Full text: Kreis Gelnhausen : Text (1)

rückgängig zu machen und einen anderen Lehnsträger einzuschiehcn, misslang (lurch Verzicht des letzteren des 
Hans v. Waldenstein 1458 (Urkunde zu Birstein). 
Der Ort Reichenbacl: war ehemals unnnauert und hatte zwei 'I'hore, das nördliche Ackerthor und das 
südliche Unterthor, auch Sotzbacherthor. Sowohl von den Mauern als den Thoren, besonders dem oberen, sind 
noch erhebliche Reste vorhanden, wonach das Thor, dessen Unterbau noch ca. 2 m hoch ist, dem wrwvhlerhaltenen 
Thor zu Mittelbuchen im Hanauischen ähnlich eingerichtet gewesen ist. 
Eine Burg zu Reichenbzlch hat Simon irrthiiinlicli aus einer Urkunde von 1372 (Urk. lll. p. 748) heraus- 
interpretirt, wonach Gottfried Zippur sein mnpt czu Birsensrein um! ezu lieirrhenlnu-le     mul (Im-nur (las-  
lehen czu RycIw-nbrurh dem Heinrich v. Ysenburg. welcher ihn gefangen hatte. ziuftragen (yme so! vqjfhelaela) und 
geloben musste den Ysenburgern "manr zu sein. um sich loszukauten. Er verlor damals in gleicher Weise 
auch Seine jbgrlie czu Kirchbrruflzfa um! czu Niezlercsulrzu um! sein e_r;_qin czu Über): Ificlzcnlzrlch, war 1384 
(Urk. IV, 324) Burgmann zu Birsensteyn und hetheiligte sich unter Führung der Grafen Johann v. Hanau an 
der grossen Fehde gegen die Stadt Frankfurt. Der Fehdezug der (irafen v. Ziegenhain gegen den unruhigen. 
rauflustigen Zippur und seinen Bruder Plmmerich, einen Fulder Burgmann, wird wohl deren lüigcn in der 
Gegend gründlich verwüstet haben. Eine Burg in nächster Nachbarschaft von Birstein würden die Grafen 
v. Ysenburg sicher nicht in solchen Händen gelassen haben. Es fehlt aber auch an jedem materiellen Rest 
einer solchen oder nur dem Namen der Burgstätte. 
Das Gericht Reichenbach war ein ilmfiinglichtßs Landgericht, welches seine ticrichtsstiitte unter der alten 
Linde vor dem Oberthtir hatte. Von seiner Elllfltillillllg und Verfassung giebt ein Weistlnun von 1388 (Grimnr 
Weisth. III, p. 400) eine gute Vorstellung. Den Vorsitz hatte der Vogt zu läirstein. die Ausführung der fuldische 
Amtmann zu Reichenbach. Dessen Amtssitz war das in der Mitte des llorfcs stehende Amtshaus nder Fronhotr 
genannt, mit einem sog. Diebesstock (s.  Hier wurden auch die Landsietlelgerichtc- (nach Weisthum v. 1394) 
abgehalten, welche Streitigkeiten über landivirtlnscl:aftliche Verluiiltnissis zum Austrag brachten, die zwischen 
Inhabern fuldischer Lehnsgüter entstanden. 
Die 
Pfarrkirche. 
Die schon 810 erwähnte Kirche war eine der ältesten im Gebiet des Stiftes Fulda. Zu ihr als Mutter- 
kirche gehörten fast alle kleineren Orte der Umgegend d. h. ursprünglich alle des (lerichtes und so ist es zu 
erklären, dass ältere romanische Kirehenlvautcn hier nicht vorkonnnen. Erst im spätern Mittelalter entstanden 
einzelne Capellen mit residirenden Caplänen, selbständige Pfarreien aber erst nach der R0f0l1lltlil0ll. l)ie Kirche 
gehörte zum Erzbisthum Mainz, lag im Bezirke des Archidiakonates des Johannesstiftes zu ltlainz und gehörte 
zum erzpriesterlichen Sprengel von Lauterbach. Von nrkumllichen Nachrichten über dieselbe haben sich aus 
dem Mittelalter nur wenige erhalten. So die Stiftung eines Altares und einer Messe auf demselben in der 
Ehre Johannes des Täufers und St. Katharinen im Jahr 1360 (Urk. lll, p. 367) und eine solche von der Existenz 
eines Friihaltares im Jahre 1382 (Urk. IV, p. 233, Birstein, rothes ltutzh). 1399 wurde die Kirche zu Reichen- 
bach mit dem darin befindlichen Martinsaltar durch Papst Bonifaz lX. förmlich der Fabrik der Klosterkirche 
zu Fulda ineorporirt zur Aufbesserung der durch einen Brand reducirten Mittel des Klosters. Es kann also 
wohl nicht ein Altar in der Klosterkirche zu Fulda selbst gemeint sein. (Urk. IV, p. 728) wie auch noch aus 
der wiederholten Zusammenstellung von parochialis ecclesia et altare, und aus der verheissenen Schonung der 
gewohnten Verpflichtungen beider in dieser U-rkunde hervorgeht. 
Die an der Stelle der alten neuerbaute Kirche liegt von einen: unnnauei'te11 Toiltcnhof umgeben auf 
einem kleinen Vorsprung des zu dem Reichenbach abfallenden Geländes, weithin die Gegend beherrschend. 
Von dem ältesten Bau des 9. Jahrhunderts ist keine Spur erhalten, er muss auch bereits im späten 
Mittelalter durch einen Neubau ersetzt gewesen sein, denn als einziger Rest der 1748 abgebrochenen Vorgängerin 
der jetzigen Kirche haben sich im Garten vor dem Pfarrhaus liegend zwei Trommeln eines 8-seitigen Pfeilers 
von ca. 60 cm Durchmesser erhalten, aus denen mit Sicherheit geschlossen werden kann. dass sie eine drei- 
sehilTige spätgothische Hallenkirche, ähnlich der zu 0rb etwa gewesen ist. 
Sie hatte einen Thurm, dessen hoher Helm bereits 1741 als baufällig abgetragen werden musste. Im 
Jahr 17481713. wurde dann der Grundstein zu der neuen Kirche gelegt, welche der Maurermeister Gallus aus 
Fulda_bis October 1749 vollendete. Das Dachwerk machte Zimmermeister Christoph Schmidt zu Birstein, die 
Schlosserarbeiten (Inschrift am Schloss des Thurmes) Joh. Lappe 1750.
	        

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