Full text: Kreis Gelnhausen : Text (1)

Der Marktbrunnen. 
Bis zum Abbruch des alten Rathauses iln Jahr 1868 war auch der Brunnen in der Mitte des Marktes 
noch in seinem ursprünglichen Zustand. ln einem viereckigen Kuinpf aus Steinplatten erheh sich eine ge- 
wundene Steinsäille von Eihnlicher Bildung. wie die Säulen des Huchaltares, auf welche eine kleine hrnncene 
unhekleidete Knabentigur mit einer ilVindfahne stand. Aus unbekannten (ilriintlen wurde die rknlage zerstört, 
und die Säule zu einer Mariensäule vor dem vmn König Ludwig l. erbauten Huspitzil verwendet, für die 
Broneetigur eine neue kurze Säule angefertigt. Nachrichten iiher die lüntstehnngszeit und den schaffenden 
Künstler oder Insehriften fehlen, (lach ist das Ganze nach der Fern: der Säule und den (lharalatcr der Sculptur 
in die Mitte des 17. Jahrhunderts zu setzen. Tah. 302. (l gicht eine Vorstellung von der Figur. 
Die 
Saline. 
Es kann hier natürlich nicht näher auf die interessante Geschichte des Salzwerkcs eingegangen werden, 
über welches sich ausführliche Nachrichten in einem ltlemorienbuch des Stadtarchivs finden. welches u. a. 
eine Instruction für die Sälzer vom Jahre 1399, sowie eine Salz- und Helzordnung von 1420 enthält. Auch 
zahlreiche Pläne und Censtructionszeichnungen der Kunsträder und Pumpwerke. sowie umfangreiche Salzaktcn 
sind mit dem Besitz der Saline aus dem bayrischen Salzamt an die Stadt 0rb übergegangen. 
Es mag nur erwähnt werden, dass das Salzwerk (seit 1399 wenigstens) unter einem Salzgr a fen 
stand, als welcher meistens der herrschztftliche Amtskellermeister fimgirte. dass die Ausbeute nach Brunnen- 
und Pfannentheilen schon früh an eine Reihe von Theilhabern verliehen war, von denen um 1420 seehsziehn 
genannt, und dem entsprechend auch ebensoviel Siedehäuser aufgezählt werden. deren jedes seinen eigenen 
Namen hatte (zum Löwen, Adler etc., meist aber nach dem läesitzer). 
Die alte Haupfquellc liegt an der auf dem Plan südlich in den ltand einschneidenden Stelle, in einem 
gewölbten mit Spitzbogentlmr versehenen. später thurmartig erhöhten Bau. mit anschliessendem unnna11e1'ttvni 
Hof, über dessen Thüre ein mainzisches Wappen mit der Jahreszahl 158() eingchauen ist (cf. Tab. 299). lnncr- 
halb dieses Hofes lag eine weitere alte Quelle, der ,.Katzenwenzel't. und es wurde hier im 18. Jahrhundert 
ein achteckiger Pavillon errichtet, in dem die Pumpen für beide alte (Quellen lagen, welche (lurch ein Kunst- 
gestänge von der Orb aus betrieben wurden. Ursprünglich wurde die Seele durch das natürliche Gefälle in 
gresse flache mit Holz verkleidete Behälter geleitet. welche zwischen der Sehlgasse und der Stadtmauer, dem 
höchsten Punkt innerhalb der Stadt, welcher noch zu erreichen war, lagen. Hier seheint die Seele der  
centratien durch Verdunsten überlassen werden zu sein. Es setzten sich infolge dessen auf dem Boden der 
Behälter gresse Massen von Niederschlägen an, welche über einen Meter dicke steinharte Bänke bilden, die 
jetzt ärmlichen kleinen Häuschen theils als Fundament, theils als Decke von Kellern und Ställen dienen. Die 
senkrechten glatten Flächen der Bänke bewahren Eindrücke der Bretterbekleitlung und sind fast auf der ganzen 
Länge der engen tief eingeschnittenen Sehlgasse zu sehen. Von da lief die Seele zu den Siedeh ä usern, 
welche zumeist um den Seolplatz lagen, welcher später zur Anlage der neuen Strasse bebaut wurde 
(Wolf 119). 
Von diesen Siedehäusern hat sich keins mehr erhalten. Das letzte bestand, zu einer Scheuer mnge- 
wandelt, noch im Jahr 1895, hatte ehemals einen Statfelgiebel gehabt, und trug über dem gefasten Rund- 
begenther die Jahreszahl 1620 (Plan Nr. 504i). Er ist auf Tab. 298 im Hintergrund (leutlich zu erkennen. 
Gradirhäuser scheinen in Orb erst im 17. Jahrhundert aufgekommen, und anfänglich mit Stroh gefüllt 
gewesen zu sein. Erst im Jahr 1715 wurde die Verwendung von Reissighelz eingeführt und grössere (iradir- 
häuser errichtet. In der Umgegentl wurde aber in älterer Zeit nachweislich vielfach die cencentrirte Seele 
direkt benutzt. 
Im Jahr 1763 übernahm die Landsherrschaft den Betrieb des Salzwerkes und legte ausserhalb des 
Ortes einen ilmfangreichen planmässigen Neubau an, der noch grösstentheils erhalten ist. Es wurden neue 
Quellen erbohrt, und durch Pumpwerke mit umfänglichem Kunstgestäinge von mehreren Kunsträilem aus die 
Seele auf die entfernt und hochgelegenen Gradirhäuser geschafft. Se blühte das Werk auf, bis in den siebziger 
Jahren die grosse Stassfurter Produktion alle diese kleinen Salinen lahm legte, von denen einige darunter 
auch Orb als Heilquellen eine neue Bedeutung zu gewinnen begonnen haben.
	        

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