Full text: Kreis Cassel-Land : Text (4)

weracyzycyawaezawaazycyaacwcyc-wacywzya Wilhelmshöhe. QESEQQSESQEQSQEEQQSEEKBSESE 
Bei der Eigenart des Denkmales zu verstehen und ganz der Gepflogenheit der Zeit entsprechend ist 
es, daß, als das Werk selbst noch in den Anfängen stak, die Veröffentlichungl erschien, welche die großen 
Pläne des Erbauers weitesten Kreisen bekanntgeben sollte, vom Architekten des Baues selbst in Text und 
Abbildungen besorgt, in den Kupfern von Frezza, Speculi und Venturini gestochen wurde. 1705 erschien 
in Rom die erste Auflage in lateinischer und italienischer Sprache, ein Jahr später in Cassel die zweite, um 
einen französischen und deutschen Text vermehrte Auflage, 1727 eine weitere und 1749 die letzte Ausgabe? 
Zeigen die ersten Ausgaben das Oktogon ohne die Pyramide, so bringen die letzten nicht nur diese nach- 
träglich beschlossene Zutat, sondern auch den an ihr geplanten, nie zur Ausführung gekommenen Figuren- 
schmuck, vor allem die Büste des fürstlichen Erbauers über dem geschwungenen Giebel des Sockels und den 
Fensterverschluß in den Kapellen des Zwischengeschossesß Fast noch interessanter ist der im Druck nicht 
zu verkennende Anstrich der Architekturteile des Oktogons und der Pyramide. Der eigentliche Wert des 
Werkes aber besteht in der Wiedergabe des Entwurfes für den vermutlich von Anfang an beabsichtigten Aus- 
bau der Anlage. Neben dem Oktogon waren zwei aus drei Seiten des Achteckes bestehende Flügelmauern 
mit Nischen geplant, die nach Westen in eine vierreihige Allee ausliefen. Noch weiter seitlich finden sich, 
freilich erst in den späteren Ausgaben, zwei künstliche Erdhügel mit offenen polygonalen Pavillons, die 
angeblich die Statue des Herkules und der Venus enthalten solltenß Das Oktogon selbst zeigt in den 
Räumen des Erdgeschosses reiche Ausstattung im Stile des Grottensalons mit Wasserkünsten, im Zwischen- 
geschoß hingegen auch im lnnern Rustikamauerwerk. Daß die jetzt leeren Nischen am Riesenschloß wie 
in den unteren Grotten alle mit Figuren oder Springbrunnen ausgefüllt erscheinen, ist selbstverständlich. 
Die Kaskaden setzen sich nach unten in zwei weiteren Treppen fort, deren Fußende Grottenanlagen 
in Pavillonform oder mit Pilasterprospekten abschließen. Zwischen den beiden oberen Läufen war eine 
Bassinanlage großen Stiles gedacht, acht sternförmig sich um ein Kuppeltempelchen gruppierende Einzelbecken, 
durch Stege voneinander getrennt, in deren Verlängerung Springbrunnen liegen. Von diesem großen Plateau, 
in dessen Hintergründe zwei Prunksäulen standen, wie sie Frascati besaß, nahmen strahlenförmig die breiten 
Wege in die Waldungen ihren Ausgang. Zwei Alleen, die auf den Treffpunkt der beiden unteren Kaskaden 
zuliefen, wurden durch Fontänenbassins belebt. Gestützte Hecken begleiteten die Treppen neben den Kaskaden, 
die, wie die Wasserfälle selbst, mit Figuren, Vasen und Springbrunnen reichlich versehen waren. Am Fuße der 
Anlage erhob sich das Schloß, ein mäßig großer Längsbau ohne Querflügel, an römische Kasinen erinnernd, 
Tafel 178, a 
Tafel 177 
U. 178, 1 
Tafel 178, n 
mit geschwungener Freitreppenanlage nach der Stadtseite und zwei kleinen Vorhäusern nach dem Berge zu? ' 
der Plan zu solchen Anlagen gekommen - was wir bereits auf Grund der Rechnungen widerlegt haben -, so konnte man 
noch nicht viel Arbeit darauf verwandt haben, zumal die Abwesenheit des Landgrafen während der Berliner Hochzeitstage, die 
Reise von und nach Berlin und die Zeit für die notwendig erst anzufertigenden Pläne von den seit der Rückkehr aus Italien 
verflossenen drei Monaten in Abzug gebracht werden müssen. Also, die Kaskadenanlage wurde bereits mehrere Jahre vor 
der italienischen Reise begonnen, was freilich nicht ausschließt, daß Karl später noch mannigfache, in Italien gewonnene 
Eindrücke verwertete." Es muß doch zweifelhaft erscheinen, ob die Hauptkaskade vor der Italienreise begonnen war. Weder 
Printzens Tagebuch noch Leibniz' Brief berechtigen meines Erachtens ohne weiteres zu einer solchen Annahme. Auch die 
Baurechnungen enthalten keine eindeutigen Anhaltspunkte für den Bau der Mittelkaskade und des Kopfstückes, noch viel 
weniger für einen Abbruch der Bauteile, der doch erfolgt sein müßte, als Guerniero mit seinen Plänen auftrat. Gerade der 
italienische Charakter der Architektur spricht doch stark für unmittelbare italienische Einflüsse. Natürlich kann die Idee der 
Mittelkaskade ursprünglich bestanden haben, wenngleich es merkwürdig gewesen wäre, daß man nicht beim Mittelteile, sondern 
beim Seitenstücke anfing. 
1 Die verschiedenen Auflagen bei Heidelbach, Wilhelmshöhe, S. 78, aufgeführt. - 2 Siehe Literaturverzeichnis S. 223. 
ß Tatsächlich wurden diese Kapellen zeitweise als Salons benutzt. So ließ Wilhelm IX. einen „schönen mit Möbeln 
versehenen Saal" hier einrichten. Döring, Beschreib. d. Lands. Wilhelmshöhe, S. 33. In Gesch. d. Lustschl. Wilhelmshöhe 1821, 
S. 34, ist von "verschiedenen Zimmern" die Rede. Auch Jeröme gab hier seine Gastmähler. Müller, Lebenserinnerungen, S. I9. 
4 Rommel, Gesch. v. Hessen X, S. 157. 
5 Nach Apelblad, Beschreibung seiner Reise durch Ober- und Niedersachsen und Hessen (Übersetzung von Bernouilli), 
S. 312, bestand die Absicht, „daß man mit Segeln zu diesem Winterkasten heraufkommen sollte. Ich zweifle, ob von dieser 
letzten Absicht jemals die Rede gewesen." 
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