Full text: Kreis Cassel-Land : Text (4)

99999999999599999999999999 
Oberkaufungen. 
QSEEEEQQQQESEEQEQEESESEEEE 
war es, in dem die Kaiserin in Kaufungen eine schwere Krankheit bestand} Wenn wir die Veranlassung zur 
Gründung des Klosters in erster Linie auch in der frommen Gemütsverfassung Kunigundens und in dem 
Bestreben ihrer Zeit zu suchen haben, durch geistliche Stiftungen sich Verdienste für die Ewigkeit zu sammeln, 
so muß doch gerade die Schwere der Krankheit und ihr glücklicher Ausgang sie zum Entschlusse einer 
Klostergründung bestimmt haben, von dem der abwesende Kaiser erst nachträglich Kunde erhielt.'-' Wird bedacht, 
daß Heinrich in diesem Jahre seine Pfingsten in der Abtei Werden verlebtei, daß er gleich mit dem Schluß 
des Festes nach Paderborn ging, wo er mit Kunigunde zusammentraf, die sich in Frankfurt von ihm getrennt 
und mittlerweile die Krankheit in Kaufungen durchgemacht hatte, daß er hier seiner Freude über die Genesung 
seiner Gemahlin öffentlichen Ausdruck gabf, und daß jene Urkunde über die Schenkung des Hofes Hede- 
münden am 6. Dezember zu Gottern ausgestellt ist, so gewinnt die Annahme an Gewißheit, daß die Gründung 
des Klosters im Sommer eben dieses Jahres 1017 stattfand. Der bevorstehende Feldzug gegen Polen mochte 
den frommen Kaiser, der von seinen geistlichen Stiftungen nicht geringen Erfolg für seine kriegerischen Unter- 
nehmungen erhoffte, für die Absichten Kunigundens noch empfänglicher machen. Von Bürgel - am linken 
Mainufer oberhalb Offenbach -, wo Heinrich 1018 Landtag hielt, begab sich Kunigunde nach Kaufungen, das 
Leben nach der Ordensregel beginnen zu lassenö und somit den eigentlichen Geburtstag des Klosters festzulegen." 
An Zuwendungen ließ es der kaiserliche Gönner von Anfang an nicht fehlen; so schenkte er 1017 
einen Hof zu Heroldshauseni, 1018 das Gut Leidenhofens, 1019 die Dörfer Niederkaufungen, Vollmarshausen 
und Uschlagß, Güter in Escheberg und Obermeiser, die in der Moselgegend gelegenen Orte Lay, Waldesch, 
1 Thietmar, Chron. Vlll,54 (Vll,39): „Regina autem (Cunigundis) a Froncanavordi a cesare discedens, cum ad 
locum, qui Capungun dicitur, veniret, infirmatur et ibi tunc Deo promisit, se ad laudem eius unum facturam monasterium", 
Der Analista Saxo bemerkt zum Jahr 1017: „Regina Coupungen veniens infirmatur, vovitque ad laudem Dei monasterium 
ibidem se facturam". Vgl. auch Kuchenbecker, Anal. Hass. lll, S. 122 u. 129. 
1' Roques, Kaufungen, S. 16: Der „Königshof Cassel war nicht allein die erste, sondern auch die bedeutendste Dotation, 
die das Kloster Kaufungenvon Heinrich erhielt. Er schenkte ihn zuerst seiner Gemahlin, weil das Kloster im Jahre 1008 
noch gar nicht gestiftet war; allein es ist durchaus naheliegend und wahrscheinlich, daß die ernstliche Absicht Kunigundens, 
auf ihrem Erbgute Kaufungen ein Kloster zu gründen, bereits damals bestand, deren Ausführung jedoch durch mannigfache 
Hindernisse vorläufig noch gehemmt war." ln Wirklichkeit lag der Fall umgekehrt. Hindernisse waren keine vorhanden, 
aber die Absicht einer Klostergründung bestand 1008 noch nicht. 
3 Thietmar, Chron. Vlll, 56f. (Vll, 41 f.) - 4 Stumpf, Urk. Nr. 1686. 
5 Thietmar, Chron. IX, 10 (Vlll, 9): „lmperatrix autem ad dilectam sibi Capungam veniens monachicam ibi vitam 
ordinavit". 
ß Hirsch, Jahrbücher lll, S. 74. - i Roques, Urk. Nr. 6. - 8 Roques, Urk. Nr. 7. 
9 Roques, Urk. Nr. 9: „. . . quasdam nostri juris villas, ipsum videlicet monasterium Overencoufunga cum toto nemore 
necnon Nederencoufunga, Volmareshusun, Luslad dictas, in pago Hassia sitas in comitatu Friderici comitis  concedimus 
et largimur . . .". 
ln dem Verzeichnis der bei Aufhebung des Stiftes vorgefundenen Urkunden und Lehen (Urk. Nr. 766b) wird auf- 
geführt: „Ober Kauffungen da hat das closter die uberkeit uber gericht, recht, buß und feilen kauff und das dritteil der buß 
uber schult und schaden und besitzt der ampt[mann] das gericht midt und uber die stifftsgutter zu richten etc... Die von 
Niddern Kauffungen gehorn zum dritten teill geen Obern Kauffung an gericht und auch mit dem besten heupt." 
Hirsch, Jahrbücher, 5.74: „Das Gelübde der Kunigunde könnte darauf führen, daß sie schon Eigentümerin von 
Kaufungen gewesen; und wer sich den Umfang der alten Königshöfe vergegenwärtigt, könnte wohl annehmen, daß es zu den 
Pertinenzien von Cassel gehört und also einen Teil der Schenkung von 1008 gebildet habe. Dem stände begreiflich weder 
die Verlegung der königlichen Residenz dahin noch auch das im Wege, daß Heinrich das ,ipsum videlicet monasterium 
Overencoufunga necnon Nederencoufunga' als ,nostri juris villas" bezeichnet. Auch wenn infolge des Akts von 1008 mit 
der Bewirtschaftung des Haupthofes Veränderungen vorgingen, konnte sich wohl der König innerhalb des Eigentums seiner 
Gemahlin noch eine gastliche Stätte wählen und in der Urkunde sprach er als Gatte und Obereigentümer." Meines Erachtens 
war nicht Kunigunde, sondern Heinrich Eigentümer von Kaufungen und die von Kaiser gewählte Bezeichnung „nostri juris villas" 
ist wörtlich zu verstehen. Das ergibt, wie weiter unten nachgewiesen, der Baubefund. Landau, Ansichten, S. 71: „Kaufungen . .. 
war ursprünglich ein Güterhof der Grafen von Luxemburg . . . Kunigunde war eine Tochter des Grafen Siegfried l. von Luxemburg 
und Kaufungen eines derjenigen Güter, welche sie zu ihrer Mitgift erhalten hatte." Rommel, Gesch. v. Hessen I, S. 134: „Kuni- 
gunde, die Gemahlin Heinrichs des Heiligen, war aus dem lothringisch-luxemburgischen Hause, sie war die Tochter der Gräfin 
Hedwig von Egenesheim und Siegfrieds des Ersten, dessen kinderloser Bruder Richwin Gertrude, die Erbin eines fränkischen 
Herzogs, geehelicht hatte. Man vermutet, daß Getrudens Vater Herzog Eberhard oder Hermann war, und daß diese Heirat, 
oder auch Siegfrieds des Ersten frühere Vermählung mit einer hessischen Erbtochter den Grund zu dem Ansitz des luxem- 
ÜGJUUUWUFJUEJUBJQ99993199999999999 127 QESESQQQQQQQQQQEQQQQQQEQQQQQQ
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.