Full text: Katalog der Musikdrucke aus der Zeit der Kasseler Hofkapelle

ließ, investierte mannigfaltig in gute Musiker"). Begabte Kinder ließ er an der von ihm gegründeten 
Schule Collegium Mauritianum ausbilden. Später studierten sie in Marburg. Vielversprechende 
Musiktalente schickte er nach Venedig. Dort gingen sie bei Giovanni Gabrieli in die Lehre und 
lernten die progressivsten Ideen der damaligen Kompositionstechnik kennen. Moritz interessierte 
sich offenbar für jede neue Strömung in der Musik. Eine umfangreiche, qualitativ beachtliche Musik- 
bibliothek entstand. Der Kasseler Hof erlebte seinen kulturellen Höhepunkt und gehörte zu den 
bedeutendsten Pflegestätten der Kultur in Europa. Vielfältig begabt in schönen Künsten, fehlte es 
Moritz an politischem Talent. 1627 mußte er abdanken und hinterließ seinem Nachfolger Wilhelm V. 
(1602-1637, Regierungszeit 1627-1637) eine große Schuldenlast. Die hohen Aufwendungen für den 
Musikapparat des Hofes mußten gestrichen werden. So schmolz nicht nur die Zahl der Musiker, die 
unter Vertrag standenl 1, es war auch ein deutlicher Rückgang an Notenankäufen zu verzeichnenlz. 
Mit Blick auf diese historische Entwicklung wurde für die zu katalogisierenden Notendrucke ein 
neuer Zeitrahmen festgesetzt. Vernünftig schien die Epoche zwischen 1550 und 1650. Einzelne 
später erschienene Drucke, die in einem historisch relevanten Zusammenhang mit der Sammlung 
stehen, bilden die Ausnahme. 
Jeder individuellen Beschreibung geht eine Zuordnung des Drucks oder der Sammelbände zum 
Originalbestand der Kasseler Hofkapelle voraus. 1613 und 1638 entstanden im Auftrag der jewei- 
ligen Landgrafen Moritz und Wilhelm V. Inventare, die bereits 1902 durch Ernst Zulauf13 Veröffent- 
licht wurden. Ein Vergleich der heutigen Sammlung mit dem Repertoire der Hofkapelle Anfang des 
17. Jahrhunderts zeigt die erfreulich hohe Zahl der erhalten gebliebenen Drucke. Ein von mir 
entdecktes handschriftliches Musikalienverzeichnis, datiert Cassel 175314, ist ebenfalls berücksich- 
tigt. Darin finden sich Titel, die aufgrund ihres Druckdatums in den älteren Inventaren noch nicht 
verzeichnet sind. 
Den Notendruckbestand der UBILMB zeichnet eine beträchtliche Zahl von Unikaten und seltenen 
15 aus. Dementsprechend bietet er eine Fülle an neuem Material für alle Forschungsbe- 
reiche der historischen Musikwissenschaft. 
Exemplaren 
11 
12 
13 
14 
15 
Den Besoldungsfragen widmet sich Zulauf recht ausführlich; S. 66 ff. - Neuere Untersuchungen über den 
Musikantenverlag unter Moritz von Hessen (1598-1604) finden sich bei Michael W. Schmidt: Zur Sozialge- 
schichte der Kasseler Hofkapelle um 1600, Wissenschaftliche Hausarbeit zur ersten Staatsprüfung für das 
Lehramt an Gymnasien. Universität Gesamthochschule Kassel 1995, Kassel (Selbstverlag) 1995, (Kassel 
UB: 34 HASS. 1997 B 68, Handschriftenabteilung der Mulb: GE 4011). 
Engelbrecht (Anmerkung 2), S. 31 f. 
Horstmann (Anmerkung 4), S. 307. 
Siehe Fußnote 9. 
20 Ms. mus. 1447. 
Hinweise auf Unikate und einzige erhaltene Exemplare gehen auf die bei RISM verzeichneten Fundortnach- 
weise zurück. Diese Angaben sind allerdings eingeschränkt gültig, da verlorengeglaubte Bestände jederzeit 
auftauchen können.
	        

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