Full text: Kreis Gelnhausen : Text (1)

Die über der Eingangshalle belegene „Capelle" hat wesentlich nur nach Westen und Osten Fenster be- 
sessen, von denen die erstem in tiefen breiten Blenden liegen (cf. die Abbildungen). Im Norden ist das 
erste Feld westlich, welches den Ausgang zum Wehrgang enthielt, fast bis zum (kund zerstört, das zweite 
zeigt noch die Sohlbank eines kleinen Fensters an Ort und Stelle, das dritte stösst an das Treppenhaus. 
Die Ostseite ist wohl schon im 15. Jahrhundert unter Kaiser Sigismund erneut gewesen, und diese 
Erneuerung 1855 beseitigt 1). Von der ursprünglichen Wand bestehen aber noch die Ecklisenen fast bis zur 
l)achhöhe, mit Ansätzen zu Bogenblenden (beiderseits), deren Radius sich genau auf 63 cm bestimmen 
lässt, und in der Mitte ist die Basis einer Mittellisene erhalten. 
Aus diesen Elementen lässt sich mit ziemlicher Sicherheit die ursprüngliche Gestalt der Ostfaeade reeon- 
struiren. Denn bei dem angegebenen Mass füllen gerade vier Blendbögen mit ihren Zwischenpfeilern und der 
Mittellisene den Raum aus. Die Tiefe der Blenden zeigt die Quaderbekleidung beiderseits untrüglich. Bei 
der geringen über diesen Blenden bis zum Scheitel der Blendbögen im Innern verbleibenden Höhe, und der 
üblichen beiderseitigen Abschrägung von 45 Grad, erscheinen nur Kreisfenster und zwar in Kreisblenden (ent- 
sprechend der Anordnung der Westseite) geeignet, grösstmögliehe Lichtöünungen bei lebendiger Gliederung der 
Aussenseiten zu erreichen. Wie die unteren Blenden werden auch die Kreisblenden mit einem Rundstab ge- 
schmückt gewesen sein. Wahrscheinlich haben auch in den unteren vier Blenden kleine Rundbogenfenster 
(oder .Kreisöti'nungen!), ähnlich wie bei manchen romanischen Choranlagen (z. B. Hersfeld), schon in Gesichts- 
höhe den Raum erhellt. 
Die beiden grossen rechteckigen von Lisenen eingefassten Wandfelder umzog einfach der eingeblendete 
Rundstab, analog den Feldern des Eingangsthores darunter. Erst über diesen mag ein Rundbogenfries den Dach- 
sims getragen haben, für dessen Profilirung das Fragment eines schönen 1896 ausgegrabenen Zackenfrieses 
gegeben ist. Die Wirkung einer Reconstruction nach diesen Annahmen, mit ihrer bei aller Einfachheit höchst 
kräftigen und wohlthuenden Gliederung, zeigt die Skizze Taf. 44. 
Im Innern der Capelle ist leider die reiche Wandhlendengliederung zum Theil zerstört, es fehlen vor 
allem die Ansätze der Gurtbögen für die Gewölbe. Die Existenz der letzteren lässt sich (nachdem sie schon 
im 15. Jahrhundert abgetragen) heute nur durch ein ganz kleines Fragment des Ausläufers des rippenlosen  
Kreuzgewölbes in den Ostecken beweisen. Ob die von Hundeshagen dem (lapellengewölbe zugewiesenen Frag- 
mente (Taf. 28) Basis, Oapitäl und Schlussstück der Rippen, ihm wirklich angehören, ist unerweislich, da das 
Capitäl aus einem Weinberg der von Gremp hierhergebracht, keines aber in oder unmittelbar neben der (Japelle 
gefunden ist. (Inventar der Baufragmente. Bauinspection Gelnhausen.) 
Keinesfalls können die Gewölbe eine den Wandgliederungen direkt entsprechende Bildung gehabt 
haben, da hieraus Pfeiler resultiren, welche allein schon die schwachen doch offenbar ursprünglichen Würfel- 
kapitälsäulen des Untergeschosses zerdrücken müssten.  
Die einzige denkbare Lösung m. E. ist die, die gesammte vorhandene Wandgliedcrung bis auf die 
vordere Halbsäule einer Blendenbildung zuzuweisen, und auf dem Capitäle dieser Halbsänlen rechteckige 
Gurtbögen ruhen zu lassen, welche dann zu den erwähnten Säulenfragmcnten passen würden. Der Stannn 
dieser Säule ist dementsprechend aus vier Halbsäulen zusammengesetzt. Die ltippen, nach dem (ibigcvn Frag- 
ment gebildet, müssten zwischen den Gurtbögen auslaufen. Taf. 18 oben ist eine lteisonstrnietitm der Gewölbe 
versucht, welche aber um consequent zu sein, eine Ergänzung der nirgends vollständig erhaltenen Eckglicde- 
rung verlangt hat. 
Das Quaderwerk der lflächen und Glieder ist leider mit dem Füllwerk der Mauern nicht tief genug- 
verbunden gewesen, sodass durch die stattgehabte Senkung und Witterungseinflüsse sich die äusseren Theile 
ablösten. Es kommen an den Wänden, welche mit fein scharrirten Quadern bekleidet sind, Steimnetzzeiiehcn 
vor, die auch an den Buckelquadern der Aussenmauer und des Palas sich finden. (cf. unten p. 28.) 
Die Gewölbe der Eingangshalle sind in der nördlichen Hälfte, welche seit dem 15. Jahrh.  (lurcb 
eine Mauer abgeschieden war, wohl die alten rippenlosen. Auch die Oeffnung der nördlichen Hälfte nach dein 
Hof zu war vermauert, und so ein Kellergewölbe hergestellt, zu welchem die von Gremp einen Eingang durch 
das Treppenhaus brechen liessen. An der Absehlussmauer nach Osten war der angebliche nßarbzrrossakopf" 
eingemauert, welcher jetzt hoch über dem Portal des Palas angebracht ist. In der südlichen Hälfte haben 
1) Taf. 120 zeigt den damals auf der Ostseite angelegten Eingang vom Innem gesehen, zu welchem eine hölzerne bei Ruhl 
Taf. XIX lmd Hundeshagen (Palast) Taf. I dargestellte Treppe führte. 4
	        

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