Full text: Kreis Cassel-Land : Text (4)

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Die einzelnen Orte. 
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von Terni und die Kaskaden des Anio, die Gärten des Vatikan und der übrigen Paläste. lm Palazzo Farnese 
sah man „die statue von Hercule auf seiner kolbe sich steurende, in mehr als lebens-grösse, so aus dem 
bad des Kaysers Titi Vespasiani anhero bracht worden". Besonderen Eindruck müssen die Wasserkünste in 
Frascati gemacht haben. Man bestaunte den „Riesenkopff unter den felsen mit den armen hervor ragend, 
so wasser sprützen, verschiedene Vögel, unter andern den Guckuck, item den berg Parnassum, da vorn der 
Pegasus auf denen hinter-füssen stehet, unten aber die neun Musen sitzen und auf einem positif spielen. 
Fur allen aber ein Centaurus, welcher auf einem grün-gefärbten messingen horn einen solchen starcken laut 
von sich gibt, daß, wer nahe dabey stehet, die ohren zustopfen muß, gegen über spielet ein ander bild auf 
12 flutes douces. Alle diese inventiones werden durch einen unter-irdischen Wind. und das Wasser also 
getrieben, welches vom berg Algido 5 miglia von Frascati anhero zu leiten über 200000 Scudi gekostet haben 
soll: Wobey dann noch ein jet d'eaux zu sehen, welches das Wasser bey 20 schuh hoch in die Höhe 
wirft." Einen nicht minder ansehnlichen Spingbrunnen als in der Villa Aldobrandini, dem Belvedere, fand 
man in der Villa Borghese und der Villa Ludovisi. Hier waren es noch besondere Künste, die interessierten. 
„Es ist in dem garten eine etwas niedrige lange zwerchenmauer, besetzt mit 24 vasen, aus deren centris das 
Wasser ziemlich hoch in die Höhe getrieben wird: Gleicher gestalt springt es aus denen treppen heraus, 
so daß man, um nicht naß zu werden, aller seiner Vorsichtigkeit vonnöthen hat. Oben in der Höhe des 
Gartens ist ein groß Bassin, woraus die cascaden und jetteaux fournierti werden." Anlagen mit künstlichen 
Singvögeln und Wasserorgeln fanden sich in den Gärten beim verfallenen Hause des Maecen wieder, „dessen 
hydraulische machinen die zu Frascati weit übertreffen". Kleinere Wasserkünste bot der Palatin. Fontänen 
von seltener Schönheit gab's außer in Rom in Viterbo und Florenz zu sehen. Am 1. April 1700 traf der 
Landgraf wieder in seiner hessischen Residenz ein. ' 
Auch wenn in der erst 1722 im Druck erschienenen Beschreibung keine Andeutungen gemacht 
werden, kann es wohl keinem Zweifel unterliegen, daß man die Reise mit jener Änderung im Entwurfe der 
Weißensteiner Wasserkünste in Verbindung zu bringen hat, die genau 1700 erfolgte. Die Betonung der in 
ltalien angetroffenen Wasserkünste und der damit zusammenhängenden Kuriosa, die mit derselben Wichtigkeit 
geschildert werden wie große Kunstschätze, fällt im Diarium auf.1 Welche Anlage ltaliens insbesondere die 
Anregung gab, ist nicht zu verkennen. Eine Aufnahme von Frascatis Kaskaden, die nur aus jener Zeit 
herrühren kann, bewahrt noch heute das Staatsarchiv zu Marburg auf." Daß auch die Herkulesidee auf die 
in ltaliens Sammlungen gewonnenen Eindrücke zurückgeht, ist eine begründete Ansicht, und daß der Bauherr 
den Meister des neuen Werkes, Giovanni Francesco Guerniero, in dessen Heimat kennen lernte, eine nahe- 
liegende Annahme? 
1 Noack, Deutsches Leben in Rom 1700 bis 1900, S. 37. 
2 Plan de la Cascade u. Plan de la facade de la Cascade du Belvedere de Frescati. 
3 Heidelbach, Wilhelmshöhe, S. 41, legt der Reise nach Italien nur untergeordnete Bedeutung für die Entwicklung 
der Bauten auf dem Karlsberge bei. „Drei Monate nach der Heimkehr des Landgrafen aus Italien haben wir wieder einen 
urkundlichen Beleg für den Stand der Arbeiten auf .dem Winterkasten. Am 31.Mai 1700 hatte zu Berlin die Vermählung 
des Erbprinzen Friedrich von Hessen, des späteren Landgrafen und Königs von Schweden, Friedrichs l., mit der Prinzessin 
Luise Dorothea von Brandenburg, der einzigen Tochter des Kurfürsten Friedrich III., späteren Königs Friedrich I., stattge- 
funden, und am 8. Juni wurde die Rückreise des Landgrafen Karl, des prinzlichen Paares und des Gefolges von Berlin nach 
Kassel angetreten. Der brandenburgisch-kurfürstliche Schloßhauptmann Freiherr von Printzen, der den Auftrag hatte, der 
jungen Prinzessin das Geleit in die neue Heimat zu geben, legte über diese Reise und die in der hessischen Residenz gewon- 
nenen Eindrücke ein ausführliches Journal an. Darin heißt es: ,Dienstag 6. July 1700. Nachmittag gegen 5 Uhr fuhren die 
Sämmptliche Fürstl. Personen nach Weißen Stein, Einem Jagt Hause, Eine Stunde von Cassel. Ich aber mußte mit des H. 
Landgraffen H. D. in einer chaise gantz oben aufm Berg, alwo Se. Durchl. noch einen Berg von Loniter Steinen, und auf 
demselben Eine espece von Eremitage wollen aufführen, auch große reservoirs und Cascaden bis nach Weißen Stein machen 
lassen, und ist dieses eine Angenehme Entreprise, weil alles lauter Fels ist und gesprenget werden muß' . . . Auch der von 
Leibniz 1698 an Papin gerichtete Brief zeugt dafür, daß Karl nicht erst in Italien die Anregung zu dem einzigartigen Bau 
bekam, und vollends das Journal des Schloßhauptmanns von Printzen bezeugt, daß im Juli 1700, also kurz nach der Rück- 
kehr Karls aus Italien und der ihn völlig in Anspruch nehmenden Berliner Hochzeit schon ein Fortschritt der Anlagen zu 
sehen war, sonst hätte er seinen etwas bequemen Gast nicht auf die Höhe des Berges geführt- Und wäre. ihm erst in Italien
	        

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