Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

Pforten. 
Die Schlagdpforto, die nur vermutet werden kann, muß am Ende der wStraße Vor der Schlagd 
gelegen haben, dort, wo zwischen dem Salzhaus und dem jetzigen Zuchthaus auf vielen älteren Plänen Pforten 
wechselnder Art sich feststellen lassen. Aus der späteren Geschichte der Pforte, die ihren alten Platz nicht 
verlassen hat, ist die 1756 in einem Berichte des Oberstleutnants Bröckel an die General-Kriegskommission sich 
findende Bemerkung beachtenswert, daß die Erneuerung des schadhaften Tores notwendig sei und diese Arbeit 
den Magistrat angehe, weil das Tor in der ordentlichen Ringmauer sich befindeß 
" Die Trlnkepforte, bei der wohl die Drusel in die Stadt einfloß, auch Stein- oder Stinkepforte genannt, 
hatte ihre Stelle beim Eintritt der noch jetzt so genannten Straße auf den Marställer Platz. Vermutlich lag hier, 
ebenso wie bei der späteren Einlaufstelle des Flüßchens am Druselturm ein Feuerteich, der gleichzeitig als 
Tränke dienteA 
Die Ahnapforte, der Durchlaß der Ahna, ist auch dem Namen nach jetzt unbekannt. 
Stadtbefestigung nach Erweiterung der Altstadt. 
Mauern und Gräben. 
" Auch die Stadtbefestigung, die Cassel nach Erweiterung seiner Altstadt erhielt, bestand im Wesentlichen 
um 3,1 aus Mauern und Gräben. Der Zug der Mauer ist durch die Pläne des 16. und 17. Jahrhunderts in der Hauptstrecke 
um 4-9 ILÖS eindeutig festgelegt." Er folgte der oben beschriebenen Grenze des für die Bürgerhäuser bestimmten Stadtfeldes. 
Beim Stadtteil auf dem linken Ufer der Fulda umfaßte er Altstadt und Freiheit gemeinsam, ohne das 
Gebiet der Burg und des Ahnaberger Klosters zu umschließen. lhren Anfang nahm die Mauer an der Westecke 
der Burg, an deren Befestigung sie anschloß. lhr Südzug lief hinter dem Steinweg her bis zu der Stelle, wo 
Steinweg und Oberste Gasse sich treffen. Von hier aus folgte die Mauer, sich nach Norden wendend und 
immer hinter den Häuserblocks herlaufend, der Obersten Gasse und der Oberen Schafergasse bis zum ehemaligen 
Zeughaus, dem jetzigen Proviantmagazin, wo sie, der Unteren Schäfergasse parallel laufend, nach Osten umbog, 
um diese Richtung bis zum Ende der jetzigen Kastenalsgasse beizubehalten. Nunmehr lief sie an der Ahna 
entlang bis zum Graben der Altstadt, an deren Mauer sie anschloß. lhr Zug war in den wesentlichsten 
Strecken geradlinig. Nur die Strecke an der Ahna folgte dem unregelmäßigen Laufe dieses Flusses, der, wie 
erinnerlich, als Grenze zwischen Stadt und Kloster festgelegt war und gerade an der Vereinigungsstelle von 
Altstädter und Freiheiter Mauer, am sogenannten Knick, eine höchst ungünstige, hakenförmig zurückspringende 
Krümmung der Mauer bedingte. Die Ecken des Mauerberinges waren durch Bögen ersetzt, so daß der Zug, im Ganzen 
betrachtet, einem Oval ähnlicher sah, als einem Vieleck. Nach Fertigstellung der neuen Mauer konnte der alte 
Bering, soweit er durch den neuen Zug gedeckt wurde, fallen. Die Strecke der Altstadtmauer vom Steinweg 
bis zur Ahna, also der Teil an der Straße Am Graben, wurde einschließlich der Torbauten abgebrochen, und 
der zugehörige Graben verschüttet, um Baugelände für die neuen Häuser abzugeben. Bezüglich des Aussehens 
der Mauer wird man, da Reste mit bezeichnenden Formen zu fehlen scheinen ', über Vermutungen 
' Stadtarchiv Cassel. R 710. 
' ' Stadtplan v. Müller 1547 u. 1548. Festungsplan um 1620. Stadtplan v. Merian 1846- Stadtplan v. Wessel 1678. 
1' Brunner, Cassel, S. 80 f., vermutet einen Rest „an der Hinterseite des Hauses Weißer Hof 10 (nach dem Töpfenmarkt zu)", 
einer Stelle, an der zweifellos die Stadtmauer, und zwar der hakenformige Anschluß von Altstädter und Freiheiter Mauer, stand. „Welche 
Bewandtnis es mit der durch die Hiuser Judengasse 5 und Fliegengasse 10 hindurchgehenden, etwa 'Is Meter dicken Mauer hat, ist historisch 
nicht zu erklären. Daß wir es mit einem Rest der alten Stadtmauer zu tun hätten, ist nicht wohl glaublich, weil die Mauer nach beiden 
Seiten hin in flache Bogen gegliedert ist, wodurch ihre Stärke nach der Angriffsseite hin große Einbuße hätte erleiden müssen. Eine dritte 
ähnliche Mauer im Hofe des Hauses Klosterstraße 24 stößt rechtwinklig auf die vorige. Vielleicht begreift die Mauer den alten Klosterbezirk." 
Die Zurückweisung der sehr verbreiteten Ansicht, daß Stadtmauern vorliegen, ist vollkommen berechtigt. Aber auch als Klostermauern wird 
man die Reste nicht ansprechen dürfen. Die beiden erstgenannten Mauern sind, ietzt wie früher, Erdgeschoßwande von Wohnhäusern mit 
den in Cassel üblichen Nischenaussparungen nach der Flurseite hin. Die letztgenannte Mauer ist eine Hofmauer mit einem zugesetzten Durchgang. 
 

	        

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