Full text: Kreis Cassel-Land : Text (4)

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Oberkaufungen. 
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mit einer Doppeltür verschlossenen Obergeschoßraume des Nebenturmes. Daß die beiden weiteren Ober- 
geschosse des Nebenturmes durch Leitern miteinander in Verbindung blieben, versteht sich von selbst. 
lm unteren Geschosse des Nebenturmes sind die Reste eines auf dem Fußboden stehenden, an die_Nord- 
ostwand angelehnten steinernen Einbaues zu erkennen, der, von Rauch geschwärzt, offenbar zeitweise als Herd 
diente und als entstellter Kamin gilt. Allein abgesehen davon, daß an keiner Stelle der Außenmauern ein Schorn- 
stein vorhanden ist und Spuren eines Rauchfanges fehlen, spricht die tischartige Gestalt des Einbaues gegen 
seine ursprüngliche Bestimmung als Feuerstätte. Gerade diese Form des Aufbaues in Verbindung mit seiner 
Orientierung und der Tatsache, daß das Fenster an der gegenüberliegenden Seite seinen Platz hatte, legt den 
Gedanken nahe, daß man es mit dem Reste eines Kultinventarstückes zu tun hat. Sollten wir in dem 
kapellenartigen Raum den Peter- und Paulsaltar zu suchen haben, mit dem das „Grebelin" verbunden war? 
Die polygonale Form des Raumes würde zu einer Heiliggrabkapelle ausgezeichnet passen. 
Bezüglich des Alters des Nebenturmes ergibt der Baubefund mit Sicherheit soviel, daß seine Errichtung 
mit der Erbauung des Hauptturmes nicht gleichzeitig erfolgt sein kann. An der Stelle ihres Zusammenschlusses 
besitzen die beiden Bauteile nicht etwa eine gemeinsame Mauer, sondern jeder Turm seine Wand für sich. 
Ein Verband zwischen beiden Mauern ist demgemäß auch nicht vorhanden. Ganz vereinzelte kleine Bindersteine, 
die, aus der Mauerflucht hervortretend, von einem zum anderen Bauteil überspringen, zeigen, daß man sich 
wenigstens in etwa bemühte, einen oberflächlichen Zusammenhang herzustellen. Dazu kommt, daß beide 
Türme ganz verschiedene Mauertechnik aufweisen. Während der Hauptturm, wie das Schiff, aus kleinquadrigen um 83, w... 
breit gefugten, auf Verputz berechneten Sandsteinen besteht, weist der Nebenturm große, fein scharierte, 
sauberst gearbeitete und sorgfältig versetzte engfugige Werksteine auf, an deren Verputz offensichtlich von 
Anfang an nicht gedacht ist. Darüber, daß der Nebenturm, abgesehen von der gotischen Einwölbung seines 
obersten Geschosses, in seiner ganzen Masse romanisch ist,- lassen die Rundbögen seiner Türöffnungen sowie 
der äußere Abschluß der Lichtschlitze mit kleinen Halbkreisen keinen Zweifel. Als einfachste Lösung würde 
die Auslegung erscheinen, daß der Nebenturm dem Hauptturm nachträglich, und zwar noch in romanischer 
Zeitl, angefügt sei. Indessen, flößt schon die Technik des Mauerverbandes beim Nebenturm Bedenken gegen 
diese Annahme ein, so findet sich am Hauptturm ein sicheres Kennzeichen dafür, daß nicht dieser, sondern 
jener der ältere ist. . 
, Die von Schallöffnungen reichlich durchbrochene Glockenstube besitzt dort, wo das Dach des 
Nebenturmes anschließt, keine Mauerauflösung, sondern eine geschlossene Wand, eine Eigentümlichkeit, die 
sich nicht finden dürfte, wäre der Nebenturm jünger. Denn es lag keine Veranlassung vor, diese Seite des 
Hauptturmes, die dem Tale zugewandt war, minder liebevoll und zweckmäßig auszubilden als die zum Teil 
nach der unbewohnten Berglehne gelegenen Fronten. Besäße der Hauptturm das höhere Alter, so müßten 
die einander gegenüberliegenden Seiten der Glockenstube gleich ausgebildet sein. Wäre der Nebenturm 
wirklich später angebaut, so würde man, falls man ihn überhaupt so hoch führte, das nutzlos werdende 
Schallloch im westlichen Teile der Nordfront zugesetzt haben, ebenso wie man es bei den seitlichen Öffnungen 
auf der Ost- und Westfront aus statischen Gründen für gut hielt, wenn man es nicht vorzog, die nicht 
störende Schallöffnung überhaupt in der alten Verfassung zu belassen. Etwa an einen Einsturz und späteren 
Wiederaufbau gerade des Teiles vom Hauptturm zu denken, an den sich die Spitze des Nebenturmes anlehnt, 
verbietet der Umstand, daß zu beiden Seiten dieser Stelle die alten Kämpfergesimse der angrenzenden 
Schalllöcher noch unversehrt erhalten sind und das Mauerwerk hier durchaus dasselbe Gefüge zeigt wie sonst 
am Hauptturm. Es bleibt keine andere Erklärung übrig als die, daß tatsächlich der Nebenturm der ältere 
ist, und daß man bei Erbauung des jüngeren Hauptturmes von vornherein auf ihn insofern Rücksicht zu 
nehmen hatte, als man auf die Anlegung unbrauchbarer Schallöffnungen an der Anschlußstelle verzichtete 
und sich damit begnügte, als Verbindung zwischen den oberen Räumen von Haupt- und Nebenturm jene 
1 Der Nebenturm wird tatsächlich von Dehn-Rotfelser u. Lotz, Baudenkm., S. 204, Lotz, Topographie l, 5.319, und 
anderen für jünger gehalten als der Hauptturm. 
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