Full text: Kreis Gelnhausen : Text (1)

Um allzu lästige Wiederholungen zu vermeiden wurde die Beschreibung des ganzen Baues der bau- 
geschichtlichen Untersuchung vorangeschickt, da diese auf Wahrnehmungen an den verschiedensten Stellen be- 
gründet werden muss. In der Baubeschreibung erhält jeder Haupttheil des Baues einen besonderen Abschnitt, 
ist also leicht aufzufinden.  
Die geometrischen Darstellungen auf den Tafeln 45-50 sind Reproduktionen der in V50 natürlicher 
Grösse von Professor H. v. Schmidt in München bei der Herstellung des Baues im Jahre 1877 aufgenommenen 
Zeichnungen, von denen nur der Grundriss dem Zwecke des Inventars entsprechend von mir umgezeichnet 
werden musste. Die Tafeln haben den Massstal) von 1 zu 150.   
Die photographischen Ansichten konnten leider nicht alle charakteristischen und höchst malerischen 
Architekturbilder wiedergeben, welche der reich gruppirte Bau auch in den engen Strassen bietet, da eine 
unverständige Bepflanzung der nächsten Umgebung mit grossen Bäumen, wie so oft gerade die wirksamsten 
durch Verdeckung von Haupttheilen verdirbt. Den schlimmsten Fehler in dieser Beziehung hat man jedoch 
beim Bau der landwirthschaftlichen Schule begangen. Wäre diese auf dem disponibleil Terrain thunlichst 
zurückgelegt worden, so hätte man für die Betrachtung und Aufnahme der Nordseite einen ganz vorzüglichen 
Standpunkt gewinnen können. 
Das Aeussere.  
Der Westthurm.  
Der massive Westthurm von annähernd quadratischer (lrundtlächc, steigt in sechs nach oben an Höhe 
wechselnden Geschossen auf, welche durch Gesimse von verschiedenem Profil getrennt werden. Das unterste 
Geschoss ist das höchste, und wird nach Westen, Norden und Süden von unprotilirten, nur an der Laibung 
mit Kämpfergesimsen versehenen rundbogigen Thüren, ohne Falz oder irgend andere Spuren eines Verschlusses 
durchbrochen. Die.westliche Bogenöffnung, erheblich grösser als die seitlichen, ist mit einem eingesetzten Holz- 
rahmen zum Verschluss nachträglich eingerichtet. 
Wie die Mauerstärken der einzelnen Geschosse abnehmen, dass die Mauern eine leise Böschung 
zeigen 1) etc., ist aus Tafel 49 ersichtlich. Das letzte Geschoss trägt mit massiven (Hebeln ein stumpfes 
Rhombendach, dem schon frühe ein Dachreiter aufgesetzt ist, in welchem die kleinste und älteste Glocke der 
Kirche als Uhrglocke hängt. 
Die Fenster des Thurmes sind unten kleine und rechtwinklig eingeschnittene in dem vierten Geschoss abge- 
fasste Rundbögen 2), und in den beiden Obergeschossen und den (liebeln gekuppelte Rundbögen in Blenden mit ver- 
schieden gebildeten Mittelsäulchen. Die Details dieser Fenster und die Geschossprofile (vgl. die Tab. 46, 49 und be- 
sonders 51, sowie die photographischen Ansichten Tab. 52 u. 55) lassen erkennen, dass das oberste Geschoss einer  
wenig späteren  Erhöhung angehören muss, wobei zum Vergleich die am wenigsten restaurirten östlichen Arkaden 
zu benutzen sind. Auch das vorletzte Geschoss hatte früher nach Osten ein Doppelfenster, welches jetzt ver- 
mauert innerhalb des Dachraumes des Schiffes liegt, während seitlich eine Zugangsthüre gebrochen ist (cf. 
Taf. 49). Alle Gesimse des Thurmes laufen auf der Nord-, West- und Südseite durch, liegen also zum Theil 
jetzt innerhalb der Seitenschiüe resp. deren Dächer. Das dritte von unten läuft aber sogar auf der Ostseite 
her, und ist, ohne Spur einer nachträglichen Ileseitigung, hinter der Orgel in der Mitte auf eine kurze Strecke 
unterbrochen, während das folgende unter dem Dachraum und unterhalb des vermauerten Fensters vollständig 
erhalten ist. Bemerkenswerth ist das über dem Westeingang gelegene Fenster mit einem Vierpass und un- 
fbehülflichem 3) agnus dei in Relief, welches im Styl auffallend den Bogenfeldern der Burg (Tab. 38 u. 39) ver- 
wandt erscheint. Das Erdgeschoss ist mit einem Tonnengeivölbe bedeckt, in dessen Scheitel erst 1877 eine 
Oeffnung zum Aufziehen von Glocken etc. angebracht wurde. 
Mittel- und Seitenschiffe.  
An diesen Thurm stösst ohne Verband die Westwand der Kirche, welche unten von einem einfachen 
Portal durchbrochen wird. Wie Tab. 59 und 59a zeigen, sind die Formen desselben, von der unbehiilflichen 
Ausführung abgesehen, erheblich ältere als an irgend einem anderen der Gelnhäuser Bauten. Die oberen Theilc 
allein sind ganz im alten Zustand erhalten, Säulenstämme und Basen aber fast vollkommen erneuert. (Jrewölbe 
und Portal sind nicht concentrisch. Die Westwand setzte sich vor der Restauration im Jahre 1877, wie 
1) Vergl. auch den Thurm von Niedermittlau. 
2) Nach Süd und Nord 1781103116112, aber im Innern erhalten. 
3) eine Hostie haltendem
	        

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