehen werden, das bestimmt war, einen wirksameren Schutz zu gewähren, als die 
mehr zur Stadt und tiefer gelegene Mittelschanze vermochte. Als Grundriß findet sich das geschlossene Recht- 
eck gezeichnet. 
Stadtbefestigung des Landgrafen Karl. 
Dem Landgrafen Karl mußte außer an der Erhaltung der alten Festungswerke in Bau und Besserung 
vor allem daran gelegen sein, die von ihm gegründete Obere Neustadt gegen einen feindlichen Angriff zu 
sichern und ihr eine Befestigung zu geben, die der fortgeschrittenen Angriffsart entsprechend nach anderen 
Grundsätzen und in wesentlich anderer Form, als die der alten Stadt, ausgeführt wurde. Fast alle Entwürfe 
der Stadtanlage" zeigen, wie gründlich und großzügig der mit dem Kriegswesen seiner Zeit wohlvertraute Fürst 
den Schutz der neuen Siedelung auffaßte. Die Umwallung, teils noch in Bastionärart teils schon im Tenaillne- 
system entworfen, sollte eine größere Grundfläche bedecken, als die Stadt selbst einnahm. Noch eindrucks- 
' Stadtplan v. Roth 1786. Stadtplan v. Leopold 1757. 
' Eisentraut, in Mitt. d. Ver. f. hess. Gesch. 1910111, S. 99. 
' Stadtplan v. Roth 1736. 
4 Woringer, in Mitt. d. Ver. f. hess. Gesch. 1910l11, S. 99 f. 
' Jetzt zum Teil im Landesmuseum zu Cassel, zum Teil in der Stützmauer des Reißberges eingemauert. 
' Stadtarchiv Cassel. H. 380. 
" Vgl. S. 45 f. 

	        

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