Full text: Kreis Gelnhausen : Text (1)

Lichenroth. 
Lohrhaupten. 
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orientirt und kein charakterischer alter Theil blieb erhalten. Von dem damaligen Neubau gibt Tab. 248 eine 
Ansicht, 249 die schöne Kanzel wieder. Der Grundriss (Tab. 242, H, 1.) zeigt die Disposition als Saalkirche, 
wobei nicht recht verständlich ist, wesshalb man den im lnnem gar nicht bemerkbaren polygonen westlichen 
Schluss ausfiihrte. Der Altartisch steht von einem Gitter umgeben in der Mitte der Kirche, davor auf der 
Südseite die Kanzel. Der mittlere Raum ist so vorzüglich beleuchtet und übersichtlich. 
Die Emporensäuleu und Brüstungen haben das Fig. 2 angegebene Profil, die Brüstungen aus- 
geschnittene Baluster. Der Altar ist ein hölzemer Tisch, die Orgel modern. 
Das Hauptinteresse concentrirt sich auf die steinerne Kanzel deren Ornamentaitioii und Aufbau lebhaft 
an die freilich viel sorgfältiger gearbeitete in der Schlosscapelle zu Biidingen erinnert. Auf der vordersten 
Füllung neben einer aus einem Krug aufsteigenden Lilie steht 
A0 16 77 
L M 
W C.G 
Eine weitere Füllung enthält das Isenburgiselne Wappen. 
bekleidete Candelabersäule. 
Der Kanzelfuss ist eine mit anliegenden: Laubwerk 
Das Gestiihl ist dem zu Kirchbracht sehr ähnlich, aber besser detaillirt (Fig. 3). 
Die Glocken sind nach dem Bau neu heschaiTt. 
Im Ort sind einzelne Fachwerkhäuser von guter Durchhildung zu verzeichnen, darunter besonders Nr. 47, 
welches für die „hessisehen Holzbanten" aufgenommen wurde. 
Lohrhaupten. 
Dorf von 880 Einwohnern, 6 Stunden südöstlich von Gelnhausen. Hatte ehemals ein eigenes (lericht 
und gehört jetzt zum Amtsgericht Bieber. Das alte Gericht umfasste nur die Orte Lohrhaupten, Kempfenbrunn 
und Flörsbaeh nebst dem 1767 neuangelegten Nusborn. 
Der Ort wird bereits 1184 unter den Besitzungen des Stiftes zu Aschaffenburg genannt: predium in 
Larhoubeten cum parrochia et decivnis (Urk. I, p. 88) und heisst später 1265 Larhoybeten, 1324 Lorhaupteir. Arnold 
p. 140 leitet den Namen von lar : locus mansio ab; es ist aber nicht wahrscheinlich, dass mit diesem 
Grundwert der Name des Baches nllohr" zusammenhängt, an dessen Quelle unser Ort liegt, und welcher offen- 
bar auch der an seiner Mündung in den Main liegenden Stadt Lohr den Namen gab. Lohrhaupten würde dem- 
nach naturgemäss Quelle der Lohr bedeuten, während die Ableitung des Bachnamens selbst noch unentschieden 
bleiben muss. Der Bach lare selbst wird zuerst 1339 (Urk. II, 509) genannt. 
Der Ort muss schon friiher einige Bedeutung erlangt haben, da man ihn 1265 bei Bestimmung des 
Gebietes für den damals zwischen Mainz, den wetterauischen Reichsstädten und mächtigen Tcrritorialherrn ver- 
einbarten Landfrieden, als einen der weit auseinanderliegenden Grenzpunktc festsetzte (Urk. I, p. 295). 
In weltlicher Beziehung gehörte Lohrhaupteir zur Grafschaft Rieneck (cf. Vergleich der (trafen mit dem 
Stift zu Aschaffenburg von 1233, Urk. I, 389), kam nach dem Aussterben der Rotenfelscr Linie dieses Hauses 
an Hanau und so an Hessen.  
In kirchlicher Beziehung gehörte es zu Mainz, welches auch nach der Beformziticm das Patronat fest- 
hielt und erst 1685 an Hanau abtrat. (Marburg, Staatsarch. O. S. S. 2404). 
Bereits 1184 wird, wie eingangs erwähnt, die paroehia in Larhoubeten genannt, es muss also auch 
eine Kirche dort vorhanden gewesen sein, doch fehlen Nachrichten über dieselbe "aus dem Mittelalter scheinbar 
vollständig, nicht einmal der Titel ist bekannt.
	        

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