Full text: Kreis Gelnhausen : Text (1)

nommenen Disposition entsprechen, mit den zugehörigen Gewölben hierher. Die Gewölbe bedingten, wenn sie 
in eine massive Abdeckung hineinragten (cf. Taf. 51), nicht nothwendig eine lürhöhung der alten Aussenwände. 
 Eine Wölbung der Kreuztlügel scheint in den Eckdiensteu vorbereitet, welche wie die" Aceaden- 
säulchen noch Basen mit Eckblättern besitzen. Die runden Säulen stehen frei in den Ecken, sind jedoch in 
jeder fünften (Quaderlage von geringerer Sehichthöhe: (aingebuntlen, also mit den Mauern gleichzeitig. Die 
Vierung scheint bereits auf einen Thurni berechnet, da die im (irunilriss kreuztörmigen Pfeiler derselben keine 
(llieder zum Tragen von Gewölbegurten aufweisen.  
Das Chorquadrat scheint ebenfalls "in dieser Periode angelegt, wie der Sockel im Aeusseren beweist, 
welcher bis zu dem ersten Chorstrebepfeiler der Nordseite das ältere, dieser Periode angehörige, auch am 
Querhaus verwendete Profil (Tab. 51, 3) zeigt. Auch der runde Kern, um welchen sich die drei vorderen Dienste 
des östlichsten Jochpfeilers legen, könnte der schlichten Anlage dieser Periode zugehören. 
Vierte 
Periode. 
Aus den bei der läaugteschichte der Peterskirche entwickelten Gründen trat um das Jahr 1220 ein 
Wechsel in dein  und in der Bauleitung ein. Es wurde Heinrich Vingerhut, ein hervor- 
ragender wahrscheinlitelr rheinischer Meister berufen, welcher den Bau bis zum Jahre 1232 etwa, mit einer so reichen 
phantasievollen Gruppirung; und Gliederung der Massen vollendete, dass er als ein Hauptwerk des deutschen 
Uebergzrngsstyles einen Weltruf gcivann. Die herrlichen Steinmetzarbeiten, welche sein Meissel schuf, die in 
unerschöpflicher Fülle auch die höchst gelegenen und verstecktesten Bautheile schmücken, werden für alle 
Zeiten mustergiltige Vorbilder für ähnliche Schöpfungen bleiben. Vingerhut setzte an den älteren Bau einen 
neuen polygontzn Chor, und brachte das vorhandene Choi'tjuatli'at durch eine vorgesetzte Blendenarchitektur mit 
der überaus reichen (iiliederung des Chorimiern in Harmonie. Im äusseren erhielt der Chor eine Zwerggallerie 
mit Giebeln über den Polygonseiten, welche auch für das Ghorquatlrat beabsichtigt und begonnen waren (cf. 
Tab. 46) als nran die lürrichtllng von stehlanken Thürnren über den Nebenapsideir beschloss. Unter Vingerhut 
wurden jedoch nur die beiden untersten Geschosse desselben fertig. Eine kleine Differenz in dem Steinmaterial, 
dann aber der Wechsel in dem Protil der Gesinrse, welche die Geschosse trennen, die kürzeren Schenkel der 
Bogenfriese und die nüchterne Bebantllung- der Fenster des Obergeschosses beweisen dies. Von letzteren 
Fenstern haben die des Südthurmes iroch kahle runde KBlGlICRPliälC an den Säulchen der Gewände, die des 
Nordthurmes dagegen besitzen blos einen ltundstab mit Sockel. Ueber der Vierung errichtete Vingerhut 
einen kühnen achtseitigen Thurm von eleganten Verhältnissen und ElIIZGlfOPIIIGII, welcher ein achtseitiges 
Kuppelgewölbta mnschliesst, (lesseir Ueberleitung; ins Viereck besonders orig-inell und schmuckreicli gestaltet 
wurde. Den schlichten älteren Aussenwränden des Querschiffes gab er reiche (äliebelblemlen, und setzte ihnen 
die beiden Prachtptirtale vor, an deren niirdliclieni er seinen. Namen verewigte  Dass die Portale des Quer- 
schiffs n a chtr äglich angefügt sind, ergiebt sich aus dem reicheren Sockel, sowie (laraus, dass sie in die 
vorhandenen älteren Rosenfeirster einschneiden, ganz abgesehen vom Charakter der Ornanrente und der figür- 
lichen Darstellungen. Auch das nördliche Seitenschitif erhielt ein ähnliches, nur kleineres und einfaches, aber 
(ebenfalls von einem Giebel mit aufsteigendenl Bogenfries bekröntes Portal. Letzteres ist, wie Taf. 66 deutlich 
erkennen lässt, dem bereits vorhaiuleneii Spitzbogenfries unorganisch eingefügt und trägt an seiner rechten 
Seite die Spuren einer abgespitzten Gonsole, welche der auf der linken noch den Rest des Bogenfrieses 
stützenden gleich war. Der Giebelaufbzul wurde 1446 beseitigt, um eine egale Fenterreihe herzustellen. 
Da jedoch die Capitäle der Gewändesäitilen nachträglitvlr eingesetzt erscheinen und die Basen derselben 
noch Eckblätter aufweisen, wäre es denkbar, dass in diesem Nebenportal ein (Querschiffportal der vorigen 
Periode zu sehen wäre, und Yingcrliut das bereits vorgefundene Motiv des (lriebelaufsatzes an den neuen 
Hauptportalen nur in der glänzenden wirkungsvollen Weise ausgebildet hätte.  
Durch diese Conjectur wären die aus dem rundbogigen Schluss, wie aus einer geringen Verschieden- 
heit "in der Behandlung der Figuren sich ergebenden Schwierigkeiten ebenfalls beseitigt. Die Capitäle dürften 
jedenfalls den Arbeiten Vingerhuts zuzuzähleir sein. 
Mit diesen Umbauten war die Kirche in ihren wesentlichen Theilen vollendet. Etwa um die Mitte 
des 13. Jahrhunderts sind dann die Chorthürme zu ihrer gegenwärtigen Höhe g-ebracht worden. Ob diese 
'l'hürme nun ursprünglich stwlch schlanke Holzhelme mit Schieferdächern besassen oder erheblich niedrigere, 
p. 34 ist ilfthüxullich ein H am Schluss des Namens stehen geblieben.
	        

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