Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

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festigen, sey nicht rathsam, weil sie nur einem siegreichen Feind zum Vorteil gereichtenf" 1500 Gulden ent- 
Iieh im gleichen Jahr die Stadt „zu Verrichtung der obliegenden Bewe". Im Jahre 1640 erschien ein an Amalia 
Elisabeth gerichtetes „Advis ä Son Altesse Madame la Iandgraue de Hesse, touchant quelques particulieres 
remarques sur l'estat moderne des chasteau et fortifications de Cassell" von Jean Mauris Tissot." Dieser Tissot 
war Kriegsbaumeister des Herzogs von Longueville. Wieweit die Landgräfin durch diesen Ingenieur die 
Festungswerke verstärken ließ, ist nicht klar zu ersehenß Zwei Entwürfe, die eine Vergrößerung der Festung 
nach Westen vorsehen und das Tenaillensystem bringen, tragen die Unterschrift „Dessein du Colonell Rotary"! 
Von erhöhtem Belang für die Beurteilung der Festung Cassel in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ist 
die Äußerung eines Ausländers, des französischen Staatsrats Monconys, der 1663 die Stadt besuchte und schrieb: 
„Les fortifications ne sont pas regulieres, mais elles sont pourtant excellentes; les bastions sont extremement 
hauts, et pour cela il y en a de petits ä leurs pointes, et ils sont tous voutes et ont de larges fosses revetusßß 
Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts fing der Wert der Festung an zu sinken. Der Gürtel der Wälle 
und Gräben verlor seine strategische Bedeutung und hinderte die Entwicklung der Stadt. Als das zweite Drittel 
des Jahrhunderts verflossen war, bestand kein Zweifel mehr, daß der einst so hoch bewertete Bering mehr 
schädlich als nützlich war. Die Entfestigung Cassels wurde beschlossen}; Die Verfügung Landgraf Friedrichs II. 
zur Schleifung der Werke datiert vom 19. Dezember 1767. Die einzelnen Arbeiten in die Wege zu leiten war 
ein besonderer Ausschuß, die „Hessische zur Demolition der Vestungs-Werker gnädigst verordnete Commission" 
tätig, der unter anderm auch Bose, von Gohr, Jussow und S. L. du Ry angehörtenß Am 21. Dezember 1767 
wurde der Anfang gemacht. Zuerst mußten die Strafgefangenen die Streichmauern am Wall niederlegen. Vom 
29. Februar 1768 ab arbeiteten ununterbrochen Abteilungen vom Iandgräflichen Militär, ausschließlich der Garde, 
an der Abtragung der Wälle und der Zufüllung der tiefen Gräben, eine Arbeit, die sieben Jahre dauerte, bis 
man am Zeugmantel, wo der Anfang gemacht worden war, wieder anlangte. Von jedem Infanterieregiment 
waren 54 Mann, von den Dragonern 30 Mann abkommandiert, die jedesmal nach drei Monaten wieder abgelöst 
wurden. 1769 wurde die Zuwerfung des Grabens am Neuen Tore verfügt und 1774 der Abbruch der letzten 
Pförtnerhäuser erledigtß Die Brücken zwischen dem Hauptwall und den Außenwerken hatte die Stadt auf 
ihre Kosten zu beseitigen, da ihr auch laut Bericht der Kriegs- und Domänenkammer vom 30. November 1775 
die Unterhaltung dieser Übergänge oblag} Die Kosten der Schleifung der Festung, die sich auf 170840 Taler 
beliefen, wurden aus den englischen Subsidiengeldern zur Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges be- 
stritten." Von allen Abbruchsarbeiten gestaltete sich die Niederlegung des Zeugmantels am schwierigsten, wes- 
halb man diese Arbeit auch zu allerletzt vornahm. Auf Befehl des Landgrafen begann man hiermit im Juli 1789; 
die letzten Spuren der gewaltigen Bastion verschwanden erst am 17. April 1790. u. Die Zufüllung des Grabens 
nahm noch längere Zeit in Anspruch. Noch 1805 wurde ein offener Teil des Stadtgrabens vor dem Unter- 
neustädter Tor einem Casseler Bürger, dem Inspektor Klein, überlassen." 
Wälle und Gräben. 
Der neue Wall scheint, wie die älteren Stadtpläne erkennen lassen, in seiner Lage im Wesentlichen 
die Stelle des alten eingenommen zu haben. Auch er begleitete die mittelalterliche Stadtmauer auf der Außen- 
seite, einen genügenden Spielraum zwischen Mauer und Erdkörper frei lassend. Freiheit und Altstadt wurden 
 
' Rommel, Gesch. v. Hessen Vl, S. 706. 
2 Landesbibliothek Cassel, Msc. Hass. 8" 9 fol. 27. 
' Nach Stamford, Aue S. 230, ließ die Landgräfin durch Tissot unter anderm die Schloßbastion anlegen und in der Aue am rechten 
Ufer der Kleinen Fulda die kleine Aueschanze aufwerfen. 
4 Handzeichnungen. Landesbibliothek Cassel. 
5 Voyages ll, S. 268. 
' Engelhard, Erdbeschreibung l, S. 56 f. Gottsched, Erweiterung, S. 1 f. Wagner, Vorzeit. Gerland, du Ry, S. 90. 
' Stadtarchiv Cassel. R. 755. - ' Bericht der Demolitionskommission. Staatsarchiv Marburg. 
9 Staatsarchiv Marburg. O. St. S. 7138. - 1" Landst. neuere Akten, S. 1. Staatsarchiv Marburg. 
" Staatsarchiv Marburg. O. St. S. 7337. - 1' Geh. Rats-Akten 2042. Staatsarchiv Marburg. 
102 
 E4"-'E,E4 21202-45242 

	        

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