Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

Tafel 12, ß; u. 
27,1 
Tafel 72,1 
Tafel 72,: u. s 
Sophiees war, die das mittelalterliche Dach durch eine Kuppel ersetzte, mag dahinstehen. Auch die Frage, 
wieweit Karl den Turm zu einem Observatorium einrichtete, ist nicht einfach zu beantworten, wenn bedacht 
wird, daß der Landgraf 1714 auf dem Bellevueschloß eine Sternwarte schuf} Als sicher darf gelten, 
daß der Turm eine Kuppel mit Drehvorrichtung besaß. Mit diesem Kuppelbau hängt die noch jetzt vorhandene 
Stärke des Fußbodens im heutigen obersten Saale und die Anordnung der Pendantifs zusammen, die aus dem 
Viereck des mittelalterlichen Turmes in das Achteck des barocken Aufbaues überleiteten. Die Drehvorrichtung 
galt als geistreiche Neuerung, bewährte sich indessen wegen der großen Schwere der Kuppel nicht besonders 
und mußte schließlich der starken Schwankungen wegen, die den astronomischen Beobachtungen nicht förderlich 
waren, abgenommen werden. Das Drehwerk wanderte auf das Ottoneum, das mit einer ähnlichen Kuppel für 
astronomische Zwecke versehen war, hat sich aber auch hier nicht_ erhalten. Eine Beschreibung aus dem Ende 
des 18. Jahrhunderts' ergibt so viel, daß die Kuppel von 16 kleinen Fenstern durchbrochen war, auf zwei 
Fußböden, einem festen und einem beweglichen, aufruhte, mit einer Kurbel gedreht wurde, Laufräder zwischen 
den beiden Fußböden besaß und von einer Laterne bekrönt wurde. Dieses „oberste kleine Thürmchen" wird 
1738 erwähnt} Vielleicht geschah schon in diesem Jahre eine bauliche Änderung an der Kuppel. Zum Jahre 
1748 ist aus einem Rentkammerbericht bekannt, daß eine zweite Glocke, und zwar keine Viertelglocke, sondern 
eine Stundenglocke, auf den Zwehrenturm beschafft werden sollte und daß dem Baumeister Schultz zum 
Bezuge des nötigen Kupfers und Zinns 450 Taler mit der Weisung übergeben wurden, daß er für gute 
Beschaffenheit und gewissenhafte Mischung der Metalle sorgen solle. 1767 erforderte der Turm und die Uhr 
50 Taler Baugeld. Ein Jahr später wurde unter Friedrich ll. die Spitze des Turmes abgetragen. Im Übrigen 
blieb das Bauwerk, während man die übrigen Tore abbrach, wegen seiner Schönheit und Festigkeit verschont} 
Uhr und Glocke kamen auf die neue Garnisonkirche." Die Kosten wurden aus den amerikanischen Subsidien- 
geldern bestritten. Der Kuppelhelm selbst war 1779 noch vorhanden und verschwand erst, als Friedrich ll., 
der in diesem Jahre den Zwehrenturm durch einen kurzen geschwungenen Flügel mit dem neu erbauten 
Museum Friedericianum verband, dem oberen Teil des Turmes eine moderne Form gab, indem er insbesondere 
das Kuppeldach durch die noch jetzt vorhandene Plattform ersetzte}; Als Architekt der Umbauarbeiten gilt 
der Erbauer des Museums S. L. du Ry. Die instrumentale Einrichtung des neuen Observatoriumraumes besorgte 
der vom Landgrafen nach Cassel berufene Mechaniker J. C. Breithauptf 
Abbildungen des Turmes mit der Kuppel finden sich in kleinerem Maßstab auf Stadtansichten des 
18. Jahrhundertsß Eine geometrische Zeichnung größeren Maßstabes, die flachbogig geschlossene, gleichmäßig 
in der Höhe verteilte Fenster zeigt und in der Wetterfahne den hessischen Löwen mit den Initialen F. L. im 
Wappen aufweist, wird als ein Entwurf aus Friedrichs Zeit anzusehen sein." Eine zweite Aufrißzeichnung, 
Ansicht und Schnitt, nähert sich dem jetzigen Zustande, doch werden für den Abschluß des Turmes noch zwei 
1901 N0. 286, C. B, in Hessenland XV, S. 298 f., auf der Abbildung des Paradeplatzes, Steindruck von Specht, u. a. Die meisten neueren 
Schriftsteller berufen sich auf v. Zach als Gewährsmann. Als Jahr der Einrichtung des Observatoriums gilt 1561. Angezweifelt wurde das Vor- 
handensein einer Stemwarte Wilhelms lV. auf dem Zwehrenturm zuerst von Albrecht, Stemwarte, dem sich ein ungenannter Kritiker im 
Casseler Tagebl. u. Anz. 1902 No. 883 anschloß. Seit Georg Breithaupts Untersuchungen ist die Annahme nicht mehr haltbar. Insbesondere 
spricht die Benutzung des Turmes als Gefängnis und das Fehlen geeigneter Treppen gegen seine Eigenschaft als Stemwarte zu Wilhelms IV. 
Zeit. Wilhelms Stemwarte ist auf den Altanen des Landgrafenschlosses zu suchen. Vgl. Abschnitt „Landgrafenschloß." 
' Vgl. Abschnitt „Bellevueschloßß 
' Handschrift von S. l... du Ry. Landesbibliothek Cassel. 
' Staatsarchiv Marburg. M. St. S. S690. 
f Krieger, Cassel, S. 206i 
5 Landst. neuere Akten, S. 1. Staatsarchiv Marburg. Vgl. Abschnitt „Gamisonkirche". 
' Hassenkamp, Briefe. 
" Schewior, Breithaupt. 
' Stadtplan v. Roth 1736. Stadtansicht v. Münzer 1727. Stadtansicht 1742. Vergleichende Abbildungen des Turmkopfes bei 
Albrecht, Stemwarte. ' 
' Handzeichnung, Staatsarchiv Marburg. 
 
76 

	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.