Full text: Manuscripta musica

Victor de Montbuysson. Lautenist und Sprachenmeister. wurde ca. 1575 in Avignon geboren. 1598- 1627 gehörte 
er der Kasseler Kapelle als Lautenist an. war danach in Den Haag tätig. Seine Schülerin Elisabeth von Hessen. 
älteste Tochter von Moritz und Patentochter der Königin von England. lebte 1596 bis 1625. Seit 1618 war sie mit 
Johann Albrecht II. von Mecklenburg verheiratet. Zu Montbuyssons Kasseler Schülern zählte auch Georg 
Schimmelpfennig. von dem die Hs eine Komposition überliefert. - Daß beide Papiermarken durchgängig auftre- 
ten. läßt auf den fest umrissenen Plan schießen, ein Lautenbuch anzulegen. Hätte man über einen längeren Zeit- 
raum hin erst mit losen Bl gearbeitet. danach das Konvolut gebunden. wäre dies an einem Wechsel der Papier- 
marken dingfest zu machen. Der Schwierigkeit, daß Montbuyssons Titel mitten im Text (54') erscheint. läßt sich 
nur begegnen, wenn man annimmt, daß die Hs verbunden wurde (was nach der Lagenordnung zu urteilen un- 
wahrscheinlich ist) oder daß der offizielle Titel mit dem ersten Bl verlorengegangen ist. Wenn auf dem ersten Bl 
wirklich ein Titel gestanden hat. ist es sicher ein anderer als jener von 54' gewesen. Naheliegend vielmehr. daß 
Montbuysson 54' die Konzeption der Hs geändert hat. weil 1611 Elisabeth ihre Fertigkeit auf dem Instrument so 
weit entwickelt hatte. daß sie anfangen konnte. Literatur zu spielen. Das erklärt auch. weshalb einige Stücke. die 
im ersten Teil schon eingetragen wurden. im zweiten noch einmal erscheinen. Für wen aber legte Montbuysson 
den ersten Teil der Hs an? Sicher für Georg Schimmelpfennig. der darin auch als Komponist vertreten ist. Offen- 
sichtlich hat Schimmelpfennig später bei Montbuysson die Rolle des Assistenten übernommen. der den Meister 
bei der Prinzessin gelegentlich zu vertreten hatte. Das erscheint um so plausibler. als aus dem Umstand. daß Eli- 
sabeth die Vertonung der von ihr verfaßten Madrigaltexte Schimmelpfennig antrug. auf eine gewisse Vertraut- 
heit und Nähe geschlossen werden kann. Die 1615 entstandenen Madrigale (Anh. 6) unterschieden sich übrigens 
in ihrem Rekurs auf die italienischen Avantgardisten um Caccini sehr deutlich von dem Gabrielikult. dem Mo- 
ritz damals mit Vehemenz anhing. CLAUDIA KNISPEL ist darin zuzustimmen. daß Elisabeth die Hs nicht mit nach 
Güstrow nahm (1618). Wäre sie doch sonst mit ihrem übrigen Nachlaß verschollen. Vielmehr blieb sie im Besitz 
von Schimmelpfennig. nach dessen Tode (1637) sie in die Hofbibliothek gelangte. Das würde auch erklären. wes- 
halb sie im Katalog von 1638 nicht verzeichnet wurde. 
RISM B VII. 137f. ZULAUF. 64. 67-70. 72. 77. 90 u.ö. ENGELBRECHT. 26-27. ERNST FRIEDLAENDER. Eine Lieder- 
handschrift des K. Staats-Archivs zu Aurich aus dem Anfange 17. Jahrhundert. MfM 6 (1874) l -25 (hier zitiert 
als FRIEDLAENDERL). CLAUDE M. SIMPSON. The British Broadside Ballad and its Music. New Brunswick 1966. 
JOHN M. WARD. Apropos the British Broadside Ballad and its Music. JAMS 2() (1967) 28-86. WALLACE Joim 
RAVE. Some Manuscripts of French Lute Music (1630-1700). Diss. Urbanallll. 1972. CLAUDIA KNlSPl-IL. Das 
Lautenbuch der Elisabeth von Hessen. Frankfurt 1994 
Der bei dieser Literaturgattung noch unentwickelte Werkcharakter läßt nur in wenigen Fällen eine zweifels- 
freie Zuweisung an einen Komponisten zu. Komposition und Bearbeitung lassen sich kaum auseinanderhalten. 
Das relativiert sowohl die Konkordanznachweise als auch die Autorenangaben. Zu verweisen ist darauf. daß 
von einigen Drucken und Hss unterdessen Facsimile-Ausgaben vorliegen so von RISM 160312. 161524 oder 
von. der Königsberger Hs A 116 fol. die heute in Wilna liegt. Konkordanz- und Ausgabcnnachweis fallen in 
diesen Fällen zusammen. Unbezeichnete Stücke werden mit - gekennzeichnet. - Vorn eingelegt Expertise von 
J. RADKE. 
G0 from Winde etc. (JoHN DowLANo) 
(G0 from my window) 
K London Eg. 2046: A DOWLANDCLM. 153: L WARD. 32 f. Melodie bei SlMPsoN. 259 
1T 
IV 
Ballet 
Paduana (Jorm DOWLAND} 
K RISM D 3478 (London. Short. 1597): A DOWLANDCLM. 187-188
	        

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