Full text: Kreis Gelnhausen : Text (1)

läzrlriar-liiiie besteht aus Lindenholz, und war im Aeusseren in Folge dessen so von Würmern zerfressen, dass 
es bei der Restauration der Kirche grösstentheils erneuert werden Inusste. Reste des alten Schnitzwerkes 
werden sehr ungeeignet in der Höhlnng des Altares in der Processionseapelle aufbewahrt und gehen hier sicher 
bald völlig zu (irunde. 
 Die Schnitzereien des Schreines. 
1. In dem hohen und breiten Mittelfeld des Schreines steht eine Madonna mit dem Kind. Ueber ihrem,_ 
mit langen Locken geschmückten: Haupt halten schwebende, in vergoldete Schuppenpanzer gehüllte Engel eine 
(jetzt fehlende) Krone, während ihr rechter "Fuss auf einer Mondsichel mit Gesicht und Zipfelmütze ruht. 
Der Mantel ist vergoldet. hat blauen Umschlag und ist mit einer ornamentirten, mit plastischen Edel- 
steinen gezierten Borte besetzt, wie bei allen geschnitzten Figuren des Sehreines. 
Zur Seite stehen zwei hölzerne Armreliquiare mit langen (leeren) glasgedeekten Reliquienzellen. Die 
Untertiiichen derselben zeigen noch die Spuren des Schnitzbankhalters. Der Hintergrund des Sehreins ist oben 
damastrirt, unten mit einem roth und weiss geschachten Teppich bemalt, der oben mit rothweisser ngeständerteru 
Borte, unten mit roth, blau, gold und grünen Franzen besetzt ist. 
2. In dem äussersten Felde links steht Petrus mit grossem Schlüsselpaar, ein aufgeschlagenes Buch 
tmit bedeutungsloser Inschrift) auf der Linken und grossem, radformigem, goldenem Heiligenschein, auf dessen 
liand in schönen rothen Minuskeln die Inschrift steht sancte petms ora pro nobis. Auch die anderen Figuren 
haben so ausgestattete Heiligenscheine und vergoldete Gewänder mit blauem Umschlag. 
3. In dem äussersten Felde rechts steht Paulus mit einem Schwert, dessen Griff besonders schön pro- 
tilirt ist. Die Inschrift des Heiligenscheines lautet: sanctvts paulus ora pro nobis. 
4. Links von der Madonna steht Johannes der Täufer mit einem rothen Buch, auf dem ein kleines 
Lamm liegt. Unter den goldenen Mantel trägt er ein nhiirenes Kleid" in Gestalt eines Widderfelles, dessen 
Kopf noch sichtbar ist. I)ie Umschrift lautet hier: sancms johanrees baptista ora pro nobis. 
5. Rechts von der Madonna steht der Apostel Johannes, bartlos und mit dem üblichen Schlangenbecher. 
l)er Heiligenschein trägt die Inschrift: szmctzts johannes evangelista ora pro nobis. Die Figuren des Schreines 
stehen auf polygonen, reich protilirten Sockeln, deren Höhe nach beiden Seiten abnimmt. Der Mitteltlulrm 
des Aufsatzes enthält die freistehende, anatomisch wohl gebaute Figur eines eece homo. Diese in der Gesammt- 
erscheinung reich und feierlich wirkenden grossen Figuren zeichnen sich durch gute und mannigfaltige Gewand- 
motivc, leidliche Körperproportionen und sogar wohlgebildete Hände aus, die Köpfe dagegen sind durchaus 
leblos, das Haar ist manirirt und roh gekriiuselt. Madonna und Johannes haben fast identische Züge und bei 
allen Figuren stört die überaus hässliche lange Oberlippe und der verzwickte kleine Mund. 
Die Flügel. 
Entsprechend der Ausfüllung des Schreines mit grossen Statuen, ist auch die Malerei der gefalteten 
Flügel in grossem Massstab gehalten, und besteht aus Einzeltiguren unter gemalten reichen Laubwerkbaldachinen 
und auf Goldgrund. o 
Auf der Aussenseite enthält das erste Feld links einen Bischof in purpurrothem Mantel, den Krumm- 
stab in der Rechten, ein Kirchenmotlell von ausgesprochen romanischen Formen auf der linken Hand tragend, 
zur Seite ein Beil. Der Mantel ist mit steinbesetzter Goldborte umsäumt und das Untergewand besteht aus 
(iolilbrokat. Den Attributen nach kann die Figur den heiligen Wolfgang darstellen, 
In den beiden Mittelfeldern ist die Verkündigung dargestellt. Maria kniet an einem Betpult, über ihr 
eine nimbirte Taube (heiliger Greist), aus einem Fenster im Hintergrund schaut Gott Vater. Die Madonna trägt 
einen blaugrünen Mantel ohne Borte, einfachen goldenen Stirnreif und grünen Heiligenschein. Der Engel im 
dritten Feld hat Flügel mit Pfauenfedern und trägt einen zinnoberrothen Mantel mit breiter Goldborte und be- 
sonders schöner Mantelschliesse. Das Unterkleid ist weiss, der Nimbus roth. In der Hand trägt er ein wild 
Hatterndes, geschlitztes Spruchband mit dem englischen Gruss. Der Fussboden des getäfelten Zimmers ist mit 
schwarz-weissen Fliessen belegt, auf denen ein blauweisser (Delfter) Krug mit rothen Streifen und der Umschrift 
ihqfus adorand und grossem schönem Lilienstengel steht. Im vierten Feld rechts steht der heilige Georg als 
Jüngling mit goldener Rüstung, eine Kreuzlanze mit rothweissem Wimpel in der Hand auf eine grosse Tartsche 
mit einem Gorgonenhaupt gestützt. 
An den unteren Schenkeln der Rahmen läuft eine Inschrift her, die unten vollständig wiederge- 
geben ist.
	        

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