Full text: Kreis Fritzlar : Text (2)

Die 
Stiftskirche 
St. 
Petr-i. 
Die in Fritzlar meist „der Dom" genannte Stiftskirche St. Petri hat in einer bereits im Jahre 1865 
von dem noch hochbetagt in Fulda lebenden Geh. Baurat F. Hoffmann und dem als 
Konservator der Kunstdenkmäler 1885 zu Berlin verstorbenen H. von Dehn-Rotfelser herausgegebenen 
Monographie (H. u. v. D.-R. im Literaturverzeichnis) eine derart gründliche und zutreffende Besch reibun g ge- 
funden, daß den darin von ihr in Wort und Bild gegebenen Mitteilungen heute nach vierzig Jahren textlich 
wesentlich Neues kaum hinzugefügt werden kann und dieses lnventar nur imstande sein wird, vermöge 
seiner auf ausgezeichnete photographische Aufnahmen zurückgehenden Abbildungen, sowie durch genaueste 
Aufmessungen des Baues und seiner Einzelheiten mehr zu bieten. Die schwierige Feststellung der Bau- 
geschichte der Kirche selbst und der mit ihr im Laufe der Jahrhunderte in Verbindung getretenen Anbauten 
konnte mit den damals zu Gebote stehenden Hilfsmitteln nicht mit gleichem Erfolg erledigt werden; sie ist 
bis zur Stunde nicht zu einem einwandfreien Abschluß gelangt. Trotz des inzwischen erfolgten Fortschrittes 
der Kunstwissenschaft hat die Baugeschichte weder mit völliger Sicherheit aus dem Erhaltenen abgelesen 
werden können, noch ist es möglich geworden, vermöge neu aufgefundenen urkundlichen Materials alle 
darauf bezüglichen Fragen zu entscheiden. Selbst die in Aussicht stehende Restaurierung der Kirche kann, 
auch wenn sie sachverständig geleitet wird, nur einzelne Aufschlüsse bringen. Daß jedoch manches im Jahre 
1865 bezüglich der Baugeschichte noch herrschende Dunkel im Nachfolgenden aufgeklärt wird, ist wohl 
selbstverständlich. 
Baugeschichtliches. 
Um das Jahr 732 weihte} wie in der Einleitung schon erzählt wurde, Bonifatius dem heiligen Petrus 
die zu dem in Fritzlar von ihm gegründeten Benediktinerkloster, als dessen ersten Abt er den 747 ver- 
storbenen und bald danach heilig gesprochenen Wigbert bestellte, gehörige Kirche. Angeblich prophezeite 
Bonifatius, daß diese Kirche niemals durch Feuer zerstört werden würde? Bei einem 774 erfolgten Einfall 
der heidnischen Sachsen wäre denn auch die Fritzlarer Kirche auf wunderbare Weise vor der Zerstörung 
behütet wordenß lm Jahre 1078 wurde indessen die Klosterkirche -- es wird aber schwerlich die von 
Bonifatius der Sage nach aus Holz der von ihm bei Geismar gefällten Donareiche erbaute gewesen sein 
4- gänzlich durch Feuer zerstört, als Rudolf von Schwaben Fritzlar eingenommen hatte. Erzbischof Wetzelo 
von Mainz erklärt dies in einer Urkunde von 1085 ausdrücklichß 
1 Wegen dieser Jahreszahl vgl. Falckenheiner, Bd. l, S. 93, Anm. 2. 
2 Hierüber sind nachzulesen Annales Laurissenses bei Pertz, Monum. Germ. l, p. 152. Falckenh. citiert (Bd. l, 
S. 53, Anm. 15) den alten Vers: haec mea Ecclesia semper manebit inusta. Nach Ausweis des Stiftsprotokolles wurde am 14. Au- 
gust 1779 dem Kapitel ein Projekt vorgelegt, nach dessen Vorschrift (u Ehren des heiligen Bonifacii eine metallene Tafel gegossen und 
ein gewisser Vers {ur Dankbarkeit, daß die hiesige Kirche von dem am 8. huius durch den Hagel angefallenen Feuer glücklich erreltet und 
bewahrt worden, eingeschnitten werden sollte. Dieses Monument ist auf Taf. 62 neben dem Hochaltar zu sehen; ausgeführt 
wurde es erst im Jahre 1784, jedoch nicht in Metall, sondern aus Stein. Vergl. S. 40, Anm. 3. 
3 Auch bei Pertz,Mon.gGerm. I, p. 153, zu finden. . 
4 Die Urkunde ist abgedruckt bei Würdtwein, Diöc. Mog. commentatio X, S. 378 als Nr. 250. Das Original be- 
findet SiCh im Königl. Staatsarchiv zu Marburg. Der Erzbischof erklärt: cum venissem in locum qui dicitur Frideslar monasterium 
a Saxonibus combustum reperi, claustrum penitus destructum inveni Iolum fere locum a nefandis predonibus incendio et cede confusum 
conspexi. 
99999999999999999999999999999 25 999'899QESEQQQQEEBEEQEQKEEEEQQE 
Bau- und Kunstdenkmäler im Reg-Bez. Cassel. 
II. Kr. Frifzlar.
	        

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