Full text: Friedrich Dott, 1889 - 1969

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5.8  Friedrich Dott - Werk / Ein Grenzbegang in alter Zeit   
 
Zum ferneren Gedächtnis wurden ihre Namen dann in die Baumrinden eingeritzt. 
Wie mag das den Herrn Schultheiß, der offen für die Metzer Partei ergriff, ge-
wurmt haben! Die Metzer Bauern aber verzichteten auf den  weiteren Grenzbegang 
und kehrten heim.  
Am Landgrafenbrunnen, der heute noch besteht, stärkte man sich mit einem guten 
Frühstück - der Born ist ein idealer Platz dafür - für die weitere Fahrt.  Dann ging 
es über „Meerchen“ und Gestöcke zur Ermetheiser Grenze, wo sich die dortigen 
Bewohner eingefunden hatten. Ein früher hier die Grenze anzeigender Apfelbaum 
steht nicht mehr, weshalb an seiner Stelle ein tiefes Loch gegraben wurde. Beim 
weiteren Gang kam es zu einer weiteren Differenz mit dem Schultheiß, der nun-
mehr mit den Ermetheisern abzieht. Die Gudensberger gingen weiter, um ihre Trift 
und Koppelhute wahrzunehmen. Mehrere Scheidebäume mit eingehauenen Kreu-
zen wurden festgestellt, und am „Heppenstehl“, der zu Niedenstein gehört, waren 
die Bürger dieser Stadt angetreten. Gemeinsam zog man weiter bis zu einem Mal-
stein, einem weißen Wackerstein, am Schwossbach, wo der Grebe von Besse mit 
seinen Leuten stand. Mit den Bessern marschierte man nun durch die Lindenpforte 
den Bilstein hinab zwischen den beiden Bocksgeylen hindurch, von denen der 
größere Besse, der kleinere Gudensberg gehört. An der Ritter Grenze wurde ein 
neuer „Wantgrenzstein“ gesetzt. Schließlich führte der Weg über den Ochsenpfuhl, 
dann oberhalb des Glissborns am Odenberg entlang herab zum Scharfenstein, um 
diesen herum zur Tränke, der Endstation für diesmal. Es folgte ein fröhlicher Ein-
zug in die Stadt, wo man „uff die lange Tagesreise einen guten Trunk und Abend-
essen getan“. 
Eine lange Pause brachte der dreißigjährige Krieg und seine Folgen. Erst am 23. 
Juni 1676 fand der nächste Grenzbegang wiederum mit fliegenden Fahnen und 
Trommelschlag statt. Unter einer alten Grenzbuche war diesmal ein Frühstück mit 
den nötigen Getränken bereitgestellt worden, das von Gudensberg und Besse ge-
meinsam gestiftet war. Ein 
alter Bürger erinnerte sich 
noch, dass er  beim letzten 
Umzug im Jahre 1618 als 
Schuljunge mit der Nase an 
eine Weide gestoßen wurde, 
„zur besseren Erinnerung“! 
Jetzt war von der Weide nur 
noch ein Stumpf zu sehen. Als 
später im 18. Jahrhundert die 
Sitten weniger rauh waren, 
bekam die Jugend zur besseren 
Erinnerung Geschenke, was ihr 
sicher bedeutend besser gefiel! 
               Friedrich Dott. (1959) 
Ger älteste Grenzstein von 1701 
zwischen Besse (BS) und Gudensberg (GB)
	        

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