Full text: Friedrich Dott, 1889 - 1969

34 5.8 Friedrich Dott - Werk / Ein Grenzbegang in alter Zeit Zum ferneren Gedächtnis wurden ihre Namen dann in die Baumrinden eingeritzt. Wie mag das den Herrn Schultheiß, der offen für die Metzer Partei ergriff, ge- wurmt haben! Die Metzer Bauern aber verzichteten auf den weiteren Grenzbegang und kehrten heim. Am Landgrafenbrunnen, der heute noch besteht, stärkte man sich mit einem guten Frühstück - der Born ist ein idealer Platz dafür - für die weitere Fahrt. Dann ging es über „Meerchen“ und Gestöcke zur Ermetheiser Grenze, wo sich die dortigen Bewohner eingefunden hatten. Ein früher hier die Grenze anzeigender Apfelbaum steht nicht mehr, weshalb an seiner Stelle ein tiefes Loch gegraben wurde. Beim weiteren Gang kam es zu einer weiteren Differenz mit dem Schultheiß, der nun- mehr mit den Ermetheisern abzieht. Die Gudensberger gingen weiter, um ihre Trift und Koppelhute wahrzunehmen. Mehrere Scheidebäume mit eingehauenen Kreu- zen wurden festgestellt, und am „Heppenstehl“, der zu Niedenstein gehört, waren die Bürger dieser Stadt angetreten. Gemeinsam zog man weiter bis zu einem Mal- stein, einem weißen Wackerstein, am Schwossbach, wo der Grebe von Besse mit seinen Leuten stand. Mit den Bessern marschierte man nun durch die Lindenpforte den Bilstein hinab zwischen den beiden Bocksgeylen hindurch, von denen der größere Besse, der kleinere Gudensberg gehört. An der Ritter Grenze wurde ein neuer „Wantgrenzstein“ gesetzt. Schließlich führte der Weg über den Ochsenpfuhl, dann oberhalb des Glissborns am Odenberg entlang herab zum Scharfenstein, um diesen herum zur Tränke, der Endstation für diesmal. Es folgte ein fröhlicher Ein- zug in die Stadt, wo man „uff die lange Tagesreise einen guten Trunk und Abend- essen getan“. Eine lange Pause brachte der dreißigjährige Krieg und seine Folgen. Erst am 23. Juni 1676 fand der nächste Grenzbegang wiederum mit fliegenden Fahnen und Trommelschlag statt. Unter einer alten Grenzbuche war diesmal ein Frühstück mit den nötigen Getränken bereitgestellt worden, das von Gudensberg und Besse ge- meinsam gestiftet war. Ein alter Bürger erinnerte sich noch, dass er beim letzten Umzug im Jahre 1618 als Schuljunge mit der Nase an eine Weide gestoßen wurde, „zur besseren Erinnerung“! Jetzt war von der Weide nur noch ein Stumpf zu sehen. Als später im 18. Jahrhundert die Sitten weniger rauh waren, bekam die Jugend zur besseren Erinnerung Geschenke, was ihr sicher bedeutend besser gefiel! Friedrich Dott. (1959) Ger älteste Grenzstein von 1701 zwischen Besse (BS) und Gudensberg (GB)

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.