Full text: Kreis Cassel-Land : Text (4)

Wellerode. 
Der zwischen Stiftswald und Söhre gelegene, vom Fahrenbach durchflossene Ort ist zu keiner Zeit 
geschichtlich hervorgetreten. Er scheint frühzeitig in ein Abhängigkeitsverhältnis zu Kaufungen gekommen zu 
sein. Jedenfalls trugen die von Elben das Dorf vom Stifte zu Lehen.1 135i kaufte die Äbtissin Jutta von den 
Brüdern Tyle, Heimerad und Werner von Elben den Ort, der in der Urkunde Wynebolderode heißt, zurück? 
Seitdem unterstand der Platz der Gerichtsbarkeit des Stiftesß Der Name, der vom Gründer Winibaldt oder 
Winbolsä abgeleitet wird, schreibt sich im 14. Jahrhundert Wenewolderade, im 15. Jahrhundert Welwolderade 
und im 16. Jahrhundert Weniebolderodeß Kirchlich gehört das Dorf jetzt als Filiale zu CrumbachF 
Von älteren Flurnamen seien der „Pfaffenhof" und die „J0hannishecke" aufgeführt. Der „Ölberg" 
dürfte die Stelle einer Darstellung der bekannten Passionsszene bezeichnen, vermutlich einer zum benachbarten 
Kaufunger Stift gehörenden Bildgruppe. Zweifellos als Kaufunger Eigentum anzusprechen ist die in der 
Welleroder Gemarkung gelegene „Hessenhagenkirche", die bis zur Unkenntlichkeit entstellte Ruine der 
Julianenkapelle, deren Geistlicher 1304 genannt wirdß Zur Hugenottensiedelung im nahen St. Ottilien sind 
die „Franz0senwiesen" in Beziehung zu bringen? 
Kirche. 
Tafel 116,1 u. 2 
Von einem älteren Bau, aus dessen Geschichte lediglich eine Instandsetzung im Jahre 1841 bekannt 
ist"), hat sich nur der Unterteil des Turmes erhalten. 
einem Neubau vom Jahre 1901 an, der nach den Plänen des Geheimen Oberbaurates Hoßfeld ausgeführt 
wurde." Nach älteren Aufnahmenw bildete das untergegangene, dem Turm westlich sich vorlegende Langhaus 
eine nur 7,50 m im Lichten lange und 7,0 m breite Saalanlage, „die jedes baulichen, bezw. kunst- 
historischen Werthes entbehrteülß Dem hohen Dach nach zu urteilen kann der Bau, der unregel- 
mäßiges, mit Putz verstrichenes Bruchsteinmauerwerk und Eckarmierung zeigt, in seinen Umfassungswänden 
in die Zeit der Gotik zurückgehen. Den Turmkörper umzieht noch heute die Sockelschräge. Die Westseite 
schloß ein fensterloser Giebel ab, in dessen Achse die nachträglich rechteckig umgestaltete Eingangstür 
lag. Zwei hohe, ebenfalls jüngere Fenster befanden sich auf jeder Langseite, je eine Rechtecksöffnung in den 
Außenwänden des als Chor dienenden 5,50m zu 5,0m im lnnern messenden Turmerdgeschosses. 
Den Oberteil des Glockenhauses bildeten zwei zurücksetzende Fachwerksgeschosse, die ein flaches Zeltdach 
abschloß. Bezüglich der Inneneinrichtung ist aus den älteren Aufnahmen soviel zu ersehen, daß der Turm 
den Altar, die Kanzel und die Orgelbühne enthielt und das Langhaus auf der Nord-, West- und Südseite 
von Emporen umzogen wurde. Die alte Orgel soll nach Friedrichsbrück gekommen sein. Allem Anschein 
nach hatte die beseitigte Friedhofsmauer ringförmige Gestalt. 
Glocken. 
Nördliche Glocke. Unterer Durchmesser 0,92 m, Höhe 0,76 + 0,15 m. Vier geschwungene Henkel. 
.Am Hals „EHRE SEI GOTT IN DER HOEHE." Auf Flanke „JUST-GIESE, BUERGERMElSTER-BERNH- 
Oberteil des Glockenhauses sowie Schiff gehören 
1 Landau, Hessengau, S. 82. - 2 Roques, Urk. Nr. 207. 
3 Engelhard, Erdbeschreibung l, S. 189. - 4 Arnold, Ansiedelungen, 5.189. 
5 Schimmelpfennig, Ortsnamen. - ' Roques, Urk. Nr. 207, 259 u. 507. - 1 Bach, Kirchenstat, 8.197. 
ß Landau, Hessengau, S. 82: „Capelle s. Juliane gelegen an dem Hessenhayne bober Lubesrade". Vgl. Julianen- 
kapelle beim Abschnitt Oberkaufungen. 
9 Flurkarten, Katasteramt I, Cassel. - 1" Hochhuth, Stat., S. 194. 
" Zentralblatt der Bauverwaltung 1902, S. 106. 
12 Kreisbauinspektion ll Cassel und Denkmälerarchiv Marburg. 
13 Spezial-Akten betreffend die evangelische Kirche zu Wellerode. Regierung Cassel.
	        

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