Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

'l'afel 21,1 u. l 
Tafel l l 
Tafel 12 
sich im Mittelpunkte zu einem rechteckigen Platze, der auf einem der beiden Pläne noch leer erscheint, auf 
dem andern' aber bereits das Gotteshaus der neuen Gemeinde und zwar schon in der Form des Achteckes 
mit Vorhalle, ähnlich wie es 1710 zur Ausführung kam, bringt. Die Beschränkung der Grundfläche mag ihren 
Grund darin haben, daß die Zahl der Zuwanderer nicht der ursprünglichen Berechnung entsprach. Ein Teil 
der Hugenotten zog wieder ab. Als wesentlich ist anzusehen, daß zwischen den Festungswerken der alten 
Stadt und den neuen Quartieren ein freier Streifen verbleibt, der schon bald als bepflanzter Platz, als Esplanade, 
auf den Entwurfszeichnungen und Plänen" in Erscheinung tritt. 
Das Schema, wie es die beiden letztgenannten Stadtentwürfe zeigen, ist der Ausführung zu Grunde 
gelegt, wie ein Riß dartut, der den Zustand im Jahre 1710 wiedergibt." lnsofern trat beim weiteren Ausbau 
eine Veränderung ein, als der Kirchplatz auf die Tiefe des Häuserblocks durchgestoßen wurde und als schon 
bald die Notwendigkeit einer Vergrößerung des Baugebietes sich herausstellte, der dadurch Rechnung getragen 
wurde, daß je eine neue Parallelstraße an der Nord- und Südwestseite angelegt wurde, so daß statt der 
ursprünglichen vier Häuserblocks deren neun entstanden. Daß man glaubte, diese Ausdehnung würde für ab- 
sehbare Zeiten reichen, lehrt ein Plan um 1716 4, der als Umgrenzung und Einfassung des Baufeldes geschlossene 
Häuserreihen wiedergibt. Mit diesem abgeschlossenen Charakter der Stadt hängt die Anlage eines dem Kirch- 
platz symmetrisch angeordneten Platzes zusammen, der freilich ebenso wenig zur Ausführung kam, wie der 
umschließende Häusergürtel und das in diesem als Mittelstück vorgesehene Schloß. 
Fast ganz abgeklärt erscheint der Stadtriss auf einem um 1720 entstandenen Plan 5, auf dem die zweite 
platzartige Erweiterung auf gewöhnliche Straßenbreite zusammengeschrumpft ist. Dieser Plan interessiert auch 
deshalb, weil er in der auf die Kirche zuführenden Straße ein Hospital und eine Maison des pouer aufweist 
und als weitere Eintragungen die Namen der Ansiedler enthält, soweit für sie bereits Häuser vorgesehen 
waren. Außer dem an der Südecke angelegten, 1714 erbauten fürstlichen Bellevue-Pavillon findet sich als 
Hauptgebäude im nördlich benachbarten Baublock, bis an die Böschung der Aue vorgezogen, der üppigere, in 
der beabsichtigten Form allerdings nur zum kleineren Teil ausgeführte Bau des Bellevueschlosses. Die zu 
diesem Fürstensitz gehörenden ausgedehnten Parkanlagen reichen auf dem Plane, ebenso wie die schmaleren, 
zu den Bürgerhäusern gehörenden Nachbargärten die ganze Böschung hinab bis zum Rande der Aue. Den 
weiteren Stand der Bebauung gibt ein Plan vom Jahre 1736" wieder, der zugleich die erheblich weiter ge- 
zogenen Grenzen des noch offenen Baufeldes an der Ausdehnung des geplanten Festungsringes erkennen läßt. 
Als Hauptstraße der neuen Stadt ist die am Haupteingange der Kirche vorbeiführende südöstliche Längs- 
straße, die jetzige Frankfurter und einstige Große Straße" anzusehen, die als erster Straßenzug ent- 
standß und nach dem an ihrem Ende gelegenen Weinberger Tor auch den Namen Weinberger Torstraße 
annahm. Die Grundsteinlegung zu dem an der Ecke dieser Grande rue gelegenen, Paul du Ry selbst ge- 
hörenden Wohnhause", dem ersten Bürgerhause der Oberneustadt, hatte, wie ein Chronostichon am Hause 
berichtet, Landgraf Karl 1688 in eigener Person vollzogen." 1710 erscheint die Straße zum größten Teil 
bereits ausgebaut. Die südwestliche Parallelstraße trägt den Namen Zwehren- oder Karlsstraße, der 
vorübergehend zur Mittelstraße ward, als der weiter westlich gelegene Weg, der alte Grand chemin, 
1 Holtmeyer, Alt-Cassel, Text-Abb. 4T. ' 
' Handzeichnung, Landesbibliothek Cassel. - ' 
' Plan de la Ville neuve franqoise de Casselle, avec sa Situation et distribution des maison: qui sont deia bati, desine le 22. Jan. 
1710 par J. H. Weber. Handzeichnung, Staatsarchiv Marburg. 
' Handzeichnung, Landesbibliothek Cassel. Holtmeyer, AIt-Cassel, Text-Abb. 48. 
' Handzeichnung, Landesbibliothek Cassel. 
' Stadtplan v. Roth 1738. 
' Altmüller, in Hessenland XXlll, S. 50f. 
' Gerland, Du Ry, S. ßf. 
' Auf dem Plan um 1720 erscheint der Name du Ry in ein Grundstück der jetzigen Fünllensterstraße eingetragen, während da: 
Eckhaus der jetzigen Frankfurterstraße mit Landre bezeichnet ist. Vielleicht Hauswechsel. 
1' Schmincke, Cassel, S. 298. 
 

	        

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