Full text: Kreis Cassel-Land : Text (4)

999999999999999999999999 
Die einzelnen Orte. 
EQQEEQEEEEEQEQQEQEQEQQQQ 
Tafel 83, 2a 
kleine rundbogige Durchgangsöffnung zu schaffen, durch die man noch heute von der Glockenstube auf den 
Dachraum des Nebenturmes hinabsteigt. ' ' 
Auch die Anlage der konstruktiv so bedenklichen Durchgänge in der Nord- und Südwand der unteren 
Hauptturm-Halle läßt sich wohl nur dadurch erklären, daß man bei Aufstellung des Bauplanes auf den 
bestehenden Nebenturm Rücksicht nehmen mußte oder wollte. Einmal sollte - "so überlegte der Architekt 
- der vorgefundene Nebenturm mit dem zu errichtenden Hauptturm in unmittelbaren Zusammenhang gebracht 
werden, andrerseits sollte die Verbindung zwischen Eingangshalle und Nebenschiff gewahrt bleiben. Beide 
Bedingungen ließen sich nur erfüllen, wenn der Durchgang dort zu liegen kam, wo er noch heute festzustellen 
ist, am Ostende der Turm-Schmalseite. Es wäre ein eigentümlicher Zufall gewesen, wenn die Öffnungen 
im Hauptturm von vornherein so angelegt wären, daß nachträglich der Anbau dieses merkwürdigen Nebenturmes 
ohne Schwierigkeit sich hätte ermöglichen lassen. So sonderbar es klingt, auf den Nebenturm wurde der 
Haupturm und damit in gewissem Sinne die ganze Kirche abgestimmt. 
Von der Ausstattung des Gotteshauses in romanischer Zeit fehlt jeder Rest. Von einem romanischen 
Lettner geben die in mäßiger Höhe an den westlichen Vierungspfeilern sich findenden Bogenanfänger Kunde. 
Reste eines Weihwasserbeckens zeigt der Westpfeiler in der Nordarkade des Langhauses. Dürftige Farbspuren 
im Mittelschiff - Quaderbemalung mit roten Fugen auf weißem Grund - scheinen der Gotik anzugehören. 
Zwei Maßwerkzwickel in einem der Südschifffenster weisen bescheidenste ornamentale Glasmalerei in Grisaille- 
manier aus dem spätesten Mittelalter auf. Eben dieser Zeit scheint die Steinmensa des Altares" an-zugehören, 
deren ausgekehlte Platte die katholischen Weihekreuze bewahrt hat. 
Wenngleich weder die Baugeschichte noch der Baubefund die Genesis der Kaufunger Stiftskirche 
erschöpfend klären, sind die Hauptabschnitte in der Entwicklung des Baues erkennbar. An einen vorhandenen 
kleinen Sechseckturm wurde in den Jahren 1017 bis 1025 die 60 m lange Basilika so angebaut, daß der 
vorgefundene Turm der Nebenturm des größeren rechteckigen Glockenhauses wurde. Kurz nach Fertigstellung 
des Münsters machten sich, nicht zuletzt wegen der Rücksichtnahme auf den überkommenen Bauteil, an den 
zu stark aufgelösten Mauern des Hauptturmes Verstärkungen nötig, die dadurch erzielt wurden, daß man die 
Öffnungen in den unteren Geschossen ganz zusetzte, im oberen Teile verkleinerte. Die Standfestigkeit zu 
erhöhen, erhielt der als Strebe dienende Nebenturm im Erdgeschoß auf Kosten des leichten Raumes einen 
Verstärkungsring. Im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts, wahrscheinlich kurz nach 1174, begann man damit, 
die flachgedeckte Basilika zu überwölben, kam indessen über den Chor nicht hinaus. Wohl infolge der 
Zerstörung des Baues durch höhere Gewalt machte sich, vermutlich Ende des 13.Jahrhunderts, die Instand- 
setzung des Langhauses nötig, das im völlig erneuerten Mittelschiff die Form der Hallenkirche annahm, in 
den nur ausgebesserten Seitenschiffen als Provisorium den basilikalen Charakter beibehielt. Die Hochgotik 
brachte im stark restaurierten Nordkreuzflügel den Ersatz der romanischen Fenster durch bescheidene Maßwerk- 
öffnungen. Ein Brand im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts, der die Holzkonstruktionen und das Inventar 
zerstörte, ließ die Absicht einer Überwölbung der Kirche von neuem erstehen, doch brachte man diesmal 
anscheinend nur das Gewölbe des südlichen Kreuzflügels zustande, das übrigens bald wieder einstürzte. Auch 
diese Instandsetzung, welche den schüchternen Versuch einer Einwölbung des Mittelschiffes gleich wieder 
aufgab, konnte der Idee der Hallenkirche nicht zum Siege verhelfen. Die Nebenschiffe wurden unter Anlage 
anspruchsloser Maßwerkfenster nur unwesentlich erhöht. Hohe Lichtöffnungen dagegen erhielt, ebenfalls in 
spätgotischer Zeit, der gänzlich erneuerte südliche Transeptarm, dessen Apsis durch einen schiefwinkligen 
Anbau ersetzt wurde. Und eine würdige Erweiterung erfuhr 1469 der Chor durch Annahme eines polygonalen 
Abschlusses und Einbeziehung eines Gewölbes, das zum Teil die romanischen Wandpfeiler benutzte. Zu 
erneuten Sicherungsmaßregeln gab,. in der frühen wie späteren Gotik, der Turm Veranlassung, der trotz 
Verstärkung seiner Südwand, Einziehung eines Gewölbes im Erdgeschoß, Anlage von Strebepfeilern und 
Vermauerung einiger Fenster in der Glockenstube anfangs des 18. Jahrhunderts durch weitere Vorlagen 
geschützt werden mußte. Von sonstigen Änderungen in nachklösterlicher Zeit berichtet die Jahreszahl 1564 
am Dachstuhl des nördlichen Kreuzflügels, 1580 an einer Tür des Nebenturmes und 1724 am südlichen 
9.99?)EUUUUUUUUQUQULQULWUQUlQUUUQU 164 SEEEQEEEQEEQQSSEEEEEEQQQQQQQE
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.