Full text: Kreis Gelnhausen : Text (1)

DIE U61". 
Ueber ihre Entstehung und Geschichte ist nichts zu ermitteln gewesen, es ist auch unbekannt, seit 
wann sie der kleinen katholischen Gemeinde als Pfarrkirche diente, nachdem sie früher Wallfahrtscapelle 
gewesen, was sie wieder wurde, nachdem eine neue Pfarrkirehe für Bieber und die benachbarten Orte im 
"Thale im Jahr 1853 erbaut ist. 
Den architektonischen Formen nach kann sie noch um die Wende des 13. und 14. Jahrhunderts ent- 
standen sein, wurde im Laufe des 15. und 18. Jahrh. verschiedentlich umgebaut, und erhielt insbesondere 
im letztem die Innenausstattung. Tab. 193, 194, 195, sowie Grundriss und Detail auf Tab. 242 gehen eine 
Vorstellung von dem kleinen interessanten Bruchsteinbau. 
Das Schiff ist flachgedeekt und ohne Strebepfeiler. Seine Westthüre ist mit einem gefasten Giebel- 
sturz überdeckt und gehört, wie das zweitheilige Westfenster, mit strengem Masswerk aus geradprofilirten 
Dreipässen der Erbauungszeit an. Auf der Südseite desselben haben sich aus gleicher Zeit zwei hochge- 
legene kleine Spitzbogenfenster vermauert erhalten. Das dritte, östliche, ist am Schluss des 15. Jahrhunderts 
etwa durch ein grosses Spitzbogenfenster ersetzt, dessen einfach hohlprtifilirtes Gewände in einer äusseren 
flachen Spitzbogenblende liegt. Zwischen den alten Fenstern ist ein grosses rechteckiges im 18. Jahrhundert 
gebrochen, ebenso eine mittlere Thüre mit interessantem Beschlag an dem Thürflügel. Tief unten an dem Ost- 
ende sitzt noch ein kleines hohlprofilirtes verniauertes Kreuzstockfenster. Die Nordseite wird grösstentheils 
von der hier angebauten Sacristei bedeckt, welche im Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet sein dürfte. Sie 
hat zwei rippenlose Kreuzgewölbe, eine Eingangsthüre mit Kielbogenschluss und eine Piscina mit Vorhangs- 
bogen, neben andern rechteckigen Wandnischen. 
Der Chor ist aussen rechteckig, innen -pol_vgon gestaltet und hat ein Kreuzgewölbe. dessen hohl- 
profilirte Rippen im polygonen Theil auf einfach profilirten (Pab. 242, 4) (Ionsölchen aufsitzen. im geraden 
aus den Wänden hervorwachsen, und sich in ersterem zu einem achtpassförmigcn Schlusssteine mit dem 
hanauischen und isenburgischen Wappen, im letzteren in einem runden mit dem hanauischen Wappen ver- 
einigen. Die zweitheiligen, auf den Tafeln genügend deutlich erkennbaren Fenster mit wohlerhaltenem Mass- 
werk im Verein mit dem Detail der Gewölbe beweisen, dass der Chor in der zweiten Hälfte des 15. Jahrh. 
entstanden sein muss. Das Profil des an abnormer Stelle zingebraichten Chorpförtchens ist jedoch ein viel 
älteres (Tab. 242, 5), und muss der Periode des Stehiffes angehören, was sich so erklärt, dass das alte 
Gewände der im 18. Jahrhundert veränderten Südpfbrte gleichzeitig zur Anlage dieses Pförtcliens benutzt 
wurde. Auch in Orb und lWrtheim  an den einzigen iilfern katholischen Kirchen des Kreises  finden sich 
solche Chorpförtchen. 
Von der Ausstattung des Innern, welche dem spiitern 18. Jahrhundert angehört, ist folgendes 
envähnenswerth : 
Der Hochaltar hat noch die alte gemauerte Mensa mit Hohlkehlenprofil an der Deckplattte, welche 
mit einer geschweiften Holzverkleidung umgeben ist. Dariiber- erhebt sich ein kleiner Aufsatz, welcher aus einer 
seitlich von Voluten begrenzten das Drehtabernakel umschliessenden Predella, und darüber einer ebenfalls von 
grossen Voluten mit vergoldetem Laubwerk begrenzten Nische mit Madonnenstzitue besteht, welche mit einem 
gelbverglasten „Auge Gottestf in Wolken abschliessf. 
Der Seitenaltar hat einen ähnlich sfylisirten noch kleineren Aufsatz ohne figürlichen Schmuck. 
Das Gestiihl ähnelt dem zu Alteimiiftlau. Eine Orgel fehlt, die Altargeräthe waren leider nicht 
zugänglich. 
In dem Dachreiter, dessen schmiedeeisernes Kreuz besonders bemerkenswcrth ist, und noch dem 
15. Jahrhundert angehört, hängen zwei Glocken, deren grösseria die Inschrift in lateinischen Gross- 
buchstaben trägt: 
PH H BACYH ZU NVINDEUKICN  MICH 
KlRC-HIC ZU BIEBER 1858. 
FUICR DIE KA'l'HOL. 
Die kleinere hat keine Inschrift, dürfte aber noch denn 15. Jahrhundert angehören.
	        

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