Full text: Kreis Fritzlar : Text (2)

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Die Stiftskirche St. Petri. 
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Es liegen keine Nachrichten vor, daß die Religionsstreitigkeiten des 16. Jahrhunderts, welche eine zeit- 
weilige Besitzergreifung der Stadt Fritzlar durch den Landgrafen Wilhelm lV. von Hessen im Jahr 1552 zur 
Folge hatten, der Stiftskirche als Bauwerk besonderen Schaden zugefügt hätten; auch den 30jährigen Krieg, 
obgleich damals die Stadt bald in den Händen der einen, bald der andern Partei war und schrecklich ver- 
wüstet und geplündert wurde, scheint die Stiftskirche leidlich überstanden zu haben. Nachweislich sind nur 
von 1670 ab bedeutende Umwandlungen im lnnern erfolgt durch Beschaffung neuer Altäre und Austattungs- 
stücke im damaligen Zeitgeschmack, die sich größtenteils bis heute erhalten haben. Ob dabei viel vom 
älteren Kirchenmobiliar aus Neuerungssucht vernichtet worden ist, oder ob es während der Kriegsläufte zu- 
grunde gegangen war, bleibt zweifelhaft. . 
Das 18. Jahrhundert brachte weitere Veränderungen im lnnern, aber auch am Äußern; es wurde 
1735 der Vorbau vor dem nördlichen Eingang, der „rote Hals", so ausgestaltet, wie er heute ist, und 1731 
auch der obere Teil der Westvorhalle unter Beseitigung der daselbst vorher befindlich gewesenen Anlage. 
Weiter hat man dann im Jahr 1761 die Bedachung der südlichen Seitenschiffe verändert; ein Doppeldach, 
das 1845 wieder dem jetzt vorhandenen hat weichen müssen, kam an die Stelle früherer Steingiebel. 
lm 19. Jahrhundert mußten leider die obersten Teile der Türme von Grund aus erneuert werden; sie 
erhielten eine zwar „stilgemäße", aber gegen den früheren Zustand reizlose Form. Auf der Nordseite wurde 
im Streben nach Stilreinheit manches entfernt und verändert, und es sollte sogar die schöne Kapelle vor 
dem nördlichen Seitenschiff, sowie der „rote Hals" verschwinden. Bereits in den vierziger Jahren mit für die 
damalige Zeit erheblichem Geldaufwand ausgeführte Arbeiten dienten nur zur notwendigen Beseitigung der 
durch langjährige Vernachlässigung entstandenen Baugebrechen und der Schäden am Mobiliar. 
Glücklicherweise ist eine schon seit Jahrzehnten geplante durchgreifende Restaurierung der Kirche in 
puristischem Sinne, wie sie leider 1871 im Kreuzgang ausgeführt worden ist, bis heute unterblieben. Sie 
ist nun dem 20. Jahrhundert vorbehalten. 
Einzel-Baugeschichte 
und 
Beschreibung. 
ln dem 1870 begonnenen „lnventarium der Baudenkmäler im Königreiche Preußen", als dessen erster 
und einziger Band die von H. v. Dehn-Rotfelser und Dr. Wilhelm Lotz verfaßte Beschreibung der 
Baudenkmäler im Regierungsbezirk Cassel erschien, finden sich (von Seite 51 bis 59) auch Mit- 
teilungen über die Fritzlarer Stiftskirche und im Anschluß daran knappe über die in der Kirche vorfindlichen, 
der Kleinkunst angehörigen beweglichen Stücke, die zum Teil als solche und daneben als kirchliche Altertümer 
einen erheblichen Wert besitzen. ln der erwähnten Monographie (H. u. v. D.-R.) sind sie, und noch nicht ein- 
mal alle, nur kurz erwähnt; in den „Baudenkmälern" wird ein vollständigeres Verzeichnis mitgeteilt, während 
die Mitteilungen über die Kirche selbst als ein gedrängter Auszug aus jener Monographie erscheinen. Der von 
dem Verfasser der Monographie für das von ihm mitbearbeitete lnventar hergestellte Auszug ist so erschöpfend, 
daß es angemessen erscheint, auch für unser lnventar von ihm den ausgibigstenGebrauch, mitunter durch 
wörtlichen Abdruck, der dann durch Kursiv-Schrift gekennzeichnet ist, zu machen, ohne es zu unterlassen, 
alles durch neuere an Ort und Stelle gewonnene, damals unterbliebene Wahrnehmungen, sowie namentlich 
durch auf inzwischen vorgenommenen archivalischen Forschungen beruhende Mitteilungen über Entstehungs- 
zeit, Meister, Preise u. dergl. zu ergänzen. 
Wir geben zunächst von der reichhaltigen Gruppe von Bauten aus verschiedenen Zeiten, welche die 
Stiftskirche bietet und weil deshalb eine solche Behandlung möglich wird, Einzelbeschreibungen; im Westen 
beginnend, werden wir uns nur in einem kurzen Schlußwort nochmals über die ganze Anlage äußern. 
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