Full text: Kreis Gelnhausen : Text (1)

Dieser Bergrücken wurde zur Anlage einer Burg durch einen tiefen Halsgraben abgeschnitten und auf der 
Klippe das Kernwerk mit einer Hinter- und Vorburg angelegt. Die Steilheit des Abhanges gestattete auf dem 
grössten Theil des Umfanges wohl schon in alter Zeit, ausser der fast thurmlosen Ringmauer, von weiteren 
Zwingermanern abzusehen. Welche Dispositionen dagegen bis zur Fortitication im Anfang des 16. Jahrhunderts 
auf der Nordseite bestanden, ist nicht mehr zu ermitteln. Da ein Bergfrit nicht vorhanden und sein Abbruch 
nicht erwähnt ist, wäre es denkbar, dass an Stelle der späteren Bastion eine starke Schildmauer gestanden 
hat, und dass die in den Rechnungen erwähnte „Zwerchmauer" als solche anzusehen ist.  
Gegenwärtig besteht die alte Ringmauer. ihres Wehrganges beraubt, nur noch auf der Westseite. "Von 
da nach Norden ziehen Bastionen, welche in dem Scharfeneck noch den einzigen casemattirten mit zwei 
Gewölben übereinander versehenen Rest der im 17. Jahrhundert entstandenen umfänglichen auch architektonisch 
ausgebildeten Festungswerke bieten. Nach Osten mussten letztere den Anlagen des Schlossgartens weichen. 
Von dem Bau I) an bilden die Gebäude selbst, welche vermuthlich im 16. Jahrhundert der alten Ringmauer 
aufgesetzt sind, die Umfassungsmaluer, um welche noch ein starker Pallisadenzaun gelegt war. 
Ueber den Halsgrziben, welcher im 16. Jahrhundert vertieft und ausgemauert wurde, führte eine Zug- 
brücke, welche erst am Ende des 17. Jahrhunderts durch eine steinerne Bogenbrücke ersetzt ist, und den 
einzigen Zugang bildete. 
Bereits 1508 hatte die Burg den jetzigen Umfang und erhielt 1514 durch neeister henrich den maure-r einen 
neuen (Phorbau au der Stelle des jetzigen Haupteinganges, vor welchem die Zugbrücke lag, und ein Pallisaden- 
zaun "blanrken (Iurcleuus- umb (las schlos" wurde 1529 erneuert. Im Jahre 1510 brannte „der thom" aus und erhiel 
neues Gebälk. wohl der später als Wartthurm dienende ehemalige Treppenthurm des alten Haupttlügels H. 
Es ist wahrscheinlich, dass dieser Brand die Veranlassung zu den weiter folgenden Umbauten war. 
Der 
Neubau 
des 
Flügels 
1527. 
Der damals im Gang befindliche „neue Bau" ist der noch bestehende, wenn auch mehrmals veränderte 
Flügel B. Er hat im untersten Stock einen grossen tonnengewölbten Keller, welcher auf den Stirnseiten nach 
Süden, und ehemals auch nach Norden, spitzbogige Thore, nach Osten vier kleine Fenster, nach Westen eine 
kleine Nebenthüre besitzt, während alle anderen Flügel des Schlosses unmittelbar auf dem Basaltfelsen dem 
bei A sogar noch über die Hofsohle aufsteigenden alten Birsenstein aufstehen. 
Von allen Bautheilen des Schlosses besassen Keller und konnten solche besitzen nur der Marstall und 
der alte Mittelbau. Der 1529 durch die Rechnungen nachgewiesene muss aber in dem Bau B gelegen haben, 
und dieser also der damalige „neue Bau" sein, weil: erstens der Keller unter dem Mittelbau sehr viel 
älter war, und zweitens, der unter dem Marstall nicht das auch in den Rechnungen erwähnte Thor besitzt. 
Drittens hat der Plattenboden des Kellers unter B noch jetzt ausgehauene in einen Wassersack miindende 
Rinnen, welche in den Rechnungen genannt werden. Die beiden Thore gestatteten, in dem Keller einen 
Durchgang zu sehen, wenn nicht daneben in den Rechnungen eine "Fürth" aufgeführt würde und eine solche 
heute noch ZWlSClICII dem Bau B und der Ringmauer bestände. 
Ein zingclehnter Thurm (II) enthält die Wendeltreppe, die zu einem (genannten) "unteren und oberen 
Saal" und einigen Kammern führt. welche wohl in dem beim Bau von H 1764 beseitigten auf dem alten Oel- 
gemiiltlc mit einem (liebel in der [flucht des alten Vorderbaues abschliessenden Theil lagen. Hier wäre 
denn auch der nicht mehr vorhandene Keller mit einem Pfeiler zu suchen, welchen die Rechnungen aufführen. 
Auf der Südseite dieses Flügels B tritt ein rechteckiger Erker vor, welcher Masswerkbrüstungen und Vor- 
hangsbogenfenster besitzt und wohl ehemals ausgekragt war, wie der Tab. 203 Fig. 3 dargestellte an der 
Stelle des Gruiulrisscs 16 liegende lärker. Er wurde aber mit einem Vorbau (6) unterschlagen, dessen Rund- 
bogenthor (vor dem Spitzbogenthor) mit der Jahreszahl 1549 am Schluss bezeichnet ist, als man daneben 
ein VVÄiQlIiGPSiÜDClICII (5) einrichtete und statt eines einfachen Thores in einer Abschlussmauer, das flache 
Thorhaus mit einem (ilussloieh im Scheitel des Tonnengewölbes errichtete, um einen Verbindungsgang mit dem 
anstossenden neuen Bau D herzustellen. Das Wachtstübchen, „Dittrichshäuschen" genannt (nach dem ersten 
Wächter wohl), ist im Innern mit einfacher Cartuschenmalerei um die Fenster und am Gewölbe verziert, und 
hat ein hübsches durchstecktes Gitter wie das Oberlicht des Kellerthores von 1549 (Tab. 215). Der Flügel B 
erhielt eiserne Oefen, Fenster mit Fensterläden und Strebestangen, welche wohl ursprünglich Vorhangbögen 
besassen wie die des Erkers, 1596 aber durchweg mit neuen Gewänden (Karniesprotil) versehen sind. Der
	        

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