Full text: Kreis Cassel-Land : Text (4)

berges gedacht, bestens geeignet. „Die vorzügliche schickliche Lage des Platzes über dem Thiergarten, wo 
ehemals ein Steinbruch gewesen, und die schöne Aussicht, die man dort findet, veranlaßten Serenißimum 
diesen Ort zu wählen, um daselbst ein Gebäude nach der Form der alten gothischen Schlößer erbauen zu 
laßen, und es, da es auf Felsen gegründet ward, Felsenburg zu benennen." Daß der im Aquarell wieder- 
gegebene Entwurf als reif für die Ausführung angesehen wurde, mag die Tatsache belegen, daß er in wenig 
abgeänderter Form und von einem anderen Standpunkt aufgenommen in Vervielfältigungen erschien, die für 
die Öffentlichkeit bestimmt waren? 
Auch das ist nicht zweifelhaft, daß man sich anfangs mit dem mäßigen Umfang dieser Ruine 
begnügen wollte und erst während der Ausführung des Baues auf den Gedanken kam, die Anlage zu ver- 
größern und wohnbar einzurichten. Die Burg in der vorliegenden Form als geschlossener Vierflügelbau ist 
das Ergebnis sprungweise erfolgter Entschließungen des phantasievollen Fürsten, der den Gedanken, ein 
Ruinenschloß zu besitzen, beim Bau des Weißensteiner Residenzschlosses nur aufgegeben hatte, um ihn bei 
Gelegenheit wieder aufzunehmen. „Dieses Gebäude, das, der ersten ldee nach, nur durch die Vorstellung 
einer alten Warte und weniger Reste zerfallener Mauern die Erinnerung der verflossenen Zeiten zurückrufen 
sollte, ist seit dem Anfange seines Baues bis zu einer beträchtlichen Größe erweitert worden, indem des 
Herrn Landgrafen Hoch Fürstl. Durchlaucht jene erste von Höchstdemselben, mit so glücklicher Auswahl 
des Platzes, gefaßte ldee in die eines ganzen gothischen Bergschlosses umzuschaffen gnädigst geruhet haben." 
Den Namen Löwenburg erhielt die Anlage, für die zuerst die Bezeichnung Wilhelmsburg in Aussicht genommen 
war, erst im Jahre 179633 jussow, der die Entwürfe aufgestellt hatte, leitete den Baus} 
Nachdem die Fragen über Plan und Platz bis zum Herbst 1793 sich geklärt hatten, setzten die 
Bauarbeiten noch im selben Jahre ein. lm November wurde mit dem Aushube der Fundamentgräben 
begonnen und am 2. Dezember der Grundstein gelegt. Dem geringen Umfange des ursprünglichen Ent- 
wurfes entsprechend beschränkte man sich auf die Bebauung des Plateaurandes mit wenigen zusammen- 
hängenden Räumen von stark trümmerhaftem Aussehen. Die kleine, aber ungewöhnliche Leistung ging flott von 
statten. Ende 1794 war „der große Thurm, zwey daran stoßende Zimmer mit einem abgebrochenen Thurm, 
die Küche, die Thürmers-Wohnung und das daran liegende Thor zum Theil, in Ansehung der Mauerarbeit 
zu Stande gekommen; nicht weniger an der Bergseite der Felsen von der darauf liegenden Erde mehr 
entblößt und bis ins Thal hinunter mit der Treppe versehen worden". Wenngleich der Winter die Fortführung 
eines regelrechten Baubetriebes nicht vor Ende März gestattete, konnten doch die Arbeiten, im Gegensatz 
zum gleichzeitigen Schloßbau, auch bei der strengsten Kälte ein gutes Stück gefördert werden. Das ging 
1 Strieder, Weißenstein, 8.35. Der alte Steinbruch findet sich auch erwähnt im Bau-Departement 1788-1798, 8.52. 
St. - Arch. Marburg. 
2 Die Felsenburg auf dem Weißenstein. Wilh. Unger fec. 1795. Die Felsen-Burg. Eine Parthie des Weissensteins 
bei Cassel . . . . gezeichnet von Nahl, gestochen von Schroeder. 
3 Strieder, Weißenstein, 8.40 u. 46. H(en)tze „Geschichte von Wilhelmshöhe 1837", 8.6. Stadt-Archiv Cassel. 
4 Völlig aus der Luft gegriffen ist Weplers Behauptung, Gesch. d. Wilhelmshöhe 1870, 8.58: „Noch einen andern 
Bau ließ Kurfürst Wilhelm I. aufführen, der . . . hingereicht haben würde, sein Andenken, nebst dem seines vortrefflichen 
Baumeisters Jussow zu verewigen. Eben auf Anrathen und nach dem Plane desselben ließ er die von seinem Vater er- 
baute Felsenburg, jenen einsamen im Walde versteckten Thurm niederreißen und an dessen Stelle erstand eine Ritterburg." 
Gerland, P. Ch. u. 8. L. Du Ry, 8.163, nimmt eine anfängliche Mitwirkung 8. L. du Rys an. Der Künstler soll sich gegen 
die Errichtung der Trümmerburg auf dem Hunrodsberge ausgesprochen haben. „Er plante hier, entsprechend der Parkanlage 
zu Wilhelmsthal, nur einen Aussichtsturm, und es wurde auch von der Löwenburg zunächst nur der Turm gebaut (1793), 
an welchen dann erst später die Burg angebaut wurde. Als deren Bau dann beschlossen war, hat sich Du Ry freilich auch 
daran beteiligen müssen, er studierte zahlreiche Ritterromane, um darin 8t0ff zum Bau einer Burg zu finden, auch reiste 
er im Lande umher, um in den Kirchen alte gemalte Glasfenster für die Burgkapelle zu erlangen. . . . Die Burg, welche 
auch erst nach Du Ry's Tod vollendet wurde, muß im wesentlichen als Jussows Werk bezeichnet werden. - Als in den 
50er oder 60er Jahren dieses Jahrhunderts an dem Turm Ausbesserungen vorgenommen wurden, fand sich nach mündlichen 
Mitteilungen des verstorbenen Konservators v. Dehn-Rotfelser an den Verfasser dieser Zeilen, daß der Turm als ein selb- 
ständiges Gebäude und ohne jede Verbindung mit anderen Gebäuden errichtet gewesen war. Das weitere beruht auf münd- 
lichen Mitteilungen von Du Ry's Tochter Amalie Rothe und v. Dehn's Baudenkmälern, 8. 313." 
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