Full text: Kreis Gelnhausen : Text (1)

Baubeschreibung. 
Gesammtanlage. 
Kcrnburg, Vorburg, Wassergraben und Brücken. 
Die Burg (iclnhausen ist eine W asserb u r g, der Entstchungszeit und der Anlage nach den benach- 
barten Wasserburgen zu Büdingen, Wächterslaacli und Burgjossa verwandt. Sie bestand aus einem Kemwerk, 
dessen in vollem Umfang erhaltene thurmlose starke Ringmauer von annähernd trapezförmiger Grundgestalt 
(licht von einem Wassergraben umgehen, und nur mit einem Haupteingang versehen war. Vor letzterem lag 
eine geräumige Vorlnu'g. die von der grossen Kinziginsel, deren Spitze das Kernwerk bildet, durch einen 
Graben und Zaunwall abgetrennt war. 
Die Ke r nb u rg, schon seit dem Ausgang des 14. Jahrhunderts nicht als Absteigequartier der Kaiser 
dienend, und in ihren Hauptbauten bereits im Verfall begriffen, hat sich dennoch in so erheblichen Resten er- 
halten, dass sie von allen Burgen der (leutschen Kaiser im 12. Jahrhundert die vollständigste und dabei die 
architektonisch am reichsten durchgebildete ist. 
Die Vorb u rg dagegen, welche die Sitze des Forstmeisters und einiger angesehener Burgmänner um- 
fasste, wurde bis zur Auflösung" der Bu1'gverfassung fortdauernd bewohnt und den Zeitbedürfnissen entsprechend 
umgestaltet. Insbesondere brachte das 15. Jahrhundert nach dem Vorgang der Stadt, welche ihre Ringmauern 
erneuerte, eine neue Bingmzmer mit Thoren, sodass wohl die Grundzüge der ursprünglichen Anlage erhalten 
sind. aber kein Theil ihrer nrspriingliclien Constructitm. Sogar das im 15. Jahrhundert entstandene, ist in den 
beiden letzten zum Theil wieder so gründlich zerstört worden, dass weder erkennbare Reste noch die Tradition 
(lavon Kunde geben, es vielmehr eingehender archivalischer Studien bedurft hat, um ein vollständiges Bild des 
früheren Zustandes und seiner Ünnvandlung zu gewinnen. 
Zum Naclnveis der oben erwähnten Wassergraben in der Burg selbst dient als Quelle ein Plan des 
östlichen (ieläntles vor der Stadt (ielnhziusen in Vogelperspektive und mit Deckfarbe gemalt vom Jahre 1555 (Tab. 17), 
auf welchem der an der Nordseite der Kernburg über den ehemals Grempschen Hof führende Graben zu sehen 
ist, und für den vor dem 'l'hor herlaufenden giebt eine Handzeichnung in der Bezeichnung „Graben" den 
Nachweis, (Tab. 44) beide im Staatsarchiv zu Marburg. In einem Aktenstücke des Archivs Büdingen, Stadt 
und Land, Nr. 688, Bericht der Brücken halber zu Gelnhausen von 1709, wird unter 3. auch die 
„kleinc lärücketi über diesen (traben genannt. ])ie betreffende Stelle lautet vollständig: 
1. Die Brücke Ha_vnbuc.her Brück genannt, haben die Burgmannen auf eigene Kosten zu unterhalten. 
2. l)ie lärücke am lla_vnerthor machen die Juncker auf eigne Kosten und giebt die Herrschaft das 
notlnvciidige Holtz darzu.  
3. Die kleine Brücke im Schloss desgl. 
4. Die Obenhäuser Brücke nacher Himelaw zu ist das Wolferborner Gericht uf Ihre Kosten zu 
machen schuldig. 
5. Die Brücken igegen die Stadt pflegen das Gründauer Gericht zu machen. 
6. Die Mittelbrücke vnter dem gemeinen Haus machen die Selbolder und die Hailer. 
Von dem Thor des Kernwerkes führte eine kurze Brücke über den inneren Graben, und auf eine 
parallel der Thorfront über die Kinziginsel laufende Strasse. Sie war nach Süden  nach Altenhasslau zu  
mit einem Porthaus, dem Hainthor, geschlossen, dessen steinerner Unterstock noch besteht (Stadtplan Nr. XXV. 
Ansicht Tab. 42), vor dem eine hölzerne Brücke, die Hainbrücke, den Kinzigarm (den ursprünglichen Fluss- 
lauf) überschritt. Weiterhin führte der Weg an dem Zendelgarten (den v. Forstmeister gehörig) vorbei, mittelst 
der Hainbachbrücke über den Haingraben nach Altenhasslau. Auf der anderen Seite nach der Stadt zu wurde 
die Querstrasse durch das Tränkethorl) (Stadtplan XXIII) abgeschlossen, welches, wie wir oben (p. 16) 
sahen, ebenfalls ein Porthaus von ähnlicher Oonstruction wie das Hainthor gewesen sein muss, aber spurlos 
verschwunden ist. Von da. führte eine lange hölzerne Brücke bis vor das Burgthor der Stadt, zu deren Be- 
streichung offenbar der Hexenthurm angelegt ist. Dies Thor muss unmittelbar am Mühlgraben gestanden und 
den Zugang zum Burgterrain gesperrt haben, sodass, um einen sicheren Zugang zum Wasser für das Tränken 
1) cf. Staatsarch-Akten. 
Streit zwischen Burg und Stadt Gölnhausen betr. 1716, Juli 23.
	        

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