Full text: Kreis Cassel-Land : Text (4)

Kirche. 
Tafel 29, 1-4 
Tafel 30, 4 
Tafel 30, n-s 
Tafel 30, 10-12 
Tafel 30, l u. 3 
Tafel 30, 2 
Tafel 31, 1 
Die häufigen baulichen Veränderungen sind nicht imstande gewesemdas Bild der älteren Kirche 
zu verwischen. In der Westhälfte des Langhauses haben sich die vermauerten Rundbogenfenster des roma- 
nischen Baues erhalten. Ihre Dreizahl inVerbindung mit der geringen Größe und Höhenlage gibt die 
Gewißheit, daß in dem einschiffigen, beschränkten, im Äußeren völlig schmucklosen Gotteshause, wohl einem 
der ältesten des Kreises, nur der Ursprungsbau vorliegen kann. Daß die flachgedeckte Saalkirche ehedem 
mit einer Apsis schloß, machen die Landessitte und insbesondere die Nachbarschaft der gleichaltrigen Basilika 
zu Breitenau glaubhaft, bei der die Hirsauer ihre ganze Vorliebe für die Konche zum Ausdruck brachten. 
Westlich legte sich dem Langhaus in gleicher Breite von 7,70 m der rechteckige Turm vor, dessen Erd- 
geschoß in zwei kämpferlosen Rundbögen sich zum Schiff öffnete und dessen Oberstock wohl nur von dem 
quergelegten Satteldach gedeckt gewesen sein kann. 
Erhalten ist das alte Glockenhaus nur noch in spärlichen Resten, die im wesentlichen aus einem 
Mauerstumpfe der Südwand und den zum Teil zugesetzten Durchgangsöffnungen der Ostwand bestehen. Früh 
zerstört wurde es bereits in spätromanischer Zeit durch einen annähernd quadratischen, mit der alten Nord- 
flucht bündig liegenden Turm mit Tonnengewölbe im Erdgeschoß und gekuppelten, kleeblattförmig geschlos- 
senen Schallöffnungen im obersten Stockwerke ersetzt. Das beschädigte Langhaus gegen Brände sicherzu- 
stellen, überdeckte man unter Einbeziehung der Streben in das Innere das Schiff mit zwei Kreuzgewölben, 
deren Gurt- und Schildbögen den unprofilierten rechteckigen Querschnitt zeigen. Der gedrückte Spitzbogen 
dieser Gewölbe einerseits, das Vorkommen von Kehle, Treppen- und Schuppenmuster an den Pfeilerkämpfern 
andrerseits verweisen auch diese Neuerung, mit der eine Erhöhung der Umfassungsmauern und eine Ver- 
mauerung der Fenster an den Anfallstellen der Gewölbe zusammenging, in die spätromanische Zeit. 
In die spätere Gotik gehört ein Portal in der Nordmauer, dessen Birnstabprofil in der Außenkehle 
am Scheitel des Spitzbogens mit Knospen besetzt ist, sowie ein zweiteiliges Maßwerkfenster mit fehlendem 
Mittelpfosten in derselben Wand. Um die Wende des 16. Jahrhunderts entstand die auf gedrehten und ge- 
schnitzten Ständern ruhende Holzempore auf der Nordseite des Langhauses, deren Fries die Inschrift trägt: 
„COMTILAST -VNS AlF DEN BERG DES l-ERREN GEI-EN [ZWI HAISE DES GOTTES IACOB] 
DAS ER VNS LEI'RE SEINE WEGE] VND WIR WANDELN AIF SEINEN STElGENzESAlf-E Z. CAP: 
WILHELM MORITZ HIRTMAN PASTOR CASPAR DÖRNERIIOHANNES SINNINGlM[1600[." Die 
letzten Jahre des Dreißigjährigen Krieges scheinen dem Bau besonders stark mitgespielt zu haben. Aus- 
besserung der Kirchtür durch Tischler und Schmied sind Posten, die in den Kirchenrechnungen von 1640 
bis 1646 ständig wiederkehren. Für „vier Fenster ins Chor" finden sich 1645 1 Taler und 2 Albus gebucht} 
Unzureichend geworden wurde das 12,0 m lange Schiff 1743 unter Abbruch des alten Chores um 
6,10 m nach Osten in gleicher Breite verlängert? Dieser geradlinig geschlossene Erweiterungsbau, der von 
einer flachen Decke mit großer Voute abgeschlossen ist und auf jeder Seite durch ein Flachbogenfenster 
beleuchtet wird, enthält in der Mitte den Altar, den üblichen Steintisch. Die neue Kanzel steht am Süd- 
pfeiler des Chores, die alte Orgel an der Ostwand auf einer aus älteren Teilen zusammengebauten Bühne, 
die den Anschluß an die Emporen des Langhauses wahrt. Weitere Änderungen am Bau erfolgten ausgangs 
des 18. Jahrhunderts. Insbesondere wurde 1796 die Errichtung eines neuen Turmhelms beschlossen, und 
allem Anscheine nach auch ein Innenausbau des Schiffes geplant. Baumeister Hisners Vorschlag, die noch 
guten Kreuzgewölbe des Langhauses beim Umbau beizubehalten, fand 1797 die Billigung du Rysß Im fol- 
genden Jahre führte man die Instandsetzung des Baues, insbesondere die Aufbringung des neuen Turmhelms, 
des jetzt vorhandenen beschieferten Kuppelaufsatzes, ausß Die Aufschrift „lM IAHR 1800-T-H-" trägt der 
1 Kirchenbuch. Pfarr-Arch. Dörnhagen. - 2 Bach, Kirchenstat, S. 198. 
' Baurepositur der Kaßeler Oberrentkammer betr. das Bauwesen an den Kirchen-, Pfarr- und Schulhäusern in den 
3 Kaßeler Ämtern 1786i. St-Arch. Marburg. 
4 BRCh, KifChenSfat, 5-193- Nüch HßChhllth, Stat., 5.196, soll der Turm früher eine hohe Spitze besessen haben. 
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