Full text: Kreis Gelnhausen : Text (1)

Die Burg.  
Residenz des Fürsten von Isenburg-Birstein seit dem Grafen Johann V. um 1521. Wie a.lle grösseren 
bis zur Neuzeit bewohnten Burgen, ist auch Birstein fast in jeder Generation dem jeweiligen Zeit- oder Mode- 
bedürfniss entsprechend, erweitert oder umgebaut worden. Es geschah dies aber hier in einer so durchgreifenden 
Weise, dass von der ursprünglichen mittelalterlichen Anlage nur wenig übrig blieb, und auch die architektonisch 
werthvollen Umbauten des 16. und 17. Jahrhunderts wieder zumeist den Interessen der fürstlichen I-Iofhaltung 
im 18. Jahrhundert geopfert wurden. 
Trotzdem bietet der Bau noch eine solche Fülle interessanten Details, und burglich wichtiger Dis- 
positionen, dass ein näheres Eingehen auf die Baugeseliichte erforderlich ist. Dem in den früheren Jahr- 
hunderten wechselnden Besitzstand ist es zuzuschreiben, dass die älteren Archivalien sich nur auf einige 
Urkunden beschränken. Erst vom Jahr 1503 an bewahrt das fürstliche Archiv zu Birstein eine Folge von 
Rechnungen und Akten, welche aber leider gerade in manchen für den Bau wichtigen Jahren bedauerliche 
Lücken aufweist. Immerhin bieten diese bis zur Neuzeit reichenden Archivalien so zahlreiche und oft so 
detaillirte Angaben, dass es unter sorgfältiger Beachtung aller vorhandenen Spuren möglich ist, eine Vor- 
stellung von der allmäligen Entwicklung des Baues zu gewinnen, wenn auch die Baurisse. deren Virrhanden- 
sein aus den Akten erhellt, zu Grunde gegangen sind 1). Besonders zu bedauern bleibt aber der Verlust eines 
Modelles „des Hauses Birstein", welches 1622 von dem gräiiiiehen Baumeister Joachim Rumpf angefertigt wurde, 
und wohl bei der p. 126 erwähnten Verwüstung im 3Ojährigen Kriege zu (irunde ging. Um so werthvoller ist 
desshalb ein altes 2) Oelgemälde, welches vor dem letzten Umbau im 18. Jahrhundert angefertigt wurde, ohne 
welches manche Angaben der Rechnungen absolut ilnverstäintllich sein würden (cf. Tab. 222). 
In der Folge muss Baugesirhichte und Beschreibung vereinigt werden, um Wiederholungen zu ver- 
meiden. Auch können die einzelnen Belegstellen nicht wohl citirt werden, sollen aber, sofern es der Umfang 
des Werkes gestattet, in einem Anhang im Zusammenhang wiedergegeben werden. 
Zur Erläuterung sind die Tafeln 196 bis 222 beigegeben, von denen der Situationsplan in der bei- 
gedruckten Buchstabenerkläirung zugleich eine Uebersicht der historischen Entwicklung bietet. 
Die Burg Birstein wird zum ersten Mal genannt in einer Urkunde vom Jahr 1279 (Urk. l, 414), in 
welcher Abt Berthous von Fulda auf Antrag des bereits damit belehntexi Conrad von Trimberg aueh dessen 
Schwager dem Grafen Heinrich von Weilnau sie zu Lehen giebt.  
Sie war also zweifellos eine von Fulda zum Schutz seiner vielen vereinzelten Besitzungen in der 
dortigen Gegend angelegte Ganerbenburg.  
Seit dem ersten Viertel des 14. Jahrhunderts macht sieh das Bestreben der Grafen von lsenburg he- 
merklieh, sie in Alleinbesitz zu bekommen. Den Trimberg'seheii Mitheil kaufte Htiiiiritßli von Isenburg 1335- 
(Urk. II, 410) den an Hanau verptiindeten Weilnauer Theil, jedoch hotTte er durch Heirath seines Sohnes; 
Luther mit Adelheid von Hanau zu erwerben. Der Spruch eines (von Fulda wohl angerufenen?) Sehierlsge- 
riehts zwang ihn beide Theile wieder herauszugeben, sodass die Erwerbung erst naeh dem Aussterheai beider- 
Gesehleehter gelang.  
Bwubeselnreibung. 
Die Burg Birstein liegt auf einem schmalen langen, sehr steil von dem sich gabelmlen Reiehelilniclr 
und Riedbaeh aufsteigenden Bergriieken, der nach Osten in ein annähernd gleich hohes breites Plateau über- 
geht, und auf seinem westlichen Ende eine Basaltklippe trägt. 
1) Im Archiv zu Birstein findet sich nur eine Mappe mit 32 meist unbedeutenden unbezcichneten Plänen und Entwiirfene 
aller Art, die sich überdies zumeist nicht auf das Schloss Birstein sondern auf andere gräfliche Bauten beziehen. Nur Nr. 22 dürfte 
einen der um 1600 entstandenen Giebel darstellen und ist desshalb auf Tab. 222 reproducirt. Nr. 17 ist eine Folge von acht fein- 
gezeichneten Rissen zu einem Schloss im Zopfstyl, welche zwar unbezeichnet ist aber durch ein weiteres bezeichnetes in der Manier 
der Darstellung, in der Handschrift der Erklärungen und durch das Papier verwandtes Blatt als: „Invcnte et dessine de G. Bruere a 
Hombourg es monts en fevrier 1775" bezeugt wird. Die erstere Folge scheint ein Concunenzprojekt f iir den 1764 etc. ausgeführten. 
Neubau des Flügels H zu sein.   
E) in der Bibliothek aufbewahrtes.  17
	        

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