Full text: Kreis Cassel-Land : Text (4)

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Sankt Anna selbdritt in der Auffassung, daß Maria, noch im jugendlichen Alter, aber schon mit den 
Abzeichen der Himmelskönigin, stehend von ihrer Mutter das jesukind gereicht bekommt, bildet die Haupt- 
darstellung der Südwand. Die Gruppe, die den vom Schildbogen, Fenstergewände und Türsturz begrenzten 
Raum ausfüllt, steht auf einem Podium, auf dessen Hintergrunde der kniende Stifter, dem weißen Gewande 
nach anscheinend ein Geistlicher, Platz gefunden hat. Der kleinen Figur des Donators gegenüber steht ein 
großer Leuchter mit drei brennenden Kerzen und zwei blauen Wappenschildchen von blauer Farbe an den 
Seitenarmen, von denen das eine Schrägbalken von unbestimmter Tinktur und Randfassung, das andere silberne 
Querbalken im Oberfelde zeigt. Mutter Anna erscheint in schwärzlich violettem Unterkleide, rotem Mantel 
und weißem Schleier, Maria in rotem Brokatkleid, blaugrauem Obergewande und mit Krone auf dem wallenden 
blonden Haar. Eine zweite Darstellung der Maria in großem Maßstabe als Gottesmutter und Himmelskönigin, 
von der Mandorla umgeben, findet sich in der vom Schiff aus sichtbaren Leibung des Fensters. 
Für die Behandlung der Nordwand gab das vorhandene Tabernakel das Motiv. ln freier Übertragung 
der Architekturform auf den Flächenstil hat die Einfassung des Steingehäuses eine passende farbige Umrah- 
mung gefunden. Fialen in gelber und roter Ockertönung mit schiefergrauen Spitzen und grünen Krabben, 
durch Querstücke verbunden und durch Wasserspeier belebt, bauen sich stufenförmig bis zum Gewölbe auf, 
dessen Schildbogen nur deshalb nicht im Scheitel getroffen wird, weil das Tabernakel, das die Achse der 
Malerei bestimmte - wohl mit Rücksicht auf den Altar - etwas aus der Mitte nach Westen verschoben ist. 
Bekrönt wird das architektonische Gebilde von einem Kielbogen mit Giebelabschluß, unter dem in einem 
Baldachin die Figur des Schmerzensmannes mit Dornenkrone, Rute und Geißel, mit Speer und Stange mit 
Essigschwamm Platz gefunden hat. Die rechts und links des Baldachins angebrachten Votivkerzen tragen 
an den Leuchterarmen Schildchen von blauer und roter Farbe, aber verschwundener Zeichnung, offenbar die 
Wappen der neben dem Tabernakel knienden Stifter, von denen der eine nur noch durch ein langes violettes 
Untergewand und grünen Mantel mit weißem Futter sich kennzeichnet, der andere aber, wohl erhalten, als bärtiger 
lockiger Mann mit langem weißen Rock, weißem, schwarz gefüttertem Mantel und schwarzer Mütze erscheint. 
Leider ist die Schrift des Spruchbandes, das den Träger vielleicht als Deutschordensherrn ausgewiesen hätte, 
verblaßt. Man könnte den sich nach oben verjüngenden Aufbau für die Nachbildung eines jener freistehenden 
Sakramentshäuschen halten, in deren Ausbildung sich die Spätgotik nicht genug tun konnte, wenn nicht ein- 
zelne Kennzeichen dafür sprächen, daß es dem Maler nicht um die Darstellung eines solchen Ziertürmchens 
und überhaupt nicht um die Nachbildung einer Steinmetzplastik zu tun gewesen wäre. Die Breitenentwicklung 
in der Mitte und das Fehlen eines dieser Breite entsprechenden Unterbaues stehen in Widerspruch mit der 
einerseits auf Standfestigkeit, dann aber auch vorzugsweise auf Höhenentwicklung berechneten Konstruktion 
der schlanken Steinpyramide, die „höher als die Kirch" sein sollten. Der weit ausladende Giebel am Dach- 
gesimse des Tabernakels läßt keinen Zweifel darüber, daß der Künstler das Herzstück der Anlage betonen 
wollte. Die nach außen vorkragenden Arme an der Spitze, die Filigranarbeit an den Fialenstegen und der 
mit dünen Bogenlinien verbundene Blätterfries am unteren, völlig wagerechten, ebenfalls verbreiterten Abschluß 
des Tabernakels sind weniger durch die Freiheiten der Malweise als durch die Nachahmung einer Metalltechnik 
zu "erklären. Nicht den Steinmetzen, sondern den Goldschmied wollte der Maler kopieren. Kein Sakraments- 
häuschen, eine Monstranz stellt das Bild dar. Da darf man auch den fehlenden Unterbau nicht als Sockel, 
sondern als Stiel ergänzen, um so eher als der zur Verfügung stehende Raum für den Fuß eine Höhe besitzt, 
die im richtigen Verhältnis zum Oberbau steht, und bei gutem Willen Spuren eines Stieles auf dem Putz sich 
feststellen lassen. Flankiert wird das eigenartige Mittelstück durch zwei lebensgroße, auf Konsolen gestellte 
Figuren, in denen man die Patrone des Gotteshauses erblicken darf. Wenigstens kennzeichnet sich die eine 
Heilige, eine jugendliche Gestalt mit goldigem Unterkleide und violettem Mantel, deren aufgelöstes blondes 
Haar eine Krone schmückt, durch den in der Rechten gehaltenen Haken als Agatha. Die andere, arg zer- 
störte Figur, von der nur das weiße Untergewand und der violett gefütterte grüne Mantel erkennbar sind, 
als Elisabeth, die Landesheilige, anzusprechen, scheint das in der Linken sich findende Frucht- und Blumen- 
körbchen zu gestatten. 
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