Full text: Kreis Gelnhausen : Text (1)

Birstein. 
Wangen und eingezapften Tritten eonstruirte. Die Tritte binden dabei natürlich tief indie Wände ein, und 
die Podeste bestehen (je aus einer riesigen freiliegenden Steinplatte. Die Steinhauerarbeit an der Treppe führte 
nach den von Wolff geschnittenen. "Lehren" (Schablonen) der Steinmetz Joseph (aus Büdingen  aus, welcher 
auch die Tab. 216 abgebildete Gartentreppe anlegte. 
Die Geländer von lichter zierlicher Form (Tab. 216) schmiedete für beide Treppen Meister Zipper 
(aus Birstein  
Der Zimmermeister Woltf hatte sich auch um die Zimmerarbeiten beworben. und sie in Gemeinschaft 
mit Anderen ausgeführt. Die Pläne des Baumeisters hatten aber so weite Räume vorgesehen, dass die ge- 
wählte Construction besonders der 32 Fuss breiten Saaldecke nicht genügte, sodass sie sich senkte, und die 
schöne Stuckdecke verdorben wurde. Wolff floh desshalb, wurde aber in seiner Heimath gefasst und musste 
Schadenersatz leisten. 
Diese Stuckarbeiten, von denen charakteristische Theile auf Tab. 217, 218 und 219 abgebildet sind, 
wurden von dem Meister Schwab (aus Lohr  hergestellt, die Täfelungen und Thüren von dem "Schreiner Waller, 
die Malereien und Vergoldungen von dem Maler Müller aus Offenbach. Von den antiquarisch neuerdings er- 
worbenen Ausstattungsstiicken ist ein schöner ächter weisser Fayenceofen (Tab. 220) von unbekannter Herkunft 
bemerkenswerth. In dem Jägerzimmer des Erdgeschosses steht ein prächtiger eiserner Plattenofen aus dem 
Anfang des 16. Jahrhunderts, welcher bei der Aufhebung des Klosters Salmünster im Jahr 1875 hierher gelangte, 
und dort für das ltefektoriinn gegossen war. Er wird desshalb richtiger in dem Inventar des Kreises Schlüchtem 
zu behandeln sein. Die übrigen Oefen des Schlosses müssen den vorhandenen Kaminlöchern nach in den 
Haupträumen Plattenöfen gewesen sein, von denen aber keiner mehr vorhanden ist. In den kleineren Zimmern 
standen Rundöfen aus Eisen für Holzbrand auf hohen Fiissen, von denen noch einige sich erhalten haben. 
Der alte Thurm (I des Grundrisses) wurde seiner Wendeltreppe beraubt und im Oberstock eine gewölbte 
Silberkammer (larin angelegt. Er hat noch das alte, der Bauperiode um 1600 (s. o.) angehörige Dach, welches 
an Stelle des 1510 errichteten getreten sein muss, obgleich die Rechnungen nichts darüber enthalten. In dem- 
selben hatte 1602 Jacob Römer aus Frankfurt a. M. das noch vorhandene Uhrwerk eingerichtet, für welches 
zwei Glocken bestimmt sind. 
Die kleinere Glocke ist die ältere, hat oben 0,75, unten 1,41 Umfang und 0,33 m Höhe und trägt die 
interessante Minuskelinschrift zivischen zwei flachen Riemchen: 
mariaäbetäbeinäfeintäneräunää 
die grössere Glocke hat oben 0,97, unten 1,74 Umfang, 0,40m Höhe und in lateinischen Grossbuchstaben die 
Inschrift: 
BENEDICT  SCHNEIDEWIND  IN  FRANCKFURT  GOSS  MICH  ANNO  1688. 
Auf dem Innenhof über dem westlichen Ausgang des Mittelhaues ist in dem hier unvertünchten, 
zum grössten Theil aus dem Basalt des Burgbergs bestehenden Mauerwerk ein Quader eingelassen, welcher 
einem heim Bau des Hauptflügels H abgehrochenes Schlosstlneil angehört haben muss und die Inschrift trägt 
unter dem ein Steinmetzenzeichen steht:  
ANNO DOM  
1593 
H G.  
Es könnte derselbe von dem 1591 begonnenen nlüauenzimmererker" herrühren, dem einzigen entsprechenden 
Bautheil den die Rechnungen nennen.  
In dem 19. Jahrhundert wurden alle alten Wälle und Bollwerke, soweit sie nicht als Futtermauern 
dienten, beseitigt. Zunächst wurde das nach Osten vor dem Marstall gelegene Bollwerk abgetragen und ein 
Schlossgarten in englischem Geschmacke angelegt. Erst in den siebziger Jahren wurde das zwischen K und H 
befindliche zum Theil aus Felsen bestehende Bollwerk gesprengt und beseitigt, ohne dass sich Zeichnungen 
von seiner alten Beschaffenheit erhalten hätten. Die mit schönem Balustergeländer umgebene Terrasse M 
(„Altan") muss mit der Gartentreppe 18 nach Vollendung von H entstanden sein. 
Von den im Schloss befindlichen mobilen Kunstwerken hat nähere Beziehung zum Ort und der Familie 
ausser dem erwähnten Oelgemälde nur:  
Das rothe Buch, ein Copialbuch des XV. Jahrhunderts in rothes Leder gebunden und mit schönen 
einfachen Messingbeschlägen geziert, welches im fürstlichen Archiv bewahrt wird (Tab. 221).
	        

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