Full text: Waldeckisches Intelligenzblatt (1796)

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auf Druse, da sie vom Faul 
fieber, dessen Kennzeichen und 
Behandlung gewöhnlich keine 
Kenntnisse haben. Dies war 
auch in der Amtsvogtei Ilten 
der Fall, wo ein alter Empiri> 
kuö Tränke gegeben hatte, 
deren Basis in Essig bkstand, 
und die den kranken Pferden 
durch die Nase eingegeben wer 
den sollten, Man stelle sich 
vor, solchen Kranken, dir oh 
nehin den heftigsten Schmerz 
rn der Brust haben, Lßigträn- 
?e, und noch dazu durch die 
Nase einzugeben! Läßt sich wohl 
etwas unvernünftigeres den 
ken? Die blos ln den Köpfen 
der sogenannten Aerzte versto 
pfte Druse soll durch derglei 
chen angreifende und erschüt 
ternde Tranke zum Flusse ge 
bracht werden. Möchten doch 
die Menschen um ihres eigenen 
Nutzens willen einmal einsehen 
lernen, daß man von der Na 
tur nichts mit Gewalt erhalten 
oder erzwingen kann!! 
Die erste oder Grundursache 
der Faulfleberseuche liegt nach 
meiner Wahrnehmung und Ue 
berzeugung in den Nahrungs 
mitteln. Di« Pferde zu Lehrte 
haben eine an sich niedrige und 
sumpfige Weide, wo die Grä- 
ferei diesen Sommer durch de» 
vielen Regen in dem Grade 
verdorben ist, daß sich davon, 
nach einem hohen Grade von 
Wahrscheinlichkeit, der Stoff 
zum Faulfieber in den Pferden 
erzeugt hat. Auch habe ich 
diese Krankheit nach ausgewach 
senen mulstrigen und verdorbe 
nen Haber entstehen sehen. Ist 
das Faulfieber durch diese 
Grundursache einmal erzeugt, 
so hat man wenigstens Ursache, 
zu besorgen, daß durch Umgang 
mit Kranken auch solche Pferde 
davon angestecket werden, die 
an den bemerkten Grundursa 
chen keinen Theil genommen 
haben. Daß die Faubfieber» 
seuche, die 1790 hier graffirte, 
eine solche ansteckende Eigen 
schaft besaß, davon bin ich bi- 
zur unbezweiftlten Gewisheit 
überzeugt worden, Cs ist mir 
zwar nicht unbekannt, daß man 
diese Krankheit in verschiedenen 
andern Landern, wo sie beob 
achtet ist, blos aus allgemein 
statt gefundenen Ursachen hat 
herleiten, und ibr keinen an 
steckenden Charakter zugestehen 
wollen; allein in diesen Länder« 
scheint sie auch weniger bösar 
tig, wie bei uns, und wie auch 
dermalen in der Amtsvogtsr 
Ilten gewesen zu seyn, indem 
die
	        

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