Full text: Waldeckisches Intelligenzblatt (1797)

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Netter Versuch eines wohlfeilen und gefunden Bienen» 
futterS. 
(Beschluß.) 
In meiner kleinen Brauerey 
nehme ich «inen gehäuften 
Berliner Scheffel Darrmalj. 
Um nun vor diesesmal die 
Würze zum Bienenfutter so 
stark al- möglich zu erhalten, 
nahm ich »z Scheffel Darrmalj, 
und goß nach dem Einmeischen 
nur so viel siedend Wasser dar 
auf, daß ich ; Eymer Würze 
abzapfen konnte, und sodann 
erst verfertigte ich meinen HauS- 
trunk. 
Diese 5 Eymer Würze kochte 
ich eine gute halbe Stunde, 
ließ sie sich darauf setzen und 
klärte sie reln und helle ab, so, 
daß ich nur 4 Eymer klare 
Würze behielt. Diese 4 Eymer 
enthielten 48 Berl. Maas. Ich 
gab ihnen einen Zusatz von 18 
Pfund Honig und kochte sie, 
unter beständigem Abschäumen 
zu einem Syrup ein, der wegen 
der braunen Würze, nachdem 
er erkaltete, dem flüßigen Ho 
nig sehr ähnlich war. 
Mit dieser Kost bewirthete 
ich meine schwachen Bienen alle 
-r Tage, bald warm, bald kalk 
nachdem die Witterung war, 
inchölzernen Trögen mit milder 
Hand und brachte sie damit 
glücklich bis in den May. Die 
Bienenstöcke wurden zusehend- 
volkreicher unv die Biene zeigte 
dabey die größte Munterkeit. 
Nun glaubte ich, daß meine 
Bienen die gehörige Nahrung 
fiaven und sich selbst versorgen 
würden; allein der ungewöhn 
liche Frost in der Nacht vom 
Lg. zum 24. May, der weit 
und breit die gröste Verwü 
stung angerichtet hat, setzte von 
neuem die Bieuen in einen 
bejammernswürdigen Stand. 
Das Getreide auf dem Felde 
war nebst allen Blumen erfro 
ren, und die Wiesen waren 
todt. Mit einem Worte, alle 
Nahrungssäfte waren den Bie 
nen entrissen, und die darauf 
folgende Kälte sperrete sie noch 
dazu in ihre verarmte Woh 
nung ein. 
Ich sahe mich in die Noth 
wendigkeit gesetzt von neuem zu 
füttern;
	        

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