Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

 
Kirchweg, die Hauptstraße des Ortes, an das einstige Verhältnis. Dem Abschluß der politischen Eingemeindung 
mit Cassel verdankt die Friedenstraße ihren Namen. Von älteren Flurbezeichnungen sei der in den neueren 
Stadtplänen verschwundene Höllenküppel, früher Hellengipfel, erwähnt. Der ehedem Struthkopf genannte Tannen- 
küppel zwischen Wehlheiden und Kirchditmold lebt in der Tannenkuppenstraße in verfeinerter Form weiter} 
Wahlershausen. 
Der noch weiter westlich abgerückte, ebenfalls von der Drusel durchflossene und von der Wilhelms- 
höher Allee berührte Vorort Wahlershausen findet sich 1145 als Waldolpheshusen, 1225 als Waldolveshusin, 
1247 als Waldolueshusen, 1401 als Waldeshuesen und 1483 als Waldershusen verzeichnetß Abgeleitet wird 
der Ortsname vom Personennamen Waltolfß Daß der bis 1908 nach Kirchditmold eingepfarrte Platz eine 
eigene Kapelle besaß, ist wahrscheinlich. Die Ortsüberlieferung berichtet, daß das 1801 errichtete „Bethaus" 
die Stelle einer alten Kirche eingenommen habe! Dieses noch heute erhaltene „Bethaus" bezeichnet jedenfalls, 
wie die umgebende, stark gekrümmte Straße Alt-Wahlershausen erkennen läßt, den Kern der Siedelung. 
Geschichtlich wichtiger erscheint ein an das „Bethaus" stoßender, jetzt nicht mehr vorhandener Bau gewesen 
zu sein, der irrtümlich als „Kloster" gilt und vermutlich nur einen Wirtschaftshof der Nonnen auf dem benach- 
barten Weißenstein darstellt. An die kirchlichen Beziehungen zu Ditmold erinnern heute noch die Seelenbrücke, 
auf der die Träger auf ihrem Gange zum Mutterfriedhof, um auszuruhen, die Leichen niedersetzten, und der 
Lichweg, die jetzige Kirchditmolder Straße." Einen eigenen Kirchhof erhielt der Ort erst 1836. Um als 
Erster auf ihm beerdigt zu werden, soll ein Einwohner Selbstmord begangen haben}; Trotz der Nähe der 
Wilhelmshöhe hat der im Übrigen stark gewachsene Platz in seinem alten Teile das dörfliche Aussehen nicht 
verloren. Nur eine am Rande des ehemaligen Dorfes gelegene Mühle zeigt in dem burgartigen Aufbau den 
Einschlag der am benachbarten Fürstensitz herrschenden Romantik. Die an der Westgrenze der Wahlershäuser 
Gemarkung sich ausbreitende, unmittelbar an den Wilhelmshöher Park sich anschließende Landhaussiedelung 
führt nach der angrenzenden herrschaftlichen chinesischen Meierei den Namen Mulang. Die Windmühle, die 
diese aus Moulin entstellte Bezeichnung hervorrief und ehemals beim Gasthaus Ledderhose ihren Platz hatte, 
ist nicht mehr vorhanden} 
Bettenhausen. 
Als einziger Vorort auf der rechten Uferseite der Fulda ist Bettenhausen zum Stadtgebiet zugezogen 
worden. Das an der Leipziger Straße, der alten „sächsischen Landstraße", gelegene, von der Losse durch- 
flossene Dorf erscheint 1145 als Bethnehusun und "1309 als Bettenhusen mit dem Zusatze ante forestamß 
Eine Erwähnung zum Jahre 1126, bei welcher der Name Bethehusen geschrieben wird", kann als sicher nicht 
gelten, weil der Name des Ortes der Urkunde erst nachträglich eingefügt ist. Da die Urkunde von der Neu- 
grtlndung der Dörfer Heiligenrode, Umbach, Bettenhausen und Eschenstruth handelt, darf angenommen werden, 
daß die Entstehung des Platzes in die Zeit zwischen 1126 und 1145 fallt. Den Namen wird man nicht, wie 
' Losch, Chroniken, S. 154. 
_' Landau, Hessengau, S. 71. Roques, Urkundenbuch. Hillebrand u. Lorenz, Kirchditmold, S. 12. Schultze, Klöster. 
' Arnold, Ansiedelungen, S. 410. Piderit, Ortsnamen, S. 810, leitet den Namen von Wale, der Fremde, Einwanderer, ab und 
spricht den Ort als sächsische Kolonie an. 
' Bach, Kirchenstatistik, S. 225. Hochhuth, Statistik, S. 221. 
' Woringer, Straßennamen, S. 802. 
' Kaufmann, Wshlershausen. Rabe, Wahlershausen. 
' Vgl. Bd. lV, S. 287i. 
' Engelhard, Erdbeschreibuug l, S. 128. 
' Justi, Denkwürdigkeiten lV, S. 34f. Roques, Urkundenbuch. Schultze, Klöster. 
"' Roques, Urkundenbuch, Urk. No. 28. 
 

	        

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