Full text: Kreis Cassel-Land : Text (4)

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Die einzelnen Orte. 
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Tafel 196, 1- 
behauenem Gestein eingefaßt. Springbrunnen auf den Zwischenabsätzen der Wasserfälle, die sich in älteren 
Abbildungen finden, mögen früher die Anlage kunstvoller und unterhaltender haben erscheinen lassen, von 
seiner Größe hat der gewaltige Katarakt kaum etwas verloren. Es sei denn, daß man die mächtigen Tannen 
vermißt, die ehedem die Wasserstraße einsäumten und vor einigen Jahren teils vom Sturm, teils von Menschen- 
hand niedergelegt worden sind. 
lhr unteres Ende erreichen die Fälle an der Neptunsgrotte, über die sie in 6m hohem Sturze in 
den davor befindlichen Teich sich ergießen. Der Mittelbau dieser Grotte, über den sich die Hauptkaskade 
stürzt, besteht aus einem ovalen Raum, der sich in einer dreifachen Bogenstellung nach vorn öffnet. lm 
Hintergründe besitzt die Halle drei Nischen, in deren mittlerer der in Gips geformte Wassergott vor einer 
großen Muschelschale thront} Ein Kuppelgewölbe, in das den Mauerdurchbrüchen entsprechend Stichkappen 
einschneiden, deckt das des architektonischen Schmuckes entbehrende lnnere. An diesen Mittelraum 
schließt sich beiderseits als Unterbau für den Ablauf der seitlichen Kaskaden eine kleine rechteckige Neben- 
kammer mit vorderer und seitlicher Öffnung, die mit Kreuzgewölbe abgeschlossen ist und an der Rückwand 
eine unausgefüllte Nische besitzt. Weitere ebenfalls leere Nischen zeigen sich an den Felswänden entlang, 
die als Futtermauer den N eptunsteich gegen den Berg einfassen, zur Seite der Kaskadenmündung sich zu 
freistehenden Gipfeln auftürmen und nach dem Vordergrunde zu abfallen. Der Teich selbst ist als regel- 
mäßiges Bassin angelegt, auf der offenen Vorderseite mit einigen nach dem Wasserspiegel fallenden Stufen 
versehen und von einem Plattensteige umgeben, der zur Neptunsgrotte führt. Auch dieses größte unter den 
Wasserbecken der Kaskadenanlage war mit Fontänenanlagen versehen, von den jetzt äußerlich jede Spur 
fehlt. Auf die ehemals in der Neptunsgrotte springenden Wasserkünste lassen die kleinen im Fußboden 
versenkten Röhren schließen, deren verstopfter Mund schon seit Jahren kein Vexierwasser mehr hergibt. 
Der Wasserbehälter, welche die kolossale Anlage speisen, gibt es mehrere. Das Hauptsammel- 
becken bildet der in einiger Entfernung hinter dem Oktogon gelegene, an die Domäne Sichelbach anstoßende 
und nach dieser benannte Sichelbachteich. lm Westen von einer Berglehne begrenzt, ist das viereckige 
Reservoir auf der abschüssigen Ostseite durch einen massigen Erdwall gefaßt, dem auf der Süd- und Ostseite 
kleinere, sich in die Hügelschräge allmählich verlaufende Dämme entsprechen. ln diesem rund 90 m langen, 
70 m breiten und 7 m tiefen Becken sammelt sich während der Wintermonate soviel Regen und Schnee, daß 
der Wasservorrat durch die nur im Sommer periodisch springenden Wasserkünste meist nicht einmal aufge- 
braucht wird? Außerdem sorgt für die Füllung ein von den Feldern und Rasenflächen von Ehlen kommenden 
an der Nordwestecke des Behälters einmündender Zuflußgraben, der bei mangelndem Bedarf in das Ahnatal 
abgeleitet werden kann. Ein ebenfalls offener Abfluß, der in den Asch führt, befindet sich auf der Südostecke 
des Teiches, während von der Ostfront aus die beiden Kanäle ihren Ausgang nehmen, welche die zur Ver- 
sorgung der Kaskade dienenden und in der Nähe des Oktogons gelegenen Reservoire speisen. Die eine 
dieser Zuleitungen, ein Röhrenstrang, führt unterirdisch über die zwischen Sichelbach und Oktogon gelegene 
Talmulde hinweg, nach Art der kommunizierenden Röhren, das Wasser in das hinter dem Oktogon gelegene 
Sammelbecken bei der Aufseherwohnung, die ehemalige Füllentränke. Die andere Leitung besteht 
aus einem durchweg mit Tuff ausgemauerten und gewölbten, in den Fugen mit Moos verstopften, 
begehbaren Stollen, der nur in der Talsenke für kurze Strecke durch einen offenen, im Bogen fließenden 
1 Die Seitennischen sollen früher „andere Meer-Gottheiten" enthalten haben. Kurze Beschreibung von Wilhelmshöhe 
bey Cassel 1799, S. 28. So auch Döring, Beschreib. d. Lands. Wilhelmshöhe, S. 38. 
2 v. Dehn-Rotfelser, Die Wilhelmshöher Wasserwerke, in Stilling-Gerland, Führer d. Cassel, 5.205: „. . .hinter dem 
Octogon liegt . . . bei dem Vorwerk Sichelbach ein großes künstlich angelegtes Reservoir, dem durch einen offenen Zufluß- 
graben das auf den weiten Hüteflächen im Winter in großer Menge sich ansammelnde Niederschlagwasser zugeführt wird. 
Man nannte daher dieses Reservoir Receptaculum hiemis, und hiernach hat sich noch immer im Volksmunde die Bezeichnung 
Winterkasten für den Karlsberg erhalten." Haedicke, Die Entstehung des Grundwassers, in Bayerisches lndustrie- und 
Gewerbeblatt 1903. Haedicke, Vortrag in der Hauptversammlung des wasserwirtschaftlichen Verbandes in Cassel 1908, glaubt 
daß das Wasser „des Teichs hinter dem Herkules nicht nur vom Regen oder Schnee herrühre, sondern vielmehr durch 
Kondensation der Luftfeuchtigkeit sich bilde".
	        

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