Full text: Kreis Gelnhausen : Text (1)

die Gewölbe hohl profilirte Rippen, welche aus den Winkeln der Gurtbögen herauswaehsen und Ringschluss- 
Steine. Die interessante Form der Säuleneapitäle giebt Tal). 44 nach einer Messbildaufnahme gepaust.  
Der Palas. 
Der Palas lehnt sich, durch das beschriebene Treppenhaus mit dem Eingangsbau verbunden, an die 
Nordmauer der Burg. Seine Abmessungen sind gegenüber denen verwandter Pfalzen gering, da die Burg 
Gelnhausen wohl hauptsächlich für den kurzen Aufenthalt bei Jagden in dem ausgedehnten Büdingerwald be- 
stimmt war. Von dem Palas steht nur die Nord- und Südwand bis zur Höhe des ersten Stockes in voller 
ursprünglicher Ausdehnung, da das Sockelprofil sich um die Ostecke kröpft. Die schmalen Stirnwände fehlen, 
seit sie im Interesse der im Innern angelegten Gärten durch die v. Gremp beseitigt sind, welche auch zur 
Verbindung mit ihrem Hof eine Thüre (Taf. 18,9) in die Ringmauer brachen.  
Von der inneren Eintheilung sind nur in den Verzahnungen an beiden Wänden Spuren erhalten, da 
diese aber sich nicht entsprechen auch bei dem Umsetzen und Geraderichten der Südwand der Tradition nach 
hier willkürlich ergänzt war, hielt ich es für nöthig, durch Ausgrabungen der Sache auf den Grund zu gehen. 
Taf. 18 zeigt das Resultat derselben in Umrisslinien. Die gefundenen Fundamente sind zunächst natürlich 
nur für das Kellergeschoss massgebend. In Verbindung mit den erwähnten Verzahnungen und der Fenster- 
eintheilung geben sie aber auch den Grundriss des ersten Stockes. Danach bildete der östliche Theil des 
Palas einen durch das prachtvolle Portal direkt zugänglichen Saal, mit dem schönen grossen Kamin und Fenster- 
arkaden ohne alle Spur eines Verschlusses, in dem vier Säulen (von Holz?) die Decke trugen. Die modernem 
Empfinden wohl naheliegende Idee eines windfangartigen Vorraums auf den massiven Wänden des unteren 
Fundamentes, darf man wohl als nstylwidrig" bezeichnen. Aus diesem Saal, den offenen Arkaden entsprechend 
ohne Thüre wohl, führte nach West ein breiter Corridor vor zwei kleineren Räumen her, deren einer ein 
breites, durch die Sitze in der Wanddicke bemerkenswerthes Doppelfenster nach Norden besass, und wohl als 
Hauptwohnrautn gelten kann. Der Raum daneben hatte ein einfaches Fenster, und eine Thüre, muss aus dem- 
selben in den Taf. 19 mit 8 bezeichneten Raum geführt haben. Verzahnungen an der Aussenseite der Ring- 
mauer beweisen nämlich, dass hier ein Anbau gestanden hat, und angestellte Nachgrabungen ergaben, die in 
3 Taf. 18 dargestellten Fundamente. Da der Graben um die Kernburg dicht an der Mauer her führte und 
diese sehr ausgewichen ist, glaube ich in diesem Anbau den in der Beschwerdeschrift der Burgmannen an 
den Kaiser im Jahre 1431 (cf. pag. 16) erwähnten Thurm sehen zu sollen, der sich gesenkt hatte, und dessen 
Fall befürchtet wurde. Seine Bestimmung war wohl "eine den Danskern des deutschen Ordensgebietes ent- 
sprechende, da an keiner Stelle der Nordfront eine Abortsanlage sich findet. 
Wie der Plan (Tab. 18) ergiebt, stand die westliche Quermauer senkrecht zur Palasfront, sodass an 
dieser Stelle absolut kein Raum für einen zweiten Bergfrit bleibt, wie ein solcher auf Grund ganz 
falscher Grundrisse bisher durchgängig angenommen ist. Nachgrabungen ergaben auch keinerlei Spuren von 
Fundamenten eines solchen. Es bestand also hier ein kleiner Hof, in den das Fenster der Capelle und wohl 
auch solche des Palas mündeten. 
Der Plan der ausgegrabenen Fundamente zeigt östlich einen grossen quadratischen Vorsprung (Taf. 18,8). Er 
könnte das Fundament eines im unteren oder oberen Geschoss auskragenden Capellen-  Erkers sein, wenn 
man die hier östlich anstossenden Fundamente als spätere ansehen will, wozu die Verkröpfung "des Sockels 
an der Ecke des Palas berechtigt. 
Das zweite Stockwerk ist nach der vorhandenen Eingangsthür aus dem Treppenhaus, und nach der 
vertikalen Umrahmung der Fenstergruppen beider Geschosse mit einem eingeblendeten Rundstab zu schliessen, 
ebenso eingethcilt gewesen, wie das untere, und hatte am Ostende wohl einen ebenso grossen 
Saal mit einem Kamin, dessen reiche Säulen in der Thorhalle (Taf. 38), dessen Auskragungen inAltenhasslau 
als Treppemvangen am Herrenhaus sich erhalten haben. 
Wenn man demnach eine Reconstruction des oberen Stockes versuchen wollte, würden hier eben solche 
offene Arkaden wie unten, und der "Phiire entsprechend ein grösseres Doppelfenster anzunehmen sein. Die 
Höhe der Arcatlen wird durch den an Ort und Stelle erhaltenen Rest an dem Treppenthurm bestimmt. 
Die ve1'scl1liessha1'en Fenster der vier kleineren Räume (je zwei in jedem Stocke) hätten dann nach 
Norden gelegen, und die (lralerien wären ein solariztm im eigentlichsten Sinne gewesen. 
Dass auch das Erdgeschoss des Palas eine Balkendecke gehabt hat, ergiebt sich aus dem Querschnitt 
Tafel 20. Die Balkenlage ruhte im Süden auf einer von einem Mauervorsprung getragenen Mauerlatte, dann
	        

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