Full text: Waldeckisches Intelligenzblatt (1798)

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Etwas über die Gänse. 
(Aut dem Leibz. Int. Blatt.) 
gemeinen Leben hört man 
oft sagen: vu dumme Gang; 
List du nicht jo dumm, wie eine 
Gans; ein hübsches Märchen, 
aber ein rechtes Gänschen rc. 
Ist denn daS Gänfegeichlecht 
wirklich so dumm, daß, wenn 
man dumme Menschen beschrei 
ben will, man sie den Gänsen 
zur Seite stell«? 
Ach meines Orts kann an den 
Gänsen eben nichts Dummes , 
wohl aber verschiedenes finden, 
worin sie sich klüger als ande 
re HauSthlere und Geflügel be 
tragen. 
Ihre Wachsamkeit sst bekannt 
und da sie des Tages, besonders 
aber des Nach S, sehr laut zu 
jchreyen ansangen, io bald sie 
was UnrechreS und Fremdes be 
merken, so könnten sie Haus 
und Hof gleich einem Hunde 
bewachen, und ließen sich grw.ß 
gut varzu abr chl.n. 
E«nem Huhn, einem Truth- 
hnhn kann man fremde Eyer 
unterlegen; sie brüten solche 
nicht nur aus, sondern führen 
auch j E. junae Enten eben so 
gut, aiS ob eS «bre ächten Kin 
der wären. Eine Gans hinge 
gen, der man Hühner-oder En- 
tencyer Unterlegt, tödtet sogleich 
daS Junge, sobald sie eS plpen 
hört, läßt sich also durch Uurer- 
schiebung unächter Kinder nicht 
bekriegen. 
Das Begatten der Hühner 
und Enten ist bloße Brutalität, 
dargegen der Gänserich vor und 
nachher viel zärtlicher, viel 
schmeichelhafter mit seinen Gän 
sen umgehet. 
Die Gans brütet recht mit 
Ueberlegung. Sie wendet tag. 
sich ihre Eyer um, und wirb nie 
mals eins zerbrechen. Treibt 
sie der Hunger vom Neste, fo be 
deckt sie ihre Eyer sorgfältig mit 
Fevern; ja man sollte fast glau 
ben, , baß sie v»e Zahl ihrer Brut 
tage wüßle und zahlte; denn in 
den iktztkn drey Tagen stehet 
sie nicht vom Neste auf, und 
wieverietz sich mit allen Kräfen, 
wenn man sie mit Gewalt abhe 
ben will 
Der Gänserich bleibt die vier 
Woch n ver Brutzeit fast Tag 
und Nacht vor dem Stalle, wo 
die Gänse sitzen. Wenn die 
Junten herausgekommen, nimt 
er sie mir lautem freudigen An 
theil
	        

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