Full text: Kreis des Eisenberges (N.F., Bd. 3)

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E inführung 
Diese Bodenschätze haben zeitweilig zu einer reichen Industrieentwicklung in walüeck 
geführt und seit dem lZ. Jahrhundert einen bedeutenden Bergbau und eine umfangreiche 
h ü t t e n i n d u st r i e hervorgerufen. Um 1700 bestanden in ganz Waldeck, also gemeinsam 
mit dem Ureise der Twiste und der Eder, 15 Bergwerke, 12 Hütten und 50 hammerfeuer. 
Eisensteinbergwerke befanden sich am Ulartenberg bei Udorf, am heidberg bei Ottlar, bei 
Sudeck und bei Rhenegge. Manganerze wurden bei Ottlar, Sudeck, Rhenegge und Bömighau 
sen gewonnen. Kupferbergwerke bestanden bei Nordenbeck, Goddelsheim, Niederense und in 
dem benachbarten Talitter. Schon Mitte des 13. Jahrhunderts bestand das Goldbergwerk 
am Lisenberg, das seine Hauptblüte im 15. und 16. Jahrhundert gehabt hat und auf das 
die Entstehung des Dörfchens Goldhausen, eine ursprüngliche Bergarbeitersiedlung, zurückzu 
führen ist. Schon im 14. Jahrhundert gab es hier 5 Gruben. Die Rusbeute war zeitweilig 
sehr ergiebig und wurde im Laufe der Zeit von Nürnberger, Straßburger, Magdeburger, 
Rugsburger und anderen Gesellschaften und Unternehmern betrieben, so Mitte des 16. Jahr 
hunderts von den Fuggern in Rugsburg. Vas Bergwerk kam im dreißigjährigen Kriege zum 
Erliegen, verschiedene spätere Wiederaufnahmeversuche, mit unzulänglichen Mitteln unternom 
men, waren vergeblich. Ruch die Kupfer- und Eisenhüttenindustrie ging nach jahrhunderte 
langer Blüte gegen Ende des 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts allmählich 
ein, da sie infolge Fehlens von Kohle der Konkurrenz des benachbarten Ruhrgebietes nicht 
gewachsen war. Der Rbbau der Erze war unrentabel geworden, die Lager teils erschöpft, 
teils ersoffen. 
Rn sonstigen Rnlagen zur Ruswertungder Bodenschätze bestanden und bestehen die 
Schieferbrüche bei Millingen. Die Brüche des bunten Marmors, des Rlabasters und des Kalk 
steins bei Rdorf und die des schwarzen Marmors bei Giebringhausen sind hauptsächlich 
im 17. und 18. Jahrhundert für die Grabdenkmäler in Korbach und Wildungen sowie für 
Kamine der Schlösser in Rrolsen und Wildungen ausgewertet worden. Neuerdings sind auch die 
Eisenbergwerke am Martenberg bei Rdorf wieder in Betrieb genommen worden. 
Die Industrietätigkeit ist gegenüber früheren Jahrhunderten erheblich zurückgegangen und 
hat erst in den allerletzten Jahrzehnten durch neue Industriezweige (Tontinental - Gummi 
werke, Fabrik für technische Äle und Fette, Kalkstein- und Holzbearbeitungsindustrie) eine 
Neubelebung erfahren. 
Die Haupterwerbstätigkeit des Landes ist seit alters her die Landwirtschaft. 
Daneben nimmt die Forstwirtschaft in den waldreichen Gebirgsgegenden des Nord 
westens und Westens, wo sich eine Grubenholzwirtschaft für das benachbarte rheinisch-west 
fälische Bergbaugebiet entwickelt hat, einen breiten Raum ein. Im ganzen Osten und Süden 
des Kreises wird Rckerbau und Viehzucht getrieben. Die landwirtschaftliche Nutzfläche 
des Kreises beträgt 25 410 ha, während die Waldfläche des Kreises 13 913 ha ausmacht. 
Der Kreis wird von der Eisenbahnlinie warburg—Volkmarsen—Korbach—Franken 
berg—Marburg durchschnitten. Sie berührt innerhalb des Kreises die Stationen Berndorf und 
Korbach. Eine zweite erst 1912/17 erbaute Bahnlinie führt von Wabern über Fritzlar—Bad 
Wildungen—Korbach—Usseln nach Brilon-Wald und berührt innerhalb des Kreises die Sta 
tionen Höringhausen, Mcineringhausen, Korbach, Lelbach-Rhena, Bömighausen, Neerdar, Eimel 
rod, Usseln, Stryck und Willingen. 
Die Stadt Korbach ist der Mittelpunkt eines weit ausstrahlenden Straßensystems. Es 
kreuzen sich hier zwei Reichsstraßen, die in nordsüdlicher und ostwestlicher Richtung verlaufen. 
Die ostwestliche führt von Kassel über Sachsenhausen, Meineringhausen, Korbach, Rhena, Neer 
dar, Usseln, Willingen nach Brilon, die nordsüdliche von Scherfede über Wrexen, Rhoden, 
Rrolsen, Mengeringhausen, Twiste, Derndorf, Korbach, Dorf-Itter nach Frankenberg. Daneben 
nehmen drei provinzial- oder Landstraßen von Korbach ihren Rusgang. Die eine führt nord 
wärts über Flechtdorf, Rdorf nach Padberg und Bredelar, eine zweite südwärts über Norden 
beck, Goddelsheim, Rhadern, Dalwigksthal, Sachsenberg nach Frankenberg und schließlich eine 
dritte südwestwärts über Eppe und Hillershausen nach Medebach. 
Der Kreis des Eisenberges hat einen Flächeninhalt von 45 418 ha und zählt 24 109 L i n- 
w o h n e r (1933). (j r besteht aus der Kreishauptstadt Korbach, den Städten Fürstenberg und 
Sachsenberg, sowie 44 Dorfgemeinden. Er ist hervorgegangen aus den früheren waldeckischen
        

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