Full text: Kreis Gelnhausen : Text (1)

Das Itlrzstift Mainz behielt dauernd die Landesherrlichkeit, übertrug sie aber pfandweise zeitweilig und 
im Einzelnen an angesehene Adlige der (fliegend, sodass die Gerichtsherrlichkeit (allein?) 1292 im Besitz des 
Grafen von Weilnau war (Urk. I, 447), der Zoll daselbst aber gleichzeitig denen v. Trimberg zustand 
(Urk. I, 531), während diese die Bede (Xprecaria) wieder verafterlehnten (1299 Urk. I, 595). Nach Wolf zog 
aber Mainz diese Lehen 1331 ein, und verpfändete die Stadt 1428 an die Grafen von Hanau, von denen sie 
erst 1565 wieder eingelöst wurde. 
Diese Verpfändungen müssen aber die Freiheit der Stadt wenig geschädigt haben, denn die Gerichts- 
barkeit in der Mark wurde stets von dem Stadtschultheis und seinen Schöffen ausgeübt. Nachtlem mit I-Iiilfe 
der Stadt Diether von Ysenburg Erzbischof von Mainz geworden, erhielten die Irlinwohner mancherlei Privilegien, 
die für sie sehr werthvoll waren: 1460 einen W oehenmarkt, und besonders 1497 das Recht auf den Märkten in 
Mainz Salz zu verkaufen; daneben wurden sie sogar von dem kleinen Zehnten, allen Frohnden und Boten-, sowie 
Hand- und Spanndiensten fiir die Stadtbauten befreit. 
Zahlreiche angesehene Familien nahmen ihren Wohnsitz daselbst, und errichteten burgähnliche Herren- 
sitze, deren einige wenn auch in späten Umbauten oder Resten, noch nachweisbar sind. Urkundlich erwähnt 
wird der Huttensche 1384 (Urk. IlI, p. 515). 
Die archivalistehen (Quellen, welche bisher zugänglich geworden sind, geben nur sehr unvollständige Kunde 
von den Schicksalen der Stadt sowohl in weltlicher wie kirchlicher Beziehung, denn die älteren erhaltenen Urkunden 
beziehen sich zumeist auf die Rechte aus den Antheilen an den Salzwerken, und die Pflichten der Herrschaft 
den Besitzern dcrselbtm gegenüber. Dabei spielt der Bezug des Holzes aus dem siitllich und östlich die Stadt llIll- 
gebenden Wald, dem sog. O r be r Reissig, eine Hauptrolle. Die älteste ICrwähnung desselben findet sich in einer 
Urkunde von 1284, wo der Wildbahn in .s'ilva que vocalztr Halsehe vriodo Urbahe, si rettmet silve Budinger zralt durch 
ein Schiedsgericht den Herrn von Brauneek zugesprochen wird (Urk. I, p. 447). Über die kirchlichen Bauten 
insbesondere ist so wenig überliefert, dass die Baugeschichte derselben lediglich aus der Interpretation der 
Formen verbilnden mit wenigen inschriftlichen Daten gewonnen werden muss. 
Die Anlage und Befestigung der Stadt. 
Wie ein Blick auf den Stadtplan 'l'ab. 2651) lehrt, hing die Anlage der Stadt von der Form des 
'l'hales der Orb ab, welches sich unterhalb der Salzquellen etwas erweitert, und mit einem Seitenthal verbindet. 
Um das Salzwasser durch das natürliche Gefälle den Siedehiiusern zuführen zu können, welche der Sicherheit 
halber ehemals innerhalb der Mauern lagen, hat man begünstigt durch das starke Gefälle die Orb von ihrem 
alten Lauf abgelenkt, sie zur Sicherung der Ostseite benutzt, und an Stelle des alten Bachlaufes die Haupt- 
strasse angelegt. l)as in seinen alten Theilen aller geraden Fluchten und rechten Winkel entbehrende Strassen- 
netz bietet noch heute die prächtigsten malerischesten Strassenbilder, und erscheint den ehemaligen Lebens- 
bedingungen und ltcdürfnissen der lüinwoltnei" aufs vollkommenste angepasst, indem es überall durch fahrbare 
Nebengiisschen, Zugang zu den zahlreichen, oft umfaugreiclieii Höfen und Gärten hinter den geschlossenen 
Häuserreiheit gewährte. 
In der inneren Stadt haben nochwalle Strassen bis auf die kurze „neue Strasse" denselben Laut wie 
im Mittelalter. 
Die Stadtmauer mit zahlreichen halbrunden Thürmen besetzt, umgiebt noch heute, auf einem 
grossen Theil des Umfanges wohlerhalten, die Stadt, und ist den Formen der Thürme nach wahrscheinlich 
noch durchgängig die im 13. Jahrhundert errichtete ursprüngliche. 
In (lerselben befanden sich drei Thore, das Unterthor im Norden, das Oberthor im Südwesten, das 
Jösserthor (Thor nach Burgjossa) im Südosten. Von den Thorthürmen sind jedoch zwei, das Unterthor und 
das Jösser (Gesser)thoi' 1823 (Wolf p. 23) abgebrochen, sodass nur das unbedeutendste, nach dem Wald zu 
führende Oberthor von der Einrichtung derselben eine Vorstellung giebt. Bedauerlicherweise ist es jedoch 
bei der Herrichtung zu einem Gefängnis arg verstümmelt, mit einer abenteuerlichen Dachspitze versehen, 
und so dick vertüncht worden. dass alle Spuren alter Dispositionen unkenntlich geworden sind. Das gefaste 
Rundbogenthor hat in steinernen Augen laufende Thürtlügel, und eine äussere Rinne für das Fallgatter. 
Der Thurm scheint am Schluss des 15. Jahrhunderts erneuert (cf. Tab. 296 u. Grundriss Tab. 302). 
1) Es muss auf die geradezu mustergiiltige Ausführung der bayrischen (Yatasterpläne hingewiesen werden, welche ein 
wirkliches Bild der Orte mit Bauwerken u. s. w. geben, und so einen dauernden historischen Werth haben, während die unsrigen viel 
zu schematisch gehalten sind, auch der Genauigkeit entbehren.  
	        

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