Full text: Katalog der Musikdrucke aus der Zeit der Kasseler Hofkapelle

Verluste im 2. Weltkrieg dezimiert wurde. Eine Aktualisierung stand seit langem aus. Es galt also 
mehreren Forderungen Genüge zu tun: die Beschreibung der äußeren Erscheinungsform, des 
Musikdruckaufbaus und -inhaltes, sowie die Erfassung aller handschriftlichen wie auch drucktechni- 
schen Besonderheiten des hiesigen Bestandes. Darunter fallen Besitzvermerke, aufführungsprakti- 
sche Korrekturen und Ergänzungen zum Noten- und Textbild. Art und Umfang der Beschreibungen 
wurde den Erfordernissen bibliotheksinterner Arbeit wie auch wissenschaftlichen Interessen ange- 
passt. Bei der Beschreibung der Drucke fielen einige unentdeckte handschriftliche Faszikel und 
musikhistorisch relevante aufführungspraktische Änderungen auf. 
Erfreulicherweise ergaben sich aus der Bearbeitung des Bestandes neue Erkenntnisse über seine 
historische Entwicklung. Die Beschreibung der Einbände, zu der die Erfassung und Datierung der 
Wasserzeichen erhalten gebliebener Vorsatzblätter gehört, sowie der Vergleich der alten hand- 
schriftlichen Signaturen mit Einträgen in den zeitgenössischen Inventarens geben Aufschluß über 
die mögliche Herkunft der Einzel- und Sammeldrucke. Mindestens drei Einbandgruppen können 
beschrieben werden: 1. italienische, 2. Kasseler und 3. Fuldaer Provenienz. Zudem veranschaulicht 
ein Vergleich der auf einigen Buchdeckeln angebrachten Jahresstempel mit den Erscheinungsjahren 
der darin zusammengebundenen Musikdrucke die Aktualität der Sammlung. Ergänzt durch die 
Auswertung handschriftlicher Besitzvermerke bietet dieses Material neue Ansatzpunkte für die 
Interpretation der historischen Entwicklung des Hofkapellrepertoires. Bisher erschienene Unter- 
suchungen beispielsweise zur Frage der Herkunft der Noten bezogen sich im wesentlichen auf die 
Musikmanuskripteö. Die Überlegung, dass Italienreisende Noten nach Kassel mitbrachten, wurde 
jedoch nicht auf den gesamten Bestand bezogen7. Eine Studies zu diesem Themenkomplex 
verdeutlicht, wie wichtig die Berücksichtigung aller Details auch bei der Katalogisierung von 
Drucken ist. 
Abweichend von dem ursprünglichen Gedanken, eine Neubearbeitung des Israel-Kataloges vorzu- 
legen, erfolgte eine Begrenzung des Bearbeitungszeitraums auf die Jahre 1550 bis 1650. Sowohl ihre 
Entstehungsgeschichte, als auch Charakter und Umfang der Kasseler Sammlung stehen in unmittel- 
barem Zusammenhang mit dem Wirken der Kasseler Hofkapellmeister zur Zeit der Landgrafen 
Wilhelm IV. und Moritz. Wilhelm IV. (1532-1592, Regierungszeit 1567-1592) hatte sein Engagement 
für die Musik hinsichtlich der Kosten noch auf die finanziellen Möglichkeiten des höfischen Haus- 
halts abgestimmtg. Sein Sohn Moritz (1572-1632, Regierungszeit 1592-1627), dessen enormer musi- 
kalischer Enthusiasmus ihn schließlich auch in dieser Beziehung den Blick für die Realität verlieren 
Siehe S. X f. 
Christiane Engelbrecht: Die Kasseler Hofkapelle im 17. Jahrhundert und ihre anonymen Musikhand- 
schriften aus der Kasseler Landesbibliothek. Kassel, Basel, London, New York. 1958. S. 17-31. - Gottwald. 
Lediglich Moser weist auf Musikalien hin, die Heinrich Schütz Landgraf Moritz aus Venedig gesand oder 
mitgebracht hat: kennzeichnend für seinen damaligen Geschmacks- und Interessenkreis  Moser nennt die 
dreizehn Drucke, die heute unter der Signatur 40 Mus. 20 stehen. (Hans Joachim Moser: Heinrich Schütz. 
Sein Leben und Werk. Kassel 1936. S. 66-67.) 
Angelika Horstmann, Neue Erkenntnisse zu Einbandprovenienzen der Musikdrucke der Kasseler Hofka- 
pelle. In: Im Dienst der Quellen zur Musik. Festschrift Gertraut Haberkamp zum 65. Geburtstag, hrsg. von 
Paul Mai. Tutzing 2002. S. 307-320. 
Ernst Zulauf: Beiträge zur Geschichte der Landgräflich-Hessischen Hofkapelle zu Cassel bis auf die Zeit 
Moritz des Gelehrten. Dissertation Leipzig 1901, Kassel 1902. S.22-37.
	        

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