Full text: Kreis Cassel-Land : Text (4)

Kirche. 
Ebenfalls meist nur in Resten sind dieSaalanlagen der gotisc hen Zeit überkommen. Von einem quadra- 
tischen Ostturm, dem Altarhause der sonst gänzlich unbekannten Kirche waren bis vor kurzem in Altenritte 
die Grundmauern sichtbar. Gotisches Kernmauerwerk zeigt der in der Bekrönung veränderte Turm und das 
anschließende Langhausgewände in Eiterhagen. ln Elgershausen hat sich, ebenfalls abgesehen vom erneuerten 
Helme, ein frühgotisches quadratisches Glockenhaus erhalten, dessen oberstes Geschoß mit einem rippenlosen 
Kreuzgewölbe abgeschlossen ist. Gotischen Ursprungs auch sind die Westtürme zu Großenritte, Obervell- 
mar, Wattenbach und Waldau, die im Unterteile als Vorhalle dienten, und die Osttürme in Heckershausen 
und Niederzwehren, deren gewölbtes Erdgeschoß den Chor bildete. Wellerodes Ostturm, ebenfalls Altarhaus, 
war nur wenig kleiner als das außerordentlich beschränkte Schiff. Während Nordshausen noch um die Mitte 
des 13. Jahrhunderts ein quergelegtes Glockenhaus mit Satteldach erhielt, schlossen Niederzwehrens, Waldaus 
und Großenrittes jüngere Anlagen mit dem von vier Ecktürmen flankierten spitzen Helm. Von den mittel- 
alterlichen Dachreitern, die offenbar die turmlosen Kapellen der ärmeren Gemeinden krönten, hat sich kein 
einziger auf unsere Zeit hinübergerettet. Wohlerhalten ist Nordshausens kreuzgewölbte Zisterzienserinnen- 
kirche, die, geradlinig im Osten geschlossen, als einwandsfreie Ordensschöpfung gelten könnte, besäße sie 
nicht den eben genannten aus vorklösterlicher Zeit stammenden Turm. Als bescheidenes Bethaus ebenfalls 
ohne besonderes Altarhaus erscheint auf Abbildungen das flachgedeckte Augustinerinnen-Oratorium von 
Weißenstein, das bis zum Untergange den Dachreiter wahrte, Oberkaufungens Stiftskirche erhielt 1469 einen 
prächtigen polygonalen überwölbten Chorabschluß. Mit drei Seiten des Achteckes schließen die Gotteshäuser 
in Crumbach, Dittershausen, Guntershausen, Niederkaufungen, Ochshausen und Sandershausen, die, in nach- 
mittelalterlicher Zeit stark verändert, ihrer Grundrißanlage nach noch in die Gotik hineingehören dürfen, da sie 
orientiert sind. ln Bergshausen setzt der ebenfalls aus dem Achteck gebildete Chor, ein besonderes Altarhaus 
vorstellend, gegen das Langhaus ab. Daß man auch nach der Reformation sich von dem polygonalen Chor- 
schluß nicht trennen wollte, macht die 1737 erbaute, mit der Längsachse von Süden nach Norden gerichtete, 
in gebrochenem Linienzuge abgeschlossene Kirche zu lhringshausen glaubhaft. Rechteckigen Chorbau zeigt 
das spätmittelalterliche quadratische Langhaus in Helsa. Gotische Portale und Fenster finden sich außer an 
den genannten Orten in Dörnhagen,Frommershausen, Simmershausen,Weimar,Wahnhausen undWilhelmshausen, 
Strebepfeiler, Gewölbekonsolen oder -schlußsteine in Elgershausen, Kirchbauna, Simmershausen und Großenritte. 
Einen Bau aus der Renaissance, ein rechteckiges mit Ostturm versehenes Schiff, dessen Fenster, den 
Emporen entsprechend, in zwei Reihen getrennt, äußerlich aber durch Einfassungen verbunden sind, besitzt 
Breitenbach. 
Die Kirchen der Neuzeit zeigen bei nüchterner lnnenaustattung im Grundriß die Form des Längs- 
baues, seltener mit quadratischem Turm an der Schmalseite, durchweg mit geschwungenem Dachreiter am 
Westende des Satteldaches. Durch ihren halbkreisförmigen Chorschluß bildet die unter Landgraf Karl von 
Ghezzi erbaute Kirche zu Wolfsanger unter den meist rechteckig schließenden Saalanlagen eine Ausnahme. 
lnnenausrundungen bei äußerem Polygon weisen die Gotteshäuser in Dittershausen, Eiterhagen und Waldau 
auf. Nur in Einzelfällen nimmt die Außenarchitektur auf die Anlage der Emporen durch Teilung der Licht- 
Öffnungen in zwei Zonen Rücksicht. Meist gehen die Fenster, die im 18. und 19. Jahrhundert nacheinander 
flachbogig, geradlinig und halbkreisförmig abgeschlossen wurden, ungeteilt durch. Die flache Putzdecke wird 
durch eine mehr oder weniger starke Voute zur Wand abgeleitet. Unbedeutende Stuckarbeiten, Rosetten und 
Trauben, zeigen die Decken in Großenritte und Guntershausen. 
Der Gedanke der Zentralanlage, den bei einigen der Longitudinalkirchen die Stellung der Kanzel 
nicht am Chorende der Längswand, sondern an der Schmalseite in der Achse des Baues schüchtern zum 
Ausdruck bringt, ist nur in einem Falle deutlicher ausgesprochen, bei der 1839 erbauten Kirche von Voll- 
marshausen, wo der Altar im Mittelpunkt des Grundrißrechteckes steht, die Emporen einander gegenüber an 
den Schmalseiten aufgestellt sind und die Kanzel die Mitte der einen Längswand einnimmt. 
Von älterer Ausstattung ist wenig überkommen. Am seltensten sind Bildwerke. Heinrich und 
Kunigunde sind Gegenstand zweier jetzt zu Wandbildern verarbeiteter, ursprünglich bemalter, spätgotischer
	        

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