Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

 
Müllertor, Knickturm, Wolfsanger (Ahnaberger) Tor, Jungfernturm, Brückentor. Nach diesem Gesichtspunkte 
um a; ist die Stadtbefestigung in den hier aufgestellten Rekonstruktionsplan der ältesten Stadtanlage eingetragen. 
Ob der Stadt oder dem Landesherrn ein größeres Eigentumsrecht an den Toren und Türmen zustand, 
ist nicht klar zu ersehen '. 
Die beiden Schalentürme im Südzuge der Stadtmauer zwischen Burg und Zwehrenturm erscheinen 
um 4, 1 n. 03.1 bei Müller' als halbkreisförmig vor die Mauer vortretende Türme, die eine Bedachung nicht mehr aufweisen, 
Tafel 170,: 
Tafel 4, 7 u. 88,1 
Tafel 8 
vermutlich aber ursprünglich besessen haben. Daß die Türme jünger als die Stadtmauer sind, beweist der 
Umstand, daß sie sich blind vorlegen. Reste kann man bei gutem Willen bei Dilich" erkennen, der auch 
Pforten unbekannter Entstehungszeit zeichnet. Nach Anlage der weitergreifenden Befestigung des Schloßvor- 
platzes, der alten Vorburg und späteren Rennbahn, werden die Türme wertlos geworden und nicht mehr unter- 
halten sein. Sie verschwinden aus den Stadtplänen. Die westliche Schale zeigt einen rundbogigen Ausgang, der 
vielleicht später angelegt ist. 
Der Rundturm an der Südecke der Stadtmauer erscheint auf Müllers Planf mit Zinnenkranz und Kegeldach. 
Seine Höhe ist bei Müller gering, bei Merianf zwar erheblich größer, aber immer noch nicht bedeutend. 
Seine Stelle hatte der Turm dort, wo früher das Haus des Kunsthändlers Botinelli stand und jetzt der Nordwest- 
flügel der Kriegsschule, des ehemaligen Hofverwaltungsgebäudes, sich befindet, bei dessen Bau die kreisförmige 
Grundmauer des Turmes aufgedeckt wurde". 
Der Druselturmi, der einzige von den Türmen, der im Mauerwerk fast völlig erhalten ist, hat seine 
Stelle am Druselplatz. Sein Name, von der neben ihm befindlichen Druselpforte abgeleitet, erscheint 1471 
nach dem ehemals vor ihm befindlichen Druselteiche auch als Teichturmß. Den Platz des Turmes nahm ursprüng- 
lich die Druselmühle ein9. Zum Bau hatte sich die Stadt Cassel 1414 von Johannes Syberg, einem Karmeliter, 
und seinem Vater, einem Bürger zu Spangenberg, 150 fl. entliehen". lm folgenden Jahre fand der Bau statt". 
1564 wohnte der Drauselhans auf dem Turm. 1772 diente das Bauwerk als Gefängnis. Die Stadtrechnung 
vom Jahre 1526 verzeichnet 6 Albus für ein Seil zum Ein- und Auslassen der Gefangenen". 1686 wurde das 
Dach wegen Schadhaftigkeit abgebrochen und neu wieder aufgebracht". Der Schaden war so groß, daß die 
Gefangenen unter dem Regen litten. 1791 sollte der Turm als Räucherkammer für den Hof hergestellt werden". 
Nach der Veränderung der Stadtmauer bezw. nach ihrem Abbruch wurde eine neue Treppe außen an den 
Turm angebaut, die aber 1862 wieder entfernt wurde. 1872 ging der Turm, der mittlerweile ganz in den 
l Brunner, Cassel, S. 83: „Ein besonderes Eigentumsrecht scheint die Stadt an den Türmen und Toren, mit Ausnahme des Drusel- 
turmes, nicht gehabt zu haben, und auch bei diesem ist es zweifelhaft, da er noch 1794 als Räucherkammer für die fürstliche Hofhaltung 
hergerichtet werden sollte. Sie mußte nur die Unterhaltungskosten tragen, was ihr namentlich bezüglich der hölzernen Stadttore und der 
vielgebrauchten Zugbrücken schwer wurde, wenn auch der Landesfürst dazu jährlich zehn Eichenstämme aus seinen Waldungen hergab. Daß 
die Gilden von den bei ihnen fallenden Strafgeldern den vierten Teil der Stadt zu deren ,Bau' abgeben mußten (z. B. die Metzger nach 
ihrem Gildebrief von 1421), brachte nicht viel. Wahrscheinlich nahm der Staat auf Grund des römisch-rechtlichen Satzes, daß die Superficies 
dem Eigentümer des Grund und Bodens zusteht, die Türme für sich in Anspruch." 
' Stadtplan von Müller 1547 und 1548. 
' Stadtansicht v. Dilich 1601. 
' Stadtplan 1547 und 1548. 
ß Stadtplan 1646. 
' Fundamentriß des Hofverwaltungs-Gebäudes nebst Anlegung der gelegten Fundamentsroste und der vorgefundenen alten Mauer 
1826. Handzeichnung, Hochbauamt l, Cassel. 
7 Nebelthau, Gebäude, S. 22. Narten, Cassel, S. 263. Schmidt, Kassel, S. 44 f. Schwarzkopf, Cassel, S. 10. Schwarzltopf, 
Alt-Kassel, S. 158. Schwarzkopf, in Casseler Allgem. Zeitung 1900, No. 60 u. 67. Happel, Befestigungsbauten, S. 62 f. Happel, Burgen. 
S. 88 f. Brunner, in Casseler Tagebl. u. Anzeiger 1915, No. 549. Franclte, in Casseler Allgem. Zeitung 1915, No. 228. 
' Stölzel, Stadtrechnungen, S. 61, No. 81. 
' Nebelthau, Congeries, S. 837. Schmincke, Cassel, S. 244. 
"l Copialbuch A. lll 1, Stadtarchiv Cassel. 
" Dilich, Chronica, S. 157 f. Nebelthau, Congeries, S. 837. Winkelmann, Hessen ll, S. 274. Nebelthau, Denkwürdigkeiten ll, S. 81. 
" Stölzel, Stadtrechnungen, S. 205, No. 124. 
" Ortsrepositur, Staatsarchiv Marburg. 
lf Geh. Rats-Akten, Staatsarchiv Marburg. 
 
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