Full text: Kreis Fritzlar : Text (2)

aaaaaaaaaaelaaac-Ja Kirchenschatz. - Geschriebene und gedruckte Bücher. QEQEQQQQQQEEQQQQ 
Gegenüber von dem oben erwähnten Knopfloch befindet sich eingestickt der Großbuchstabe I: und 
unregelmäßig zwischen den Ranken verteilt findet man die Minuskeln i), a, g, 1:, h, die letzte auf dem rechten Flügel. 
Daß der Stickerin des Velums ein Geistlicher als Berater zur Seite gestanden habe, erscheint der 
mitgeteilten Beschreibung zufolge nicht zweifelhaft, 0b die Arbeit jedoch in Fritzlar ausgeführt wurde, bleibt 
ungewiß; etwas Ähnliches war vielleicht das im Verzeichnis von 1777 aufgeführte Communiontueh, wenn der 
Üerus in Coena Domini gespeiset wird, von feinen Linnen und zierlich ausgestickt. 
Es ist uns nicht bekannt geworden, ob sich unter den Hüllen der zahlreichen im Hochaltar, dem 
"neuen Reliquiarium" und sonst vorhandenen Reliquien Teile von wertvollen alten Geweben befinden; an- 
genommen darf es wohl werden. Nicht zu dem alten Bestand gehört ein kleines Stückchen von dem Mantel 
der hl. Elisabeth, welches Dechant _Kreisler von der Kirche zu Oberwalluf im Rheingau zu erwerben wußte 
und für das er ein neues Ostensorium hat anfertigen lassen. 
Geschriebene und gedruckte 
Bücher. 
Wenn auch nur ein kleiner Teil von dem einstigen Bestand der alten Stiftsbibliothek noch in Fritzlar 
vorhanden wäre, würde die Beschreibung davon wohl nicht mit wenigen Zeilen abgetan sein, wie es jetzt 
der Fall ist; es fehlt zwar an Nachrichten über die in Räumen über dem Kreuzgang aufbewahrt gewesenen 
Bücherschätze, wir dürfen aber doch voraussetzen, daß an Manuskripten und alten Drucken weit mehr 
und ganz andere Kostbarkeiten dagewesen sind als das, was sich noch in der Schatzkammer und darüber 
in der jetzt mit dem Namen Bibliothek belegten „neuen Kapitelstube" vorfindet. Ein Statut des Kapitels 
vom Jahre 1387 bestimmte, daß jährlich einige zuverlässige Personen aus dem Stiftspersonal zum Revidieren 
und lnventarisieren der Bibliothek gewählt werden sollten; einige Bücher, die allen zugänglich sein und doch 
ihren Platz nicht ändern sollten, lagen an Ketten} Ob ein älterer Bücherkatalog überhaupt existiert hat, 
wissen wir nicht; ein im 18. Jahrhundert in Auftrag gegebenes Verzeichnis wird wohl nicht zustande gekom- 
men sein. Wir lesen darüber im Stiftsprotokoll v. 7. lO. 1774: Scholaster v. Speckmann (eigt an, bekanntlich sei 
die Stiftsbibliothek gar schlecht unter dem Dache verwahrt und in großer Unordnung, dem lrVetter und der Fäulung 
ganz ausgesetzt, erbietet sich sie (u ordnen und ein Inventar darüber (u machen, die Bücher sollen (u dem Zweck in 
sein Haus gebracht werden, wo er ein besonderes Zimmer dafür einrichten wolle. Ist genehmigt. Weit wird dieser 
Katalog bei v. Speckmanns am 17. 12. 1776 erfolgten Tode nicht gediehen sein; in seinen Nachrichten 
von Fritzlar teilt er - und dies ist mit die einzige Nachricht, die wir über die Aufbewahrung der kostbaren 
Bibliothek besitzen - folgendes mit: 1742 - Ist das Obergebäude der Stiftsbibliothek ober dem Kreuggang ver- 
fallen und durch die Bunengefach sind (wey Wagen voll Bücher unbrauchbar hinweggeworfen worden. Nachher wurden 
1716 die übrig gebliebenen Bücher wieder repariert. Auf v. Speckmanns Veranlassung mögen die auf und 
in einzelne Bände der Bibliothek geklebten in Kupferstich hergestellten Ex libris zurückgehen, von denen 
sich noch eine ziemliche Anzahl unbenutzt in Fritzlar vorfindet. Einen empfindlicheren Verlust hatte die 
Stiftsbibliothek bereits vor dem im Jahr 1742 durch Fahrlässigkeit entstandenen, erlitten durch die Weggabe 
einer größeren Anzahl, wie man annehmen darf, besonders wertvoller alter Codices, über die z. Zt. nur 
folgende Notiz V. Speckmanns vorliegt: bey einer Kurfürstlichen Commission hat Churfürst Lothar" sehr schöne 
Manuscrzjzte in Pergament sich ausgebeten und von dem Stift empfangen, sind aber noch 200 übrig. Von diesen in 
Tafel 136 
1 Diese Nachrichten gibt Falckenheiner (I, S. 136); vom Vorhandensein alter Revisionsprotokolle ist nichts 
bekannt geworden. Über das Anketten der Bücher schreibt Loubier (Der Bucheinband in alter und neuer Zeit, S. 72): 
Sehr verbreitet war auch im späten Mittelalter die Sitte, die Bücher mit einer Kette an das Büchergestell oder Pult an- 
zuschließen. Die Kette wurde je nach der Aufstellung der Bücher am oberen oder seitlichen Rande der Deckel befestigt. 
Man nennt die mit einer Kette versehenen Bücher „libri catenati". 
' Hiermit ist Lothar Franz Freiherr von Schönborn gemeint, der seit 1695 Erzbischof und Kurfürst von Mainz 
war und im Jahr 1729 gestorben ist; die in seinen Besitz gelangten Codices sind vielleicht, wenn verständnisvoll in der 
(iräflich Schönbornschen Bibliothek zu Pommersfelden nachgeforscht wird, daselbst noch zu ermitteln. 
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