Full text: Kreis Cassel-Land : Text (4)

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Die einzelnen Orte. 
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lm zweiten Obergeschoß scheinen die besseren Zimmer im selben Teil des Ostflügels gelegen zu 
haben, in dem auch die Räume des Fürsten und der Fürstin sich befanden. Wenigstens ist das „Gemach 
über. ]. Dchl der Gnädigsten Filrslin Gemach" das einzige, das „Seßel mit arm Lehnen, Stüle gedreheter 
arbeit" mit „über Zügen" und „Wandbekleidung oder Tappißerey von Bund gestreiften oror grau und 
schwarz Carpetten Zeug" enthielt und mit besonderen, verhältnismäßig gut ausgestatteten Nebenräumen ver- 
sehen war. lm Vergleich zu diesen mit Teppichen und Tischdecken ausgestatteten Zimmern besitzen die 
übrigen Räume des zweiten Obergeschosses durchweg nur das Notwendigste an Einrichtungsgegenständen; 
in den meisten Fällen diente derselbe Raum als Wohn- und Schlafgemach. So war es wenigstens mit der 
„Büchsenwärters-Cammer", mit der „Trompeter Cammer", dem „Sekrefär{inzmer" und den beiden „Altaunstuberff. 
ln besonderer Zusammenstellung führt das lnventarverzeichnis, das mit seinen verschiedenen Nach- 
trägen bis zum Jahre 1718 reicht und Abgänge noch bis zum Jahre 1726 verzeichnet, das „Zin-Werck" 
und das „Meßinger Geschirr" auf, das zum Teil 1684 und 1685 „von Caßell aus der Vorrats Cammer", 
stammte, zum Teil 1688 von „princeß Elisabeth Landgräfin zu Heßen und Äbtissin zu Herford ererbet" und 
soweit es sich um bessere Stücke handelt, mit dem hessischen oder hanauischen Wappen, dem Monogramm 
der Prinzessin oder dem Namen Weißenstein signiert war. Die Zusammenstellung der aus dem Stadtschloß 
in Cassel nach Weißenstein abgegebenen „Gemählte" enthält unter anderem die Bilder der Landgrafen 
Wilhelm V. und Otto sowie deren Gemahlinnen; an „Conterfaiten" waren sonst vorhanden die Bilder von 
Christian lll. von Dänemark, Landgraf Wilhelm Vl. und Wilhelm Vll. von Hessen, König Franz l. und Königin 
Maria von Frankreich, Kurfürst Moritz von Sachsen, Landgraf Philipp zu Philippsthal, der Herzogin von 
Mecklenburg, der Prinzessinnen Agnes und Elisabeth, von anderen Fürstlichkeiten und Päpsten. Auch ein 
„gros Bild, die Kreuzigung Christi auf Brettern" findet sich erwähnt. In Nachträgen sind noch Historien- 
und Landschaftsgemälde sowie eine ganze Reihe Tierbilder aufgeführt, die zum größten Teil aus dem „Vor- 
oder Elephanten Zimmer" des Casseler Stadtschlosses stammten und 1703, 1705 und 1719 nach Weißen- 
stein kamen. 
Es ist nicht zu verkennen, daß die lnnenausstattung des Schlosses sich ganz im Rahmen der 
bescheidenen Außenarchitektur hielt. „Eißerne Öfen mit einem hohen ufsatz" befanden sich nicht nur in 
den Dienerstuben, sondern auch in den Räumen der Fürstlichkeiten und in den Sälen. Fast alle Möbel 
waren aus Tannenholz; auch in den herrschaftlichen Gemächern bildeten die Stücke aus Eichenholz die sehr 
seltene Ausnahme. Wiederholt werden die Ausstattungsgegenstände als „gar alt, schlecht und ordinar" 
bezeichnet, und" es fällt kaum noch auf, daß im Vorzimmer des Landgrafen ein Schrank mit einer zer- 
brochenen Tür zu finden ist. 
Als Ergänzung des lnventariums von 1696 können die Eintragungen angesehen werden, die sich in 
einem Invenmrienvergeichnis vom fahre 176; finden} Freilich hatte sich im Laufe von fast 40 Jahren mehr 
als eine Veränderung in der lnneneinrichtung des Schlosses vollzogen. Wenngleich die Lage der Räume im 
allgemeinen dieselbe geblieben war, hatten doch einzelne Zimmer ihre ursprüngliche Bestimmung verloren 
oder gewechselt, und als wesentliche Veränderung muß die Vertauschung der im Erdgeschoß und ersten 
Stockwerk befindlichen Gemächer für die Fürstlichkeiten gegeneinander bezeichnet werden. Die Hinzuziehung 
weiterer Räume für hohe Militärs oder Räte mag sich durch die Vergrößerung des Hofstaates erklären. 
Auch sonst scheint die alte Schlichtheit geschwunden zu sein. Von einfachen oder schadhaften Möbeln ist 
nicht mehr die Rede. Gute Wandbekleidungen sind in fast allen besseren Gemächern anzutreffen. Gobelins, 
auch solche, die früher in den Sälen gehangen hatten, finden sich in den Zimmern der Kavaliere; Wand- 
bespannungen von bedrucktem Leinen oder bemaltem Segeltuch bilden in wenigen vornehmen Räumen die 
Regel, Papiertapeten selbst in untergeordneten Stuben die Ausnahme. Neben dreieckigen Ampeln weisen 
die Treppenhäuser und Vorplätze „Schildereyen" und „große Meßingene Placades" auf. Kleine Sammlungen 
lassen darauf schließen, daß die Kunst inzwischen auch auf Weißenstein eine dauernde Stätte gefunden hatte. 
1 Weisfensteiner Jnventarium 1765. 
St. -Arch. Marburg. 
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