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Die Stadtbefestigung.
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Die Auewarte hieß. Der Turm hat einen Durchmesser von 4,18 m, die Tür liegt etwa 4 m
über dem Boden, der innerhalb des zum Teil noch erhaltenen Ringgrabens höher istl als das umliegende
Terrain. Vor der Fußschwelle der Tür sieht man zwei Konsolen, die eine kleine Plattform trugen.
Die Galberger Warte, in einer Feldlage, wo ein vorzüglicher Wein geerntet wurde", diente dem
Hüter der Weingärten zum Aufenthalt und war gleichzeitig ein wesentliches Glied in der westlichen Stadt-
befestigungß Der starke, niedrige Rundturm hat einen Eingang zu ebener Erde und zeigt im Obergeschoß
sechs Schlüssellochscharten. Der Holzbau darüber ist verschwunden. lm Jahre 1872 wurde der Turm zum
Pulvermagazineingerichtet, mit einem neuen Kegeldach versehen und sein erstes Stockwerk durch eine über-
deckte Außentreppe aus Holz zugänglich gemacht. Wichtig als Auslugt und als Festungswerk war die letzte
der sechs noch stehenden Warten, -
Der Eckerich, ein bis auf das jetzt mangelnde Dach noch gut erhaltener Wehrturm von 4,2 m
Durchmesser, um welchen ein kreisrunder Fliehhof durch einen 3m tiefen Graben, dessen innere Wand
gemauert ist, während die äußere nur abgeböscht war, geschaffen wurde. Die Brüstungsmauer um diesen Hof
ist nicht mehr vorhanden. Der Turm hat unterhalb der etwa 4 m über dem Boden gelegenen, zur Stadt
gewendeten Eingangstür, wie der oben beschriebene Stadtturm beim Minoritenkloster, ringsum einen starken
Anlauf, und dürfte daher mit diesem gleichzeitig angefangen worden sein. ln zwei oberen Geschossen sind
Schlitzscharten; wie die Dilichsche Stadtansicht erkennen läßt, trug er auf einem verschwundenen, etwas über-
stehenden obersten Holzstock ein Kegeldach mit einem kleinen Spitztürmchen, durch das die an sich schon
weite Rund- und Fernsicht möglichst vergrößert wurde, namentlich ederaufwärts ins Waldecker Land.
Vor alters war noch eine siebente Warte vorhanden, deren Spuren seit der im Jahre 1887 erfolgten
Zusammenlegung der Fritzlarer Gemarkung vollständig verschwunden sind; sie hieß die Holzheimer" Warte
und führte diesen Namen von einem ausgegangenen Orte Holzheim. Über sie liegt nur folgende Nachricht aus
dem Jahre 1842 vor5: „Südlich von Fritzlar, und zwar von dieser Stadt 1.14 Meile entfernt, erhebt sich in
der fruchtbaren Ederebene ein kleiner Hügel, auf welchem jetzt unter niederem Gestrüppe, Dornen und
Disteln die wenigen Reste eines kreisförmigen Turmes sich verbergen. Es sind dies Trümmer einer Warte."
Mit zu den Warten der Stadt kann auch noch eine Hurde, welche an der auf der Ederbrücke stehenden
sogenannten oberen Brückenkapelle (s. S. 106) als Auslug angebracht war und deren einstige Existenz uns
nur durch die Abbildungen der Stadt bei Bruyn und Hogenberg (Taf. 6) und bei Dilich (Taf. 7) bekannt ist,
gerechnet werden. Ein Brückenturm, wie ihn andere Städte aufweisen, war in Fritzlar nicht vorhanden, weil
die Brücke zu weit von der Stadt ablag und der Fluß oberhalb und unterhalb der Stadt auf Furten leicht
durchschritten werden kann. i
Hochplateau beginnt, welches im Jahre 1379 die Stadt Fritzlar nach längeren Streitigkeiten mit den benachbarten Adligen
erwarb. Unfern von der Warte soll auch der Galgen gestanden haben.
1 Das Edertal ist häufig Überschwemmungen ausgesetzt und es mag deshalb die Auihöhung stattgefunden haben.
2 Der Fritzlarer „Landwein", insbesondere aber der „Galberger", war ein sehr beliebter Tischwein, der fast im
ganzen eigentlichen Hessen getrunken wurde, und bis in die Zeiten Wilhelms (lV. 1567-1592) der gewöhnliche Trunk am
Landgräilichen Hofe war. (Falckenheiner, a. a. 0., S. 129.)
a ln der „Fabrica dominorum", der Stiitsrechnung, vom Jahr 1541 ist zu lesen: 1 ü 4 .3 vor 2 pfund pulver dem
Scheiben Ludwig v1?" dem Galperger thorn des weinberg zu baden. Über die strategische Bedeutung der Warte sagt Hertlein (a. a.
0., S. 96): sie macht mit ihrem massigen, allein noch erhaltenen Unterbau den Eindruck eines Turmes, der mit schwererem
Geschütz den Talweg beherrschen sollte.
4 Unter den Stadtbediensteten wird im Jahre 1453 auch der Hüter der Eckerichwarte genannt. (Falckenheiner,
Bd. ll, S. 105.) '
5 Sie findet sich bei Falckenheiner, a. a. 0., S. 134.
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