Full text: Kreis Cassel-Land : Text (4)

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jedes Zierglied. Fast scheint es, als ob man beim Nordflügel die Einfachheit noch weitertreiben wollte; 
denn so erklärt sich am besten die Tatsache, daß man bei diesem jüngeren Bauteil auf die gute Behandlung 
der Quaderflächen, insbesondere auch auf die Betonung der Fuge durch eine dreieckige Nute verzichtete, 
wie sie beim älteren Südflügel festzustellen ist. An figürlichem Schmuck findet sich ein Paar von Ruhl? 
und den Gebrüdern Heyd geschaffener liegender Löwenl zu seiten der Freitreppen und in den Erdgeschoß- 
nischen der Apsiden die Figuren der Aurora und des Apollo, Arbeiten Nahls, der Luna und des Hesperus, 
Heyds Werke, mit den Symbolen des Morgens, des Mittags, des Abends und der Nacht? 
Wenn auch nicht vergessen werden darf, daß der Südflügel ehedem eine reichere Ausstattung besaß, 
ist die Schlichtheit auch im lnnern4 auffällig. Die Zierformen sind auf das Äußerste beschränkt, aber, wo 
sie sich finden, von diskreter feiner Behandlung. Kleine Rosetten in den zurückgesetzten Ecken der Tür- 
füllungen, Vasenmotive und Kreuzgehänge an den Bronzebeschlägen der Schlösser, stilisierte Palmetten, flache 
Akanthus, kreuzweise gewickelte Bänder um Girlanden und aus Kreisen sich zusammensetzende Flecht- 
muster sind die geläufigen, aber sparsam angebrachten Motive. Daneben findet sich noch der Eichenblatt- 
fries, ein Beweis dafür, daß die klassizistischen ldeen noch nicht völlig zum Durchbruch gekommen sind. 
lhrem Zwecke entsprechend weisen die beiden zum Hauptgebäude stumpwinklig angeordneten Neben- 
flügel verschiedene Grundrißeinteilung auf. Der Südbau, nach dem an seinem Fuß zutagetretenden 
hellfarbigen Felsen auch der Weißensteiner Flügel genannt, zeigt die Raumanordnung des herrschaftlichen 
Palastes. Ursprünglich zur Wohnung des Landgrafen- bestimmt, aber nur bis zur Erbauung des Corps de 
logis als solche benutzt, dient er jetzt den kaiserlichen Prinzen zum Aufenthalte. Seine Zimmer schließen 
sich ohne Korridor aneinander an. Die Mitte der Nordfront nimmt im Erdgeschoß, über die drei Außentüren 
sich erstreckend, das Vestibizl ein, das in der Neuzeit eine zweiarmige Eisentreppe erhielt und bei dieser 
Gelegenheit unter Einziehung von inneren Stützen um eine westliche Achse erweitert wurde. Der in toska- 
nischer Pilasterarchitektur und ganz in weißen Tönen gehaltene Raum besitzt Möbel im Stile Louis' XVl. und 
ist wie die über ihm gelegenen weiteren Vorsäle an den Wänden mit Geweihen und Waffen ausgestattet. 
Der Südseite dieser Eintrittshalle schließt sich der Gesellscbaftssaal an, ein ehemals fünffenstriger, jetzt durch 
eine Wand geteilter, bis zur Decke vertäfelter und ebenfalls weiß gestrichener Raum, der reichen Marmor- 
kamin von Ruhlö und Landschaftsgemälde von Schönberger aufweist. Der obere Saal ist der einzige Raum des 
Weißensteiner Flügels, der an den Wänden noch Stoffbespannung besitzt. Die rote Seidenfläche schließt unten 
ein niedriger weißer Holzsockel, oben eine verzierte Stuckvolute ab, die zu der mit ziemlich reicher Mittel- 
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rosette versehenen einfarbigen Decke überleitet. Der vornehme Raum enthält über den drei Türen gemalte f 
Sopraporten, romantische figürliche Szenen darstellend, an den Wänden zahlreiche Kinderporträts und die 
Statuen der Hebe und Ceres. Von künstlerischem Interesse im Weißensteiner Flügel ist noch das am Ost- 
ende des Erdgeschosses gelegene 1825 angelegte Marnzorbad, dessen versenkte Wanne unter dem erneuerten 
Fußboden verschwindet. Die Wände des in toskanischen Formen gehaltenen und durch eine Säulenstellung 
geteilten Raumes werden von Pilastern gegliedert, deren Zwischenfelder zusammenhängende Wandmalereien 
in antikisierendem Geschmack, Landschaften mit Ruinen, Statuen, Säulen und Springbrunnen ausfüllen. Der 
eiserne Ofen dient als Sockel einer Marmorstatue der- kapitolinischen Venus. Alle übrigen Räume weisen 
schlichte Tapezierung und weiß gestrichene Holzteile auf. ln einzelnen von ihnen finden sich Statuen, die 
1 Bau-Departement 1788-1798, S. 44. SL-Arch. Marburg. 
2 (Apell) Kurze Beschreibung von Wilhelmshöhe bey Cassel 1799, S. 6. 
3 Döring, Beschreib. d. Lands. Wilhelmshöhe, S. 16. 
4 Von einer genaueren Aufzeichnung des lnventars im Schloß Wilhelmshöhe mußte, ebenso wie in der Löwenburg, 
abgesehen werden, da weder die Möglichkeit bestand, die Räume zu photographieren, noch die Kunstgegenstände zu 
inventarisierem Die wiedergegebenen Abbildungen sind durchweg älteren Datums. Die Angaben über das Inventar beruhen 
in vielen Fällen, besonders hinsichtlich der Löwenburg, auf Notizen in Druckwerken oder Handschriften. Die Schloßbibliothek 
in Wilhelmshöhe konnte in beschränktem Umfang benutzt werden. Herrn Professor Dr. Luthmer bin ich für die Überlassung 
photographischen Materials zu besonderem Danke verpflichtet. 
5 Bau-Departement 1788-1789, S. 13. St.-Arch. Marburg. 
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Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel. IV. Kr. Cassel - Land. 41
	        

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