Full text: Cassel

Bild oben links: 
Das alte Rathaus in der oberen Karlsstraße 
 
Cassel nach Westfalen im Jahre 1845 erfolgt war. In 
rascher Folge wurden später eine Reihe anderer wich- 
tiger Schienenwege gebaut, so daß Cassel jetzt im 
Brennpunkt des mitteldeutschen Eisenbahnverkehrs 
liegt. Der Casseler Straßenbahnverkehr be- 
gann im Jahre 1877, in welchem eine englische Gesell- 
schaft vom Königsplatz nach Wilhelmshöhe eine nor- 
malspurige Dampfbahn erbauen ließ. Heute ver- 
mitteln neun Linien mit einer Gleislänge von über 
50 km den elektrischen Straßenbahnverkehr innerhalb 
der Stadt und nach den Vororten. Die Herkulesbahn 
führt im Anschluß an die Casseler Straßenbahn im 
Steigungsverhältnis 1 : 12 in einer halben Stunde nach 
dem Scheitel des 600 m hohen Habichtswaldes zum 
Fuße des Herkulesstandbildes. 
Cassels Markt- und Warenverkehr spie- 
gelt sich zum Teil in den Gemüsemärkten wieder, die 
mehrmals wöchentlich abgehalten werden. Wenn auch 
die Bedeutung der Casseler Messen infolge der neu- 
zeitlichen Entwicklung der Laden- 
geschäfte und Warenhäuser immer mehr 
geschwunden ist, so konnte diese alte Einrichtung doch 
noch nicht ganz verdrängt werden. 
Die behördlichen Maßnahmen auf dem Gebiete der 
Verkehrs-, Handels- und Industriepolitik sind bald 
hemmende, bald fördernde, je nachdem Selbstzweck 
oder Interessen des Gemeinwohls überwiegen. Im 
Rahmen dieser Darstellung soll nur die fördernde Seite 
behandelt werden. Eine planmäßige Gestaltung der 
Fremdenverkehrsförderung hat sich im 
Gegensatz zu den Nachbarländern in Deutschland erst 
im Laufe des letzten Vierteljahrhunderts durchgesetzt. 
Aus dem zunächst nur losen Zusammenschluß der 
interessierten Gewerbetreibenden entwickelten sich 
Verkehrsvereine auf gemeinnütziger Grundlage, die 
sich länder- und bezirksweise zu Verkehrsverbänden 
zusammenschlossen und ihre Spitze in dem Bund 
deutscher Verkehrsvereine fanden. Zu den ältesten 
Vereinen dieser Art ist der Casseler Verkehrs- 
v e r e i n zu zählen, der auf die Vorzüge der tausend- 
jährigen hessischen Hauptstadt als Fremdenplatz 
immer wieder in zahlreichen Veröffentlichungen hin- 
gewiesen hat. In der Erkenntnis, daß die Verkehrs- 
förderung der Hauptstadt unlösbar sei von der des ge- 
samten Wirtschaftsgebiets ist der V e r k e h r s v e r - 
band für Hessen und Waldeck begründet 
worden, der sich zusammen mit dem im gleichen Sinne 
strebenden Wesergebirgsverband dem Preußischen 
Landesverkehrsverband angeschlossen hat. Es bedurfte 
fortgesetzter und eindringlicher Vorstellungen bei den 
Reichs- und Landesbehörden, um namentlich die Eisen- 
bahnverwaltungen von der Notwendigkeit der Unter- 
stützung der gemeinnützigen Verkehrsförderungs- 
politik zu überzeugen. Erst nach dem Zusammenbruch 
ist eine Reichszentrale für deutsche Ver- 
k e h r s w e r b u n g ins Leben gerufen worden, die 
als gemischtwirtschaftliches Unternehmen unter Be- 
teiligung der Städte und Wirtschaftsverbände die 
Werbetätigkeit vereinheitlichen und planmäßig durch- 
führen soll. Mit der generellen außerdeutschen und 
innerdeutschen Verkehrspropaganda muß die spezielle 
Werbetätigkeit für die verschiedenen Verkehrsplätzc 
Hand in Hand gehen. Vor 13 Jahren hat die Stadt 
Cassel, als erste Stadt in Preußen, ein s t ä d t i s c h e s 
V e r k e h r s a m t neben dem gemeinnützigen Ver- 
kehrsverein eingerichtet, da dieser sich nur der Be- 
lebung und Weiterbildung des vorübergehenden 
Passantenverkehrs zuwenden kann, während die kom- 
munale Wirtschafts- und Verkehrspflege viel weiter- 
gehende Aufgaben hat. Zunächst muß die verkehrs- 
fördernde Gemeinde immer wieder darauf bedacht sein, 
auf die Gestaltung der Eisenbahnfahrpläne 
und die Planung von Neuanlagen Einfluß zu gewinnen. 
Die von den verschiedenen Interessentengruppen vor- 
gebrachten Fahrplanwünsche werden vom Verkehrs- 
amt, oder wenn es sich um Angelegenheiten des Be- 
zirks handelt, vom Verkehrsverband an die zuständigen 
Stellen weitergeleitet, nachdem sie einer fach- 
männischen Vorberatung unter dem Gesichtswinkel des 
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