Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

kaum hinauskommen. Wenn man der in sehr kleinem Maßstab gehaltenen Abbildung auf einem Plan um 
17001 trauen darf, besaß die Mauer im unteren Teil auf der Innenseite Rundbogennischen und im oberen Teil 
über zurückgesetztem offenen Wehrgang schlitz- oder fensterartige Schießscharten, die nur durch zwei feine 
Striche angedeutet sind. Deutlicher erscheinen die Scharten bei Müller' und Dilich', das eine Mal als 
Schlüssellochscharten, das andere Mal als Öffnungen mit Rundbogenabschluß. Daneben hat es bei Dilich den 
Anschein, als ob die Mauer auch noch Reste von Zinnenscharten besitzt. Meriant bringt die Scharten 
anscheinend als kleine Rechtecköffnungen, als welche sie auch bei Dilich vorkommen." Die verschiedenartige 
Darstellung der Scharten vor allem das Vorkommen ungleicher Scharten nebeneinander erklärt sich wohl am 
einfachsten daraus, daß die Scharten an einzelnen Stellen der Mauer im Laufe der Zeit verändert wurden. 
V Dem Zuge der neuen Mauer folgte der neue Graben, der bei Burg und Kloster an den Graben der 
Altstadt, soweit dieser nach Anlage der Straße Am Graben noch bestehen geblieben war,_ anschloß. Drusel und 
Ahna wurden wiederum in offenen Holzröhren über den Graben in die Stadt überführt und speisten gleichzeitig 
durch einen abgeleiteten Arm die an ihrer Einmündungsstelle gelegenen Kammern des Grabens und damit den 
ganzen Graben. Der Einfluß der Drusel in die Stadt ist beim Druselturm, der der Ahna am Ende der früheren 
Mohlengasse, jetzigen Kastenalsgasse, zu suchen. 'Der Nebenarm der Drusel scheint in der Nähe des Zwehren- 
tores auf den Stadtgraben gestoßen zu sein." ür 
Daß die Befestigung gleichzeitig mit der Anlage der Freiheit, also um 1330, in Angriff genommen 
wurde, bedarf kaum der Erwähnungß Ebenso klar ist, daß die umfangreichen Arbeiten sich eine ganze Reihe 
von Jahren hinzogen. 1354 bildete der Festungsbau noch immer die Sorge von Landesherrn und Bürgern, 
denn in diesem Jahre „hat Landgraff Henrich zu Hessen den Bürgern uf der Freyheit zu Cassel, was von 
Brüchen und Bußen in 17 Jahren gefallen wurde uf der Freiheit, gnädiglich zugelassen und gegeben, an ihren 
Mauern und Vestungen zuerbauen." Eine geringe Änderung des Festungsplanes noch während des Mittelalters 
trat ein, als man sich entschloß, das Kloster Ahnaberg in den Bering des Stadtgrabens einzuziehen. 1385 wurde 
der Freiheiter Graben nördlich vom Knickturme an" um das Kloster herumgeführt." Diese Umleitung erfolgte 
in der Weise, daß man die Ahna unmittelbar in die Fulda ablenkte und zur Speisung des neuen Grabenabschnittes 
benutzte." ln einer sanften Kurve wurde der neue Graben hart an die Nordseite der Klostergebäude heran- 
' Stadtplan um 1700. Vgl. Abb. auf S. 66. 
' Stadtplan v. Müller 1547 u. 1548. 
' Stadtansicht v. Dilich (Bl. 5) 1598. 
' Stadtansicht v. Merian 1646. 
' Stadtansicht v. Dilich (Bl. 5 u. 15) 1598. 
' Stadtplan v. Müller 1547 u. 1548. Auf dem Original deutlich zu erkennen. 
" Happel, Befestigungsbauten, S. 62, der die Stadtmauer „im Zuge des Altmarkt, Kastenalsgasse, Bremerstraße, Königstraße, 
Thurmgasse zum Zwehrenthor an das landgräfliche Schloß anschließend" sucht, setzt die Erbauungszeit um 1415. Auch Schmidt, Kassel, 
S. 4, nimmt an, daß „die Stadtmauer in den ersten Jahren des 15. Jahrhunderts errichtet ist." 
' Nebelthau, Congeries, S. 324. 
' Über die Lage des Knickturmes vgl. weiter unten unter Türme. 
" Nebelthau, Congeries, S. 881: „X885 eod. anno ist der Grabe, darin die Ane vor dem Aneberger Thor vor Cassel in die Fulda 
gehet, gemacht, dann vor der Zeit ist das Wasser die Ane durch Cassel umb das Closter Aneberg in die Fulda geflossen." Dilich, Chronica, 
S. 157. Kuchenbecker, Anal. Hass. l, S. 10. Mit der Verlegung des Grabens scheint die im gleichen Jahre vorgenommene Überschreibung 
zweier an das Klostergebiet stoßender Häuser seitens Landgraf Hermanns an den Konvent zusammenzuhängen. Die am 16. April ausgestellte 
Urkunde lautet: „Wir Hermann v. G. Gn. Lantgraff zu Hessen bekennen öffentlich an diesem gegenwätigen Briefe für uns und unsre Erben, 
und für unsere Nachkommen, daß wir um Gotteswillen vergeben haben und geben die zwei Hauser, Hof, Grund, Hobestadt und was darin 
begriffen ist, die etzwgnn waren Wemhers Vormegassen seligen, gelegen gegen dem Closter zu dem Aneberge in unsrer Stadt zu Cassel, 
zwischen Herrn Johannes Wymanns Hause und Mulich, frei, ledig und los mit Namen Geschosses, Wachte, Burgwerks und alles Dienstes, 
wie das gedacht würde, und kommen möchte, den geistlichen Probste, Priorin und Convent zu dem Anaberge, ewiglich zu habende und zu 
besitzende, und setzen sie in die Gewähr für den Schaden, den sie genommen haben in ihrem Vorwerke mit abbrechende und vergrabende 
vor unser Stadt Cassel, und wollen sie dessen wahren vor allerlei Ansprache, sie sei geistlich oder weltlich, ohne ihren Schaden mit Namen 
vorgesetzter Gülte und erblich Recht. . ." Lennep, Cod. prob., S. 585 No. 227. Nebelthau, Denkwürdigkeiten ll, S. 42: „Das erwähnte 
Vorwerk lag also näher nach dem Kloster hin, als der nachmalige Schlferhof, dessen Ländereien die Domaine Fasanenhof bilden." Schultze, 
Klöster, S. 124, macht darauf aufmerksam, daß im Sommer 1885 die Belagerung von Cassel stattfand. 
" Vgl. den späteren Zustand auf Stadtplan v. Müller 1547. 
Tafel 5 u, 23 
 

	        

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