Full text: Kreis Gelnhausen : Text (1)

Die Anlage der. Stadt und deren Befestigung. 
doppelt so hohe halbeylindrische Mauer der bestehenden vorgelegt. lhr Wehrgatng wurde durch eine Treppe, 
von dem unteren erstiegen, die mit einer Fallthüre abgeschlossen werden konnte, deren Falz noch besteht. Die 
Schiessscharten des Wehrganges stehen nicht radial, sondern zur Bestreichung geeignet. l)er so gebildete 
Innenraum war mit einem Gewölbe in der Höhe des Mauergangs geschlossen und nur mit Leitern von da zu- 
gänglich. Er besass zur Bestreichung der Mauernjederseits eine Kammer mit Schiesslöchern von elliptischer 
Oeffnung (cf. Tab. 14,9) in denen die beiden im Vemeichniss von 1569 aufgetiihrten Doppelhaken standen. 
In der Mitte befindet sich eine gewölbte und unter das Vorterrain herabreichcntle Pulverkammer  Das 
Ganze ist wohl durch ein Dach geschützt und nach der Stadtseite mit einer Fachwerkwand geschlossen ge- 
wesen. In der Brüstung nach der Stadt zu sind aber auch Wasserspeier angebracht, da mit dem Abtragen 
oder dem Verlust des brennbaren Daches gerechnet werden musste. Jetzt ist die westliche Geschiitzkammrsr 
zu einer Thiire durchbrochen, das Hauptgewölbe zerstört, und im Innern eine 'l'1'cppe zum Aufgang auf den 
Mauerwehrgang angelegt. 
Die Darstellung des Bauwerkes bei v. (Iohausen, Betestigungswesen der Vorzcit, p. 325, Fig. 375, 
ist danach zu berichtigen. Das Bauwerk macht jetzt, nachdem beiderseits die Mauer unter Verlust ihres Wehr- 
ganges erheblich erniedrigt worden, von der Stadt gesehen einen bedeutenden und seltsamen Eindruck. 
Thors 
Von denselben 1st 
1. das Schiffthor wohl das älteste und tbrtitiizzitorisch wie baulich das interessanteste. Es allein 
hat zwei gewölbte Geschosse, während alle anderen nur Balkendccken besitzen, und ist allein allseitig massiv ge- 
schlossen, während die anderen an der Stadtseite eine Fachwcrkwauul zeigen, die jetzt in geschmacklose1' Weise 
zumeist mit etheerten Brettern benaeelt ist. Seine durch llohlkohle irotilirtcn S  konnten 
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beiderseits mit Thoren zugeschlossen werden. Es entbehrte des Fallgatters, da es nicht in einem Vcrkehrsiveg 
lag und in Kriegszeiten geschlossen gehalten wurde  Auffällig ist, dass nur auf der Westseite ein Zugang- 
zu dem Wehr an der Mauer bestand dass auf der anderen ilerselbe also von unten mittelst einer Freitre D m 
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ermö licht sein muss. Auffällig sind die fensterartieivn SchicssötTnunwen, welche allen 'l'horthiirmen (Ielnhziuscns 
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mit dem Schiifthor gemein sind. Dieselben erweitern sich im Innern (cf. Durchschnitt) zu wohl trmist1'1ii1't1vii 
Nischen, welche keine Spur des späteren Einbrechens tragen. Bei der relativ hohen Lage der Fenster iiber 
den betr. Fussböden müssen die Donelhaken und Böller tiir welche sie laut (iescliiitzverzeiehniss von 1569 
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bestimmt waren eine sehr ei enthiimliishe Montirune besessen haben. 
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2. Das Haitzerthor war das in den Abmessungen bedeutendste, ist aber leider bis zur halben Hohe 
etwa abgetragen und in Privatbesitz gelangt. Vor demselben erhob sich ein Vorthor, nPUfilNlHSu, ähnlich dem 
noch in der Burg nach der Sägemiihle zu erhaltenen nllziinthor" (nach einer .ibbildung von llundeshagen, 
Tab. 16), welches durch eine Barbakane mit dem Hauptthor verbunden war. Das llauptthor hatte von Ausscn eine 
SpitzbogenöHnung, welche mit einem Fallgatter geschlossen wurde, das in einer Älauerblendc lief. Nach der 
Stadtseite hat man 1596 ein einfaches aber vorzüglich gezeichnetes und fein ausgiefiihrtes llcnaissanceportal 
eingesetzt (cf. Tab. 4). 
Durch das Haitzer- und Rödcrthor lief die stark benutzte lleerstrasse. In den napoleonischen Zeiten 
hatte sich gezeigt, wie sehr deren enge Oeffnungcn den Verkehr hcmmten, und wie geringen Schlitz die alten 
Stadtbefestigungen gewährten. Van war daher von Seiten der nillligükltlfißllu Behörden  die 'I'Iiore 
zu beseitigen und bereits 1818 hatte in (iclnhziusen der Ingenicurhauptmann ltöiligei- die Absicht, neben dem 
Ilaitzerthor einen beiuemen Ihlrclwanr anzule cn. Er brach die zum Wchrcane und damit in den 'l'hurm 
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führende Treue mit der anstossenden uadereeke des 'l'hurmes ab und iiiasterte mit den Steinen die Strasse 
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in Altenhasslau. Die Stadt war damit aber nicht einverstamleii, und erst 1822 "ab sie den l)urchbruch und 
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die Tieferlegung der Strasse zu, welche nun direkt in die weniger zibhängigir obere llaitzergasse geleitet 
wurde. So blieb der Thorthurm links liegen und ziusnahinsweise erhalten. (Staatsai'cli.-Akten (ielnhausen F, 
VIII, Abbruch des Hait-zerthores betreffend.) Die ldiririiffnungen wurden xi'ermai1ert, in die Westwantl eine 
'I'hiir gebrochen und das Ganze zu einem kiimnierliclieii Wohnhaus umgestaltet. Es ist zu hoffen, dass die Stadt 
dasselbe bei passender (ielegenheit wieder zuriickersvii'lit und erhält 2). 
 Stadtordnnng v. 1560. 
1) ist inzwischen erfreulicher Weise geschehen.
	        

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