Full text: Kreis Cassel-Land : Text (4)

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mittelalterlicher Bauten vorgeherrscht hatte und nun allmählich der Freude am Überkommenen wich. Erst mit 
dem Verständnis für, die Geschichte der Bauten kam dann die Vertiefung des Studiums ihrer Formen. 
Während man im Park von Weißenstein die Trümmer der Felsenburg baute, nahm Gilly die Marienburg auf, 
um ein Werk darüber herauszugeben. Das war in Deutschland der Anfang kunstgeschichtlicher Veröffent- 
lichungen, wie sie England längst besaß. 
Gelegenheit, den romantischen Anregungen seiner Zeit durch Aufführung eines mittelalterlichen 
Bauwerkes gerecht zu werden, hatte der Landgraf bereits genommen, da er noch als Erbprinz die Regierung 
der Grafschaft Hanau führte. Gleich nach Antritt der Herrschaft hatte der baulustige junge Prinz mit der 
Errichtung des bei der Residenz gelegenen, nach ihm benannten Wilhelmsbades begonnen, einer weitläufigen 
Parkanlage mit Kurgebäuden, Tempeln, Freisitzen und Grotten. 1779 entstand, auf einer lnsel des Parkes 
gelegen, mehr dekoratives Architekturstück als Nutzbau, die Ruine einer Ritterburg. Äußerlich in den 
Formen eines zerfallenen Wehrturmes mit Flankenkammern gehalten, barg der kleine Bau, zu dem übrigens 
noch eine bescheidene abseits liegende, ebenfalls trümmerhafte Küchenanlage gehörte, im lnnern mehrere 
bewohnbare, mit altertümlichen Hausrat ausgestattete Gemächer, die der Erbauer auch in jenem Sommer 
1782 bezog, da - bezeichnend für die Strömung der Zeit - in Wilhelmsbad der große Freimaurerkonvent 
tagte. Tischbein mußte 1783 das wunderliche Bauwerk zeichnen und Weise die Zeichnung stechen. 
Ein Architekturstück ähnlicher Art auch auf Weißenstein zu errichten, beabsichtigte der Fürst, als er 
die Regierung von Hessen-Cassel übernommen hatte. Nicht größer, aber womöglich noch trümmerhafter 
als das Wilhelmsbader Gegenstück sollte das Bauwerk ausfallen} jussow mußte Vorschläge machen. Drei 
Blatt Originalentwürfe aus dem Jahre 1790 sind überkommen? Auf jedem stellt sich der Bau als Rundturm 
dar, der aus bewohnbarem Erdgeschoß und zerfallenem Oberstock besteht. Unterschiede zeigen sich in 
der Behandlung des Obergeschosses, das hier wie dort ohne Fensteröffnungen erscheint. Eine konzentrische 
Umwehrungsmauer findet sich in einem Grundriß dargestellt. Unklarer als die ldee des Baues war die 
Lage des Bauplatzes, für dessen Wahl die Art und Ausdehnung des Weißensteiner Parkes allerdings eine 
Reihe guter Möglichkeiten bot. Ob die Ruine oberhalb der Kaskade am großen Bassin, oder auf den 
Felsen in Mulang, also am östlichen Ausgang des chinesischen Dorfes, liegen sollte, war die Hauptfrage, Tafe1158,1 
die schließlich zugunsten eines dritten Platzes entschieden wurde. 
Einen weiteren Stand der Vorentwurfsarbeiten läßt der von jussow aufgestellte Lageplan der Tafell27 
Weißensteiner Anlagen erkennen. Der Bau, der die Lage der jetzigen Löwenburg einnimmt und als 
„projectirte gothische Ruine" bezeichnet wird, ist um ein Kleines gewachsen. Der Hauptturm selbst besitzt 
zwei kurze Flügelmauern und auf der Talseite, durch einen schmalen Zwinger getrennt, die Reste eines 
zweiten Mauerzuges mit Nebentürmen an. den beiden Knickstellen. Erheblich ausgebildeter erscheint die 
Anlage auf einem undatierten und unsignierten Aquarell, das zwischen 1790 und 1795 entstanden sein mußß Tafel 158,. 
Der Hauptturm hat im wesentlichen Höhe und Form des zur Ausführung gekommenen Löwenburg-Berch- 
frits, ist, wie dieser, mit seitlichem polygonalen Treppenturm versehen und besitzt, offenbar die Reste des 
zerstörten Palases, zwei längere Flügelmauern, an deren Enden sich je ein kleiner stark verfallener Rundturm 
anschließt. Auch die meisten Einzelheiten stimmen schon mit der späteren Ausführung überein. lndessen 
die trümmerhafte Anlage, bei der die Fenster des Hauptgeschosses im Turm unverschlossen erscheinen, 
schon als Wohnschloß im Sinne der späteren Löwenburg anzusprechen, fehlt jeder Grund. Möglich, sogar 
wahrscheinlich ist es, daß der Berchfrit im untersten wie obersten Geschoß benutzbare Zimmer enthielt, in 
erster Linie scheint er aber als Aussichtsturm geplant zu sein. Und dazu war er, am Rande des Hunrods- 
1 Beschreib. von Kassel 1839, S. 73: „Ursprünglich sollte dieselbe (die Löwenburg) nur eine nach dem Vorbilde 
der Ruinen von (lesberg und Löwenstein komponirte kleine Burg darstellen". 
2 Ein über die Cascade des großen Baßins zu Weißenstein projektierter Alter Thurm 1790, von Jußow gezeichnet. 
Grundriß an der Cascade des großen Basins. Approbirter Gothischer Thurm auf dem Felsen in Moulang bey Weißenstein. 
Schloßbibliothek Wilhelmshöhe. 
3 Landesbibliothek Cassel. 
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